Eine Katze sitzt an einer menschenleeren Straße. Auf Zypern starben Analysen zufolge seit Jahresbeginn tausende Katzen an einem aggressiver gewordenen Tier-Coronavirus. Foto: Shadi Jarar’ah/APA Images/Zuma Wire/dpa

Neben Sars-CoV-2 gibt es zahlreiche weitere Coronaviren. Ein bei Katzen vorkommender Erreger ist auf Zypern gefährlich mutiert. Streuner werden von dort oft in andere europäische Länder gebracht. Verbreiten sie nun auch dort die neue Seuche?

Straßenkatzen sind immer auf der Suche nach Futter: ausgemergelt und verwahrlost, geschwächt und ungeimpft, von Parasiten geplagt. Unheilbare Krankheiten wie der Feline Immunodeficiency Virus (FIV, auch Katzenaids genannt) breiten sich unter streunenden Katzen schnell aus. Auch vor Hauskatzen, die mit Streuern in Kontakt kommen, machen Krankheitserreger nicht Halt.

Jämmerliches Dasein der Straßenkatzen

Streuner, die auf der Straße leben, sind gebeutelt. Sie hungern, weil sie kaum in der Lage sind, genug für sich zu jagen, sie geben Krankheiten weiter und haben auf ihren Streifzügen oft Unfälle. Verletzt verstecken sie sich, ihre Wunden eitern und sind irgendwann voller Fliegenmaden, wie Diandra Boczek, die Leiterin des Tierheims, sagt.

Bundesweit gebe es mindestens zwei Millionen Straßenkatzen, fast alle seien krank und unterernährt, die meisten würden nicht alt, schätzt Lea Schmitz, die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes.

Aus Zypern droht Katzen neue Gefahr

Und die Gefahr an unheilbaren Infektionen zu erkranken, wird für Straßen- wie Hauskatzen in Deutschland jetzt noch größer. Auf Zypern sind Analysen zufolge seit Jahresbeginn Tausende Katzen an einem aggressiver gewordenen Tier-Coronavirus erkrankt. Auch Großbritannien meldete im Oktober einen ersten eingeschleppten Fall. Droht auch in Deutschland eine Ausbreitung des veränderten Erregers bei Katzen?

„Aktuell sind noch keine Krankheitsausbrüche in Deutschland beschrieben, die den Verdacht auf diese neue Virusvariante zulassen“, sagt Katrin Hartmann von der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Das Risiko sei durch den Import infizierter Katzen aber gegeben. „Die aktuellen Fälle in England werden auf den Import von Katzen aus Zypern zurückgeführt.“

Auf Zypern gibt es eine große Population herrenloser Katzen, die ähnlich wie südeuropäische Straßenhunde häufig in andere Teile Europas und in die ganze Welt gebracht werden.

FCoV: feliner Coronavirus

Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine unbehandelt tödlich verlaufende Krankheit von Katzen, wie die Tiermedizinerin erläutert. Es handle sich um eine schon lange weltweit bekannte Erkrankung, ausgelöst vom felinen Coronavirus (FCoV). Auch in Deutschland komme dieser Erreger vor, der aber meist keine Symptome oder höchstens milden Durchfall verursache.

Selten kommt es zu einer spontanen Veränderung des harmlosen Virus und die Katze erkranke an FIP. Auf erste unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit und Fieber folgen Katrin Hartmann zufolge dann Ergüsse etwa in Bauch- und Brusthöhle (Flüssigkeitsansammlungen) sowie teils auch neurologische Symptome und Augenprobleme.

FCoV-23: feliner Coronavirus-23

In Zypern und Großbritannien wurde nun aber ein neues Virus, felines Coronavirus-23 (FCoV-23) genannt, nachgewiesen. Es handle sich um eine Mischung aus dem ursprünglichen FCoV und dem Hunde-Coronavirus CCoV, berichtet ein Forschungsteam um Christine Tait-Burkard von der University of Edinburgh kürzlich in einer noch nicht unabhängig geprüften Studie.

