Unmengen von Plastikmüll liegen an einem Strand des Distrikts Keserwan nördlich der libanesischen Hauptstadt Beirut. Der Abfall wurde durch starke Winde angeschwemmt. Foto: Foto: M/rwan Naamani/dpa

Das Mittelmeer ist eines der am stärksten belasteten Ökosysteme der Welt. Der Klimawandel und die damit einhergehenden Hitzewellen und Erwärmung des Meeres vergrößern die Probleme. Ein Überblick über die drohenden Gefahren für das „Mare Mediterraneum“.

Der Mittelmeerraum, der in den zurückliegenden Wochen von Hitzewellen und Waldbränden heimgesucht wurde, ist von Wissenschaftlern zu einem der Brennpunkte des Klimawandels erklärt worden. Menschen, Tiere und Natur, aber auch ganze Wirtschaftszweige in Südeuropa, Nordafrika und Nahost sind durch den Klimawandel bedroht.

Der Weltklimarat IPCC, der regelmäßig den umfangreichsten Bericht über die Erderwärmung vorlegt, beschreibt folgende fünf Gefahren:

Tödliche Hitzewellen

„Hitzewellen nehmen aufgrund des Klimawandels in der Mittelmeerregion zu und werden in Städten durch die Folgen des urbanen Lebens verstärkt“, was zu Krankheits- und Todesfällen führe, heißt es im IPCC-Bericht. Die Universität Bern hat errechnet, dass Intensität, Länge und Anzahl von Hitzewellen im östlichen Mittelmeer seit den 1960er Jahren um das Sechs- bis Siebenfache zugenommen haben.

Bedrohte Ernten

Nach einer Dürre in Nordafrika machen sich Landwirte auf eine furchtbare Missernte gefasst. „Wir haben noch nie eine so schlimme Dürre erlebt“, erklärt der tunesische Landwirt Tahar Chaouachi, der Weizen anbaut. „Die vergangenen vier Jahre waren schon trocken, aber in diesem Jahr hatten wir Regen erwartet. Stattdessen ist es noch schlimmer geworden.“

Da das heiße Wetter dazu führt, dass Grundwasser für die Bewässerung von Äckern verbraucht wird, könnten bei einem Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad im nördlichen Mittelmeerraum ein Fünftel weniger Oliven geerntet werden, sagt der Weltklimarat voraus.

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Temperatur auf der Erde bereits um 1,1 Grad angestiegen. Laut Forschern der Universität Stanford erlebt die Mittelmeerregion „für die meisten Feldfrüchte erhebliche negative Auswirkungen“.

Wasserknappheit

Eine Anlegestelle im Sau-Stausee ist trockengefallen, nachdem der Wasserstand in dem See, etwa 100 Kilometer nördlich von Barcelona, gesunken war. Foto: AP/dpa/Emilio Morenatti

Eine Dürre in Spanien hatte vor der Parlamentswahl vom Sonntag Debatten über die Wasserversorgung ausgelöst. Die Europäische Dürrebeobachtungsstelle teilte mit, dass die Hälfte des Mittelmeerraums schon im Juni einen niedrigen Grundwasserspiegel aufwies.

Der IPCC-Bericht mahnt, dass der Klimawandel den Wassermangel „an den meisten Orten“ der Region verschlimmern werde. Seen und Trinkwasser-Reservoirs werden in diesem Jahrhundert vermutlich bis zu 45 Prozent ihres Wassers verlieren. In Nordafrika wird bis zu 55 Prozent weniger Oberflächenwasser verfügbar sein.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme an Land und im Wasser führt auch zum Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt, warnt der IPCC.

Anstieg des Meeresspiegels

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Meeresspiegel des Mittelmeers pro Jahr um 2,8 Millimeter gestiegen, was eine Bedrohung für Küsten und Städte wie Venedig bedeutet, die stark den Gezeiten ausgesetzt sind.

„Der Anstieg des Meeresspiegels beeinträchtigt bereits die Küsten des Mittelmeers und soll laut Vorhersagen das Risiko der Überflutung von Küstengegenden, von Erosion und von Versalzung erhöhen“, schreibt der Weltklimarat. „Diese Auswirkungen würden Landwirtschaft, Aquakulturen, Stadtentwicklung, Häfen, Tourismus, Kulturstätten und vielen Küsten-Ökosystemen schaden.“

Erwärmung und Versalzung

Die Unterwasserlandschaft nahe dem Strand von Bendinat auf Mallorca. Foto: dpa/Clara Margais

Das Mittelmeer erwärmt sich einer Studie zufolge immer schneller und wird dabei auch immer salziger. Das Wasser erwärme sich infolge des Klimawandels mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Grad je 100 Jahre im westlichen Mittelmeer und an einigen Stellen wie bei L’Estartit an der Costa Brava sogar um drei Grad pro Jahrhundert, schreiben Wissenschaftler des spanischen Meeresforschungsinstituts ICM-CSIC in der Zeitschrift „Journal of Marine Science and Engineering“.

Der Salzgehalt des Mittelmeeres ist höher als zum Beispiel der des Atlantiks, weil mehr Wasser verdunstet als aus Flüssen, die in das Binnenmeer münden, hinzukommt. Der Austausch mit dem Atlantik ist nur sehr begrenzt, da die Straße von Gibraltar nur eine sehr schmale Verbindung darstellt.

Zudem sei festgestellt worden, dass der Meeresspiegel im Durchschnitt um etwa 2,8 Millimeter pro Jahr steige. Bei dieser Entwicklung sei eine deutliche Beschleunigung seit den 1990er Jahren beobachtet worden.

Invasive Arten

Fischmarkt auf Palma de Mallorca. Foto: www.imago//Augst/Eibner-Pressefoto

Der Klimawandel bedroht nicht nur die viel geliebten Strände des Mittelmeers, sondern auch das Meer an sich und die Fischerei. „Seit den 1980er Jahren verändern sich Ökosysteme des Mittelmeeres, was sich im Niedergang der Artenvielfalt und der Zunahme invasiver Arten ausdrückt“ und auf den Klimawandel und andere menschliche Aktivitäten zurückzuführen sei, erklärt der IPCC.

Bei einer globalen Erwärmung von mehr als 1,5 Grad könnten bis 2060 mehr als ein Fünftel der Fische und wirbellosen Tiere im östlichen Mittelmeer aussterben. Die Einkünfte aus der Fischerei könnten bis 2050 um bis zu 30 Prozent zurückgehen, heißt es in dem Bericht.

Umweltverschmutzung

Die Region leidet einem UN-Bericht zufolge dramatisch unter den Folgen des Klimawandels, Verschmutzung und Massentourismus. Der Tourismus an der Küste führe zu „erheblichen Umweltschäden“, warnt ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep). Zudem sei das Mittelmeer stärker vom Klimawandel betroffen als der globale Durchschnitt – mit verheerenden Folgen.

Das Meer dem UN-Bericht zufolge eine der am stärksten durch Müll betroffenen Regionen der Welt. Rund 730 Tonnen Plastikmüll landen demnach täglich im Mittelmeer.

Zudem wird die Küste des Mittelmeers immer mehr zugebaut, wie der Bericht warnte. Zwischen 1975 und 2015 hätten drei Viertel der Anrainerländer die verbauten Flächen, die innerhalb eines Kilometers von der Küste entfernt liegen, verdoppelt oder mehr als verdoppelt. Somit bleibe immer weniger Platz für Küsten-Ökosysteme.