Terrasse und Restaurant an der Göppinger Stadthalle bleiben verwaist. Die Verpachtung der Gastronomie ist gescheitert. Foto: Staufenpress

Die Göppinger Stadthalle steht weiter ohne festen Pächter da. Die vom Gemeinderat beschlossene Verpachtung von Sälen und Restaurant an die Firma Tresor ist gescheitert. Nun sollen einzelne Caterer einspringen.

Mit der Gastronomie in der Göppinger Stadthalle erlebt die Stadt Göppingen einen weiteren Rückschlag. Das Stadthallenrestaurant hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder als Sorgenkind der Stadt erwiesen. Nun kommt die Ende Januar vom Gemeinderat beschlossene Neuverpachtung an die Firma Tresor nicht zustande. Die Vertragsverhandlungen zwischen den Parteien seien gestoppt worden, teilte die Stadtverwaltung am Freitag auf Anfrage mit.

Die Vorgeschichte: Im vergangenen Sommer war der Pachtvertrag mit der Vujicic Gastro GmbH nach einigen Querelen vorzeitig aufgelöst worden. Die Firma „Tresor“, die auch im Weber-Park und am Göppinger Marktplatz Restaurants betreibt, übernahm als Interimslösung die Bewirtung der Säle. Währenddessen hatte die Stadt die Pacht neu ausgeschrieben. Die Firma „Tresor“ hatte sich beworben und der Gemeinderat daraufhin beschlossen, dass der Anbieter auch langfristig die Bewirtung von Stadthallensälen und Restaurant übernehmen soll. Daraus wird nun nichts.

Kein zufriedenstellendes Verhandlungsergebnis

„Die Gespräche hatten gezeigt, dass man zu keinem beide Seiten zufriedenstellenden Verhandlungsergebnis kommen wird. Somit wird es zu keinem Pachtverhältnis zwischen der Stadt und Tresor kommen“, teilte Jeanette Pachwald, die Pressesprecherin der Stadtverwaltung, am Freitag mit.

Über die genauen Gründe für die geplatzte Vereinbarung schweigt sich die Stadt aus. Nach Informationen unserer Zeitung fiel die Entscheidung am Donnerstagabend im Gemeinderat hinter verschlossenen Türen jedoch mit überwältigender Mehrheit. Die Stadträte seien sich mit der Verwaltung einig gewesen, dass die vom potenziellen Pächter vorgeschlagenen Bedingungen für die Stadt nicht annehmbar gewesen wären, hieß es am Freitag aus Gemeinderatskreisen.

Lukas Mürdter, der zusammen mit Lorenc Lleshaj die Firma Tresor vertritt, sagt hingegen: „Wir sind einfach nicht zusammengekommen, weil die Wünsche der Stadt nicht dem entsprachen, womit wir uns beworben hatten.“ Unter diesen Voraussetzungen wäre die Stadthallengastronomie „für uns nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen“, sagt Mürdter. Das Risiko habe die Gastro-Firma deswegen im Sinne des Gesamtunternehmens nicht eingehen können.

Und wie geht es mit Göppingens guter Stube weiter? „Die Stadt wird nun ein neues Konzept ausarbeiten, wie das Catering der Veranstaltungen in der Stadthalle erfolgen kann“, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Stadthallenmanagerin Leonie Großkopf betont ausdrücklich, dass keine der Veranstaltungen in der Stadthalle gefährdet sei und das Catering jederzeit gewährleistet sein werde. Man werde aktiv auf die Kunden der Stadthalle und die Veranstalter zugehen, um über die neue Situation bei der Bewirtung zu informieren.

Weitere Ausschreibung ist geplant

Die Rede ist von einem Pool an Caterern, die den Mietern der Säle mitgeteilt würden, um sie für ihre jeweilige Veranstaltung einzeln zu buchen. Lukas Mürdter sagt, die Firma Tresor habe die Bereitschaft signalisiert, bis zur Etablierung des Pools die Bewirtungen weiterzumachen und auch dem Caterer-Pool anzugehören, allerdings nicht für den unrentablen Thekenbereich. Keine Rede ist in diesem Zusammenhang mehr vom Restaurant der Halle, das seit Jahrzehnten nicht in die Spur kommt und nun weiter leer steht. Im Gemeinderat herrschte in der Sitzung aber offenbar Einigkeit, dass es eine weitere Ausschreibung der Stadthallengastronomie geben muss, damit Säle und Restaurant wieder dauerhaft bewirtet werden können.

Das Auf und Ab der Stadthallen-Gastronomie

Sorgenkind
Das Stadthallenrestaurant hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder als Sorgenkind der Stadt erwiesen und war über längere Perioden nicht fest bewirtschaftet.

2004
 Nach umfassender Renovierung wurden das Restaurant und das Catering an die Stuttgarter Gastronomin Petra Schulz vergeben, die dreieinhalb Jahre später jedoch Insolvenz anmelden musste.

2007
 schloss die Stadt Göppingen eine Vereinbarung mit dem Eislinger Wirt Karl-Heinz Kottmann, anschließend übernahm Oliver Kottmann vom „Bürgerhof“ die Bewirtung. Das Restaurant allerdings war für fünf Jahre nur noch für Sonderanlässe geöffnet.

2012
 Im Sommer bekam die Gastronomie-Firma von Ulrich Stroh („Tresor“) den Pacht-Zuschlag, der jedoch im Sommer 2017 nicht verlängert wurde.

2017
 Im Oktober schloss die Stadt die erste Vereinbarung mit der Vujicic Gastro GmbH, die seit dem Jahr 2018 – mit Corona-Unterbrechung – auch das Restaurant betrieb.

2023
 Im August wurde nach Differenzen zwischen Vujicic und der Stadt Göppingen die vorzeitige Vertragsauflösung bekannt gegeben. Die Firma „Tresor“, jetzt vertreten durch Lorenc Lleshaj und Lukas Mürdter, sprang daraufhin ein.