Das Virus werde wahrscheinlich direkt von Katze zu Katze übertragen, verbreite sich schnell und infiziere Katzen jeden Alters. Vor allem aber entwickeln Katzen mit der neuen Variante nach bisherigen Erkenntnissen wesentlich häufiger feline infektiöse Peritonitis, wie Hartmann erklärt.

Human-Coronavirus-Wirkstoff Molnupiravir

Auf Zypern wurde im August der Einsatz des Human-Coronavirus-Wirkstoffs Molnupiravir zur Behandlung von Katzen mit FIP genehmigt. Als sehr effektiv habe sich in Studien zudem der antivirale Wirkstoff GS-441524 erwiesen, sagt Katrin Hartmann.

„Bisher ist das genannte Medikament in Deutschland aber nicht zugelassen und hier auch nicht legal zu beziehen.“ Lediglich der Einsatz im Rahmen von Studien sei bisher möglich – eine laufe derzeit etwa an der Kleintierklinik der LMU. Wichtig sei ein früher Therapiestart, um die erkrankte Katze noch heilen zu können.

Info: Kastration von Katzen

Gebärfreudigkeit
Katzen können zwei- bis drei Mal pro Jahr durchschnittlich fünf bis sechs Kitten zur Welt. Man kann sich also leicht vorstellen, dass eine Population ohne Eingriff des Menschen in nur wenigen Jahren stark anwächst. Sorgenkinder sind vor allem Kater, deren Besitzer oft nur wendig Interesse an einer Kastration haben. Das liegt zum einen an den Kosten: Die Kastration eines Katers kostet rund 100 Euro, die einer Kätzin 150 bis 200 Euro. Zum anderen ist es vielen Kater-Besitzern schlicht egal, ob ihre Tiere unkontrolliert Nachwuchs zeugen.

Kastration
Für verantwortliche Katzenbesitzer ist es selbstverständlich, ihre Tiere, wenn sie geschlechtsreif werden – je nach Rasse ab dem fünften bis zwölften Monat –, kastrieren zu lassen. Das beugt nicht nur ungewollten Schwangerschaften vor , sondern schützt die Katzen auch vor Infektionen, Krankheiten und Verletzungen. Bei einer Kastration wird die weitere Produktion von Geschlechtshormonen unterbunden. Dies geschieht durch die Entfernung der „Keimdrüsen“. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um männliche Keimdrüsen (beide Hoden) oder aber um weibliche Keimdrüsen (Eierstöcke) handelt. Sowohl männliche als auch weibliche Katzen werden kastriert.

Sterilisation
Bei einer Sterilisation bleiben Hoden und Eierstöcke dort, wo sie sind. Es wird nur verhindert, dass Samen- oder Eizellen weiter transportiert werden können. Da die Keimdrüsen nicht entfernt werden, sind Katzen weiterhin rollig und Kater bleiben kampfeslustig und markieren weiterhin mit ihrem übel riechenden Urin.

Rolligkeit
Katzen, die nicht befruchtet oder kastriert werden, sind dauerrollig. Sie sind dann quasi permanent paarungsbereit und großen hormonellen Belastungen ausgesetzt. Wenn sie Freigänger sind, können sie sich – genauso wie Kater – auf der Suche nach einem Geschlechtspartner weit von Zuhause entfernen. Dabei dringen sie nicht nur in die Reviere anderer Katzen ein – was bedeutet: Kampf und Gefahr von Verletzungen –, sondern müssen auch viele gefährliche Straßen queren. Die meisten Katzen werden während der Paarungszeit überfahren.

Verletzungsgefahr
Unkastrierte Kater legen nach Einsetzen der Geschlechtsreife mit fünf, sechs Monaten auf der Suche nach einem Weibchen oft viele Kilometer zurücklegen. In Katerkämpfen kommt es häufig zu Infektionen mit FIV (Katzen-Aids) oder FeLV (Feline Leukämie, auch Leukose genannt) und zu schweren, bisweilen tödlich Verletzungen.