Künstlern Roman de Laporte alias Jack Lack vor einem der Bilder Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski

Die Stadt will Bauwerke aufwerten, die Kunstschaffenden der Streetart-Szene sprayen. Lösung? Graffitis unter der Paulinenbrücke, die nun präsentiert wurden.

Stuttgart - Singt er für sie? Offenen Schnabels blickt der schwarz-weiß gestreifte Vogel auf die engelsgleiche Frau, die wie eine antike Skulptur daherkommt. Ihre Augen gen Boden gewandt streckt sie ihm den rechten Arm entgegen. Der Waldsänger und die nazarenische Unschuld prangen auf rotem Grund an zwei Brückenpfeilern unter der Paulinenbrücke: Graffitis, gesprayt von den Stuttgarter Künstlern Roman de Laporte alias Jack Lack und Dingo Babusch. Letzterer wählte hiesige Tiere als Motiv fürs Wandbild – Symbole für Freiheit und Leben. „Vögel waren die ersten Tiere überhaupt, die ich gemalt habe. Sie bilden die Brücke von der Natur zur urbanen Welt.“ Streetart-Künstler Roman de Laporte, der schon in der Unterführung „Unterländer Straße“ sprühte, vereint diverse Stile, um die Vielfalt und Einzigartigkeit der Stadt darzustellen. An der Paulinenbrücke träfen sich wie in einem Engpass Menschen verschiedenster sozialer und kultureller Herkunft, Geschichte und Geschichten, Gestern und Heute, sagt er. „Die antike Skulptur trägt auf dem Arm Tattoos der technisierten Jetztzeit.“

Positive Rückmeldungen von den Bürgern

Das ist im Sinne des Amts für Stadtplanung und Wohnen. Stetig arbeite man daran, den Bereich um die Paulinenbrücke aufzuwerten, so Klaus Volkmer, Leiter Stadtgestaltung und öffentlicher Raum. 2008 konzipierte das Büro G2 den „Städtebaulichen Rahmenplan Tübinger Straße / Paulinenbrücke Stuttgart“. „Es sollte ein Tor in die Innenstadt werden, das die Bezirke Stuttgart-Mitte und Stuttgart-Süd miteinander verbindet, mit weinroten Pfeilern rechts und links der Tübinger Straße. Diese Idee haben wir weiterentwickelt.“ Die Pfeiler auf der gegenüberliegenden Seite sollen folgen, zudem ein Lichtkonzept. Das bisherige Ergebnis dieses ämterübergreifenden Projekts könne sich sehen lassen, sind sich Volkmer und Claus-Dieter Hauck einig, der im Tiefbauamt die Abteilung „Stadtbahn, Brücken und Tunnelbau“ leitet. „Wir erhalten immer wieder Anfragen von Künstlern, ob wir Flächen zur Gestaltung freigeben können. Wir versuchen das zu ermöglichen, wo es geht.“ Bestens sei die Kooperation mit Florian Schupp, dem Graffiti-Beauftragten der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft. „Auch aus der Bevölkerung kommen positive Rückmeldungen.“

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