Foto: Mathias Kuhn

Wer zurzeit durch Hedelfingen fahren muss, benötigt gute Nerven. In den Hauptverkehrszeiten herrscht am Hedelfinger Platz Chaos, die Fahrzeuge stauen bis nach Lederberg zurück.

Hedelfingen - Wer durch Hedelfingen fahren muss, benötigt momentan in den Hauptverkehrszeiten gute Nerven und mehr Zeit als gewohnt. Rund um den Hedelfinger Platz geht es oft chaotisch zu: Mehr Stop, weniger Go. Gehupe, strapazierte Nerven, dicke Luft nicht nur bei Autofahrern. Sie quälen sich im Schritttempo über die Rohrackerstraße und über die Kreuzung. Verursacht wird das tägliche Chaos durch die Baustelle vor dem Bürgerhaus. Dort wird ein Regenüberlaufsystem gebaut. Die Hedelfinger Straße nach Wangen ist gesperrt, die Linksabbiegerspur in der Rohrackerstraße aufgegeben. Wer nach Wangen fahren will, wird über die Otto-Hirsch-Brücken umgeleitet. Die Autos müssen durch ein Nadelöhr. 50 Meter nach der Kreuzung verjüngen sich die Fahrbahnen. Die linke Spur wird zur reinen Abbiegespur ins Otto-Hirsch-Center. Wer geradeaus nach Wangen oder Obertürkheim fahren will, muss rechts einscheren. Gefährliche Brems- und Einfädelmanöver sind vorprogrammiert. Oft stehen die Autos bis in den Kreuzungsbereich zurück und kommen damit mit den Autofahrern aus der Gegenrichtung oder aus Richtung Wangen in die Quere.

„In den Hauptverkehrszeiten geht es hier oft chaotisch zu“, bestätigt Kai Freier. Hedelfingens Bezirksvorsteher hat von seinem Büro im ersten Stock des Bürgerhauses – dem Interimsrathaus – den besten Blick auf das Geschehen auf der Straße. Eine Lösung sieht aber auch Freier nicht. Zu viele Autos drängen sich durch die Engstelle am Löwen-Garten und die Ampelschaltung am Hedelfinger Platz und auf den Otto-Hirsch-Brücken sei ausgereizt, hat ein Verkehrsplaner dem Bezirksbeirat erklärt. Viele Beziehungen müssten aufeinander abgestimmt werden. Eine Verlängerung oder Verkürzung einer Grünphase könne an anderer Stelle zur Verschlechterung der Situation führen. Freier appelliert aber an die Autofahrer, mehr Rücksicht zu üben. Immer wieder beobachtet er, wie Autofahrer stur auf ihr Recht beharren, bei „Grün“ weiterzufahren, obwohl sie sehen, dass der Verkehrsfluss zum Erliegen kommt. Dennoch wird die Kreuzung blockiert und den Verkehrsteilnehmern aus anderen Fahrtrichtungen die Möglichkeit verstellt, über die Kreuzung zu fahren.

Die Auswirkungen des Autoknäuels auf dem Hedelfinger Platz sind auch an den Ortsenden zu spüren. Der Stau reicht nachmittags oft bis weit über das Waldheim und auch bis zur Manspergerstraße in Lederberg. „In solchen Fällen hilft uns auch die neue Busspur in Lederberg und vor dem Dürrbachkreisel nur wenig“, sagt ein Fahrer der SSB-Linie 65. Verspätungen gehören um diese Zeit zur Normalität.

Die Verkehrsteilnehmer warten darauf, dass die Sperrung der Hedelfinger Straße bald aufgehoben wird. Die Hoffnung ist berechtigt. „Die Bauarbeiten liegen gut im Zeitplan“, sagt Alma Osmanagic vom Tiefbauamt. Die Stadtentwässerung Stuttgart modernisiert seit Frühjahr das Regenwasserbehandlungssystem vor dem Bürgerhaus. Die Ausstattung des vor 53 Jahren installierten Regenüberlaufbeckens entspricht nicht mehr heutigen Vorschriften und Anforderungen. Deswegen wurde im ersten Schritt ein modernes Trenn- und Drosselbauwerk errichtet. Dazu wurde zwischen Stadtbahnhaltestelle und Bürgerhaus eine tiefe Grube ausgehoben. „Das eigentliche Trennbauwerk ist gebaut, die Betonarbeiten sind beendet. Auch der provisorische Gehweg ist angelegt. Kommende Woche soll der Kran abgebaut werden“, sagt Osmanagic. Zunächst müssen dann noch Leitungsstränge zurückverlegt werden, danach könnten die Asphaltarbeiten beginnen, die Fahrbahn der Hedelfinger Straße neu gestaltet werden. „Wenn uns der Winter oder Corona kein Strich durch die Zeitrechnung macht, können wir Mitte Januar die Hedelfinger Straße wieder freigeben“, sagt Osmanagic.

Dann werde sich zeigen, wie sich die Verkehrssituation am Hedelfinger Platz entwickele, sagt Freier. Mittelfristig hoffe er, dass mit einem Kreisverkehr die Probleme noch besser behoben werden.

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