Von Mineralwasser und dem erfrischenden Zischen beim Öffnen einer Sprudelflasche können die Deutschen gerade bei Hitze nicht genug bekommen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Die nächste Hitzewelle in diesem Sommer kommt bestimmt und mit ihr neuerliche Debatten über Wassersparen, Trinkmengen und Wasserqualität. Fragen und Antworten rund ums Elixier des Lebens.

Stuttgart - Ohne Wasser kann der Mensch nicht existieren. Wasser ist reich an wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen: Kalzium ist wichtig für den Knochenaufbau, Enzyme, Nerven- und Muskelzellen. Magnesium hemmt die Blutgerinnung und schützt vor Thrombose. Neben Natrium und Chlorid ist Sulfat enthalten, das eine entgiftende Funktion beim Stoffwechsel der Leber hat. Spurenelemente wie Fluorid, Lithium, Eisen und Jod ergänzen den Gesundheits-Mix.

Vor allem von Mineralwasser und dem erfrischenden Zischen beim Öffnen einer Sprudelflasche können die Deutschen nicht genug bekommen. 2020 trank jeder Bundesbürger im Schnitt 133,8 Liter Mineral- und Heilwasser. Fragen und Antworten rund ums Elixier des Lebens.

Soll man bei Hitze besonders viel trinken?

Der menschliche Körper besteht zu bis zu 70 Prozent aus Wasser. Trinken ist aber nur eine Form, Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Über die Nahrung deckt der Mensch einen großen Teil seines Flüssigkeitsbedarfs.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, pro Tag eineinhalb bis zwei Liter zu trinken – an heißen Tagen und nach dem Sport entsprechend mehr. Wer zu wenig trinkt, kann schnell unter Schwindelgefühlen, Durchblutungsstörungen, Erbrechen und Muskelkrämpfen leiden.

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Ein Zuviel an Flüssigkeit kann dagegen zu gesundheitlichen Schäden durch eine Hyponatriämie – einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut – führen. Weit größer ist jedoch die Gefahr des „Austrocknens“. Vor allem ältere Menschen haben oft kein Durstgefühl mehr. Im Sommer sind die Arztpraxen und Krankenhäuser voll von Senioren, die wegen eines zu geringen Wasserkonsums kollabieren.

Ist Wellness-Wasser besonders gesund?

Verbraucherschützer halten aromatisierte Durstlöscher für reine Trendgetränke ohne gesundheitlichen Nutzen. Balance-, Relax- oder Vital-Getränke für Wohlfühlmomente, versetzt mit Zitronenmelisse, Malve oder Ginseng, enthielten alles, „was in einem gesunden Durstlöscher unerwünscht und überflüssig ist“, sagt Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen.

Der Fruchtsaftgehalt liege zwischen null und fünf Prozent. Was dagegen oft fehle, seien wichtige Mineralstoffe. Außerdem sind die Mixturen richtige Kalorienbomben. Eine 1,5-Liter-Flasche kann bis zu 300 Kilokalorien enthalten.

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Ist Mineralwasser besser als Trinkwasser?

Nach Angaben der Stiftung Warentest ist gekauftes Mineralwasser in Flaschen nicht besser als Leitungswasser. „Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos.“ Nur acht von 30 getesteten Mineralwässern konnten mehr Mineralstoffe ausweisen als das mineralstoffreichste Leitungswasser im Test. Leitungswasser in Deutschland hat in der Regel Topqualität.

Gemäß der Trinkwasserverordnung ist es das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. „Leitungswasser ist so gesund wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein“, sagt der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus.

Ist Bier der ideale Durstlöscher?

Bier hat einige Trümpfe zu bieten: Es ist eine vorzügliche Quelle für B-Vitamine, Magnesium und Kalium. Gesund ist das nur, wenn es sich um alkoholfreies Bier handelt. Das Problem ist der Alkohol.

Der Organismus kann die Kohlehydrate im alkoholischen Gerstensaft nicht richtig nutzen, weil er zu sehr mit dem Abbau des Ethanols oder Ethylalkohol im Bier, in Wein und Spirituosen beschäftigt ist. Hinzu kommen jede Menge Kalorien. Ein halber Liter Weizenbier beispielsweise hat 260 Kalorien, ein Pils 210 Kalorien. Nur mit Wasser wird der Durst ohne Kalorien, Zusatzstoffe und Rausch bekämpft.

Wird im Sommer mehr getrunken?

Während der Hitzewelle im Juli 2019 wurde in Stuttgart deutlich mehr Wasser abgegeben als normal. So betrug die Menge am 3. Juli 176 Millionen Liter. „Das liegt locker 70 Prozent über dem Jahresdurchschnitt und immer noch ein Drittel über dem Wert eines ‚normalen‘ Sommertages mit 25 Grad“, sagt Felix Kuntsche, Betriebsingenieur der Netze BW.

Ein Problem bei der Wasserversorgung stellen diese immensen Mengen allerdings nicht dar. „Das Wassernetz verkraftet das ohne Schwierigkeiten.“ Das Wasser, das mehr verbraucht wird, fließt zum überwiegenden Teil als Gießwasser in die Gärten.

Soll man im Sommer Kaltes oder Warmes trinken?

Trinkt man Kaltes aus dem Kühlschrank, führt man dem Körper Kälte zu. Der Organismus ist aber darauf ausgelegt, die Körpertemperatur konstant zu halten. Er reagiert auf das kalte Getränk, indem er die Blutgefäße verengt. Das Blut bleibt verstärkt im Körperkern, der Mensch heizt auf und schwitzt.

Selbst Leitungswasser kann diese Reaktion hervorrufen. Wenn es direkt aus dem Wasserhahn getrunken wird, hat es in Deutschland eine durchschnittliche Temperatur von 14 Grad und ist zu kalt für unseren Körper. Nur wer Getränke mit einer Temperatur von etwa 30 Grad trinkt, verhindert eine solche Reaktion des Körpers.

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