Armin Popperl, Stefan Kress und Harald Hauser (von links) vor einem Schaukasten mit Bienenvolk auf dem Gelände der Netze BW in der Austraße. Foto: /aney Schumacher

Mehr Artenvielfalt durch Blumenwiesen auf Wassertanks in der Austraße. Bereits Honig geerntet.

Münster - Insekten sind für das Ökosystem wichtig, schließlich bestäuben sie fast alle Wild- und Kulturpflanzen. Allerdings „nimmt deren Bestand ab“, sagt Stefan Kress vom Naturschutzbund (Nabu). Mit ein Grund: schwindender Lebensraum. Diesen zu schaffen und so für mehr Artenvielfalt zu sorgen, hat sich die Netze BW, ein Tochterunternehmen der EnBW, vorgenommen. Deshalb wurde auf der Fläche über den Trinkwasserbehältern in der Austraße eine Blumenwiese angelegt, die nun vielen Insekten als Lebensraum dient. Unterstützt wird das Projekt vom Imkerverein Stuttgart, dem Nabu sowie dem Amt für Stadtplanung und Wohnen.

Nachdem bereits Ende vergangenen Jahres damit begonnen wurde, die Fläche umzugraben und zu säen, hat es hier im Frühjahr und Sommer gesummt und geblüht. Aufs Gelände gezogen sind auch Honigbienenvölker, die von Imkern betreut werden. Die Blühfläche in Münster ist übrigens eine von insgesamt 43 in Stuttgart und Umgebung, die von der Netze BW umgestaltet wurden.

Nach knapp einem Jahr ziehen die Verantwortlichen Bilanz: „Es ist eine artenreiche Blumenwiese entstanden, sogar Honig konnte schon geerntet werden“, sagt Harald Hauser, Geschäftsführer der Netze BW Wasser.

Auf dem Grundstück in der Austraße sind derzeit fünf Bienenvölker beheimatet, auf allen Flächen sind es 180. Langfristig könnten insgesamt bis zu 300 Bienenvölker auf den Grundstücken untergebracht werden, sagt Hauser.

Dabei bieten die Blumenwiesen nicht nur für Honig-, sondern auch für Wildbienen Lebensraum. Es gebe für beide Arten Habitate, sodass sie nicht um Nahrung konkurrieren müssen, sagt Kress. Für Artenvielfalt sorgt auch eine vergleichsweise einfache Maßnahme: weniger Mähen. Die Blühflächen werden nur zwei Mal pro Jahr gemäht. Anschließend wird die Mahd abgeräumt. So kann über die Jahre ein Magerrasen entstehen, auf dem viele Pflanzenarten gedeihen, die wiederum Nahrungsgrundlage für Insekten sind. Abgemagert werden kann der Boden aber auch durch Umpflügen und den Einsatz von Sand und Kies.

Auch für die Mahd haben die Verantwortlichen Abnehmer gefunden: Das Heu erhalten derzeit Stuttgarter Jugendfarmen. „Denkbar ist auch eine Kooperation mit der Wilhelma“, sagt Armin Popperl von Netze BW, der die Blühflächen mitbetreut.

Wie sich die Pflanzen- und Tierarten auf den Blühflächen entwickeln, dokumentiert der Nabu, etwa indem die Falter auf den Wiesen gezählt werden. Ohnehin ist den Beteiligten wichtig, dass es sich bei den zu Blühflächen umgestalteten Wiesen nicht um „Eintagsfliegen“, sondern um ein langfristiges Projekt handelt, sagt Hauser.

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