Ulrich Arndt von der Stabsstelle für Bürgerbeteiligung nimmt den Brief der S-21-Gegner entgegen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Gegner des Stuttgarter Tiefbahnhofs wenden sich an den Regierungschef und erinnern die Koalition an ihre Klimabeschlüsse, die den Kohlendioxidausstoß begrenzen sollen.

Stuttgart - Das Aktionsbündnis gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 wendet sich gegen den Bau von weiteren Tunneln, mit denen die Landeshauptstadt laut deren Befürwortern besser an den Schienenverkehr angebunden werden soll. Die Projektgegner argumentieren dabei in einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit Rohstoffverbrauch und Klimaschutz. Das Schreiben wurde am Freitag zu symbolträchtiger Uhrzeit – um 12.05 Uhr – vor dem Staatsministerium übergeben. Nicht Kretschmann, sondern Ulrich Arndt, der Leiter der Stabsstelle der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, nahm den Umschlag mit den sechs Seiten und den Berechnungen des Verkehrsberaters Karlheinz Rößler entgegen.

Gegner sehen eine „Betonorgie“

Damit im Bahnverkehr der Deutschlandtakt mit einer halbstündigen Taktung in den großen Halten gefahren werden kann, sollen zwei lange Tunnel auf Stuttgart zuführen: Im Süden von Böblingen zum Flughafen der Gäubahntunnel, im Norden von der ICE-Strecke aus Mannheim Röhren bis fast in die City. Sie sollen vom Bund bezahlt werden.

Aus Sicht der S-21-Gegner sollen mit diesen Bauten und einer vom Verkehrsministerium des Landes erwogenen Ergänzungsstation die Mängel von S 21 überdeckt werden. „Viel teurer, viel später, viel schlechter“, fasst Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder die Tunnel und S 21 zusammen. Der S-21-Gegner Dieter Reicherter verurteilt auch die geplante Bebauung des alten Gleisfeldes als „Betonorgie und Klimasünde“. Die Gegner rechnen vor, dass die Tunnelbauten 730 000 Tonnen Kohlendioxid freisetzen, so viel, wie alle in Stuttgart zugelassenen Autos, wenn diese je 11 000 Kilometer fahren. Die „gern aufgestellte Behauptung, die Treibhausgasmassen könnten durch den Umstieg vom Auto auf die Bahn kompensiert werden“, nennen die Gegner, die den Kopfbahnhof erhalten wollen, „unsinnig“. Die Landesregierung müsse zeigen, wo sie an anderer Stelle Rohstoffe einsparen und Treibhausgase vermeiden wolle, um den von ihr versprochenen Klimaschutz zu erfüllen.

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