Nicolas Gonzalez (links) hat gegen RB Leipzig einen schweren Stand. Der Stürmer des VfB schirmt hier den Ball gegen Marcel Sabitzer ab. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart ist gegen RB Leipzig an Grenzen gestoßen. Das betrifft vor allem die Offensivspieler. Doch Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Co. sollen aus der 0:1-Niederlage lernen – aber was genau?

Stuttgart - Tanguy Coulibaly hat es in der Schlussphase mit einem Hackentrick versucht. Das war nett anzuschauen, wie der Stürmer des VfB Stuttgart das Spielgerät zu seinem Kumpel Silas Wamangituka auf dem linken Flügel weitergeleitet hat. Und der sprintstarke Kongolese wollte dann einmal mehr den Weg zum Tor von RB Leipzig finden. Doch es gab an diesem Abend kein Durchkommen für die jungen Wilden. Es ging weder an Dayot Upamecano noch an Willi Orban oder Marcel Halstenberg vorbei.

Die sächsischen Abwehrbullen bremsten den schwäbischen Jugendstil beim 0:1 mit ihrer Körperlichkeit und ihrer Schnelligkeit aus. Erfahrungswerte waren das für Wamangituka, aber auch für Nicolas Gonzalez und Sasa Kalajdzic, die sie im bisherigen Saisonverlauf der Fußball-Bundesliga noch nicht gemacht hatten. Stets hatten sie eine Siegchance oder zumindest die Möglichkeit auf ein Unentschieden gehabt. Selbst zum Start, als man mit 0:3 gegen den SC Freiburg zurücklag (2:3 hieß es am Ende). Diesmal nicht wirklich.

Der VfB muss leiden

„Das war wahrscheinlich der beste Gegner, gegen den wir bislang angetreten sind“, sagt Trainer Pellegrino Matarazzo. Das zeigt sich zum einen an der Defensive der Gäste: In 14 Spielen haben sie erst neun Gegentore hinnehmen müssen, drei davon gegen den FC Bayern. „Das ergibt in den verbleibenden 13 Partien einen Schnitt von nicht einmal einem halben Gegentreffer pro Spiel“, sagt der Mathematiker Matarazzo.

Zum anderen verfügt die Elf von RB-Coach Julian Nagelsmann in der Offensive über reichlich individuelle Qualität und fast genauso viel gruppentaktische Variabilität. Eine Herausforderung, welcher der VfB eine Hälfte lang noch gewachsen war. „Nach der Pause wurden wir aber aus dem Konzept gebracht“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat. Ein, zwei unnötige Ballverluste, ein, zwei Stellungsfehler – schon ging es in die falsche Richtung. „Da mussten wir 25 Minuten leiden“, ergänzt Matarazzo – und in dieser Phase das Gegentor durch Dani Olmo hinnehmen (67.).

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Der Unterschied zwischen mutigem Aufsteiger und erneutem Champions-League-Achtelfinalisten wurde deutlich. Zwischen einer Mannschaft, die am Wachsen ist, und einer Mannschaft, die über Jahre bereits gereift ist. Was sich jedoch nicht nur an den zerschellten Angriffsbemühungen der Stuttgarter festmachen lässt. Im Mittelfeld dienen Marcel Sabitzer und Kevin Kampl als Motoren des Leipziger Spiels. „Das sind Maschinen“, sagt Mislintat über die gut geölten und flüssig laufenden Automatismen beim Gegner.

Der VfB hielt im Zentrum mit Wataru Endo und Orel Mangala sowie allgemein mit leidenschaftlichem Kampf dagegen. Und hätte Waldemar Anton (86.) seine gute Torchance genutzt, dann hätten die Stuttgarter glücklich davon profitiert, dass sie Torhüter Gregor Kobel zuvor mit glänzenden Paraden im Spiel gehalten hatte. „Es war sein bestes Spiel. Er hat unheimlich viel Ruhe und Souveränität ausgestrahlt“, sagt Matarazzo.

Der VfB darf an Grenzen stoßen

Der Trainer ist jedoch trotz der erneuten Niederlage ein gutes Stück davon entfernt, sich besorgt über den Trend beziehungsweise unzufrieden über die Entwicklung in den vergangenen Wochen zu zeigen. Vor dem 0:1 gegen RB Leipzig gab es schon ein 0:1 beim VfL Wolfsburg, und noch immer wartet der VfB in der Liga auf einen Heimsieg.

Zusammengenommen sind die Stuttgarter durch die beiden Niederlagen in der Tabelle abgerutscht. Allerdings sind sowohl die Leipziger als auch die Wolfsburger Aspiranten auf die vorderen Plätze. „Es ist Teil des Entwicklungsprozesses, dass wir mit unserer jungen Mannschaft an Grenzen stoßen“, sagt Mislintat.

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Der Sportdirektor ist vielmehr überrascht, dass der VfB erst jetzt in diese Situation kommt und nicht schon vorher bittere Lektionen erteilt bekam. „Wir brauchen genau solche Spiele wie gegen RB Leipzig, um die Fähigkeiten des Teams zu schärfen und weiter zu lernen“, sagt Mislintat – und weiß, dass in der Begegnung beim FC Augsburg am nächsten Sonntag nicht so schnelle Abwehrspieler wie Upamecano unterwegs sein werden.

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