Ein Piks, der helfen kann. Davon sind Mediziner angesichts der anrollenden Grippewelle überzeugt. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Husten, Schnupfen, Halsweh – zurzeit leiden viele Stuttgarter an Erkältungen. Doch die Grippewelle ist im Anrollen. Ärzte raten vor allem Risikopatienten zur Schutzimpfung gegen Influenza-Viren.

Untertürkheim - Husten, Schnupfen, Halsweh – durch die kühle Witterung haben sich etliche Stuttgarter eine Erkältung eingefangen. Oder sind es doch Covid-19-Verdachtsfälle oder bereits die ersten Influenza-Patienten? Allgemeinmediziner wie Markus Klett aus Bad Cannstatt müssen noch aufmerksamer als in den Vorjahren die Symptome zu deuten versuchen. „Bitte keine Selbsttherapie. Patienten können die Unterschiede nicht selbst erkennen. Es ist dann Aufgabe der Kinder- und Hausärzte, zu differenzieren“, sagt Klett als Sprecher der Stuttgarter Ärzteschaft und will den Patienten gleichzeitig die Angst vor einem Besuch in der Praxis nehmen. „Bitte melden Sie sich vorab an. Wir schauen uns Erkrankte mit Erkältungs- oder Grippesymptomen separat an, und haben dann die entsprechenden Labor- und Untersuchungsmöglichkeiten, um die richtige Diagnose zu stellen.“ Oftmals handele es sich zurzeit noch um einen sogenannten grippalen Infekt. Doch die Grippewelle sei bereits ins Rollen gekommen.

Deswegen wäre bis Ende Oktober, Anfang November der richtige Moment, um sich gegen die Influenza-Viren impfen zu lassen, rät auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Ein kurzer Piks kann Schlimmeres verhindern. Die echte, durch Influenza-Viren ausgelöste Grippe breche meist schlagartig aus und verlaufe meist schwerer als Erkältungen. Bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen könne sie durchaus tödlich enden. Deswegen legen die Mediziner die vorbeugende Impfung vor allem Menschen, die älter als 60 Jahre und Risikopatienten sind, ans Herz. „Sie sollten vorrangig geschützt werden“, so Klett. Denn ein bereits durch Influenza-Viren geschwächter Körper besitze auch weniger Abwehrkräfte, um weitere Angreifer wie die Covid-19-Viren oder Pneumokokken abzuwehren.

Das Gesundheitsamt der Stadt hebt noch den gesellschaftlichen Nutzen der Schutzimpfung hervor. „Neben den allgemeinen Empfehlungen zur Grippeschutzimpfung ist es in diesem Jahr besonders wichtig, um eine zusätzliche Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, beispielsweise stationäre Aufnahmen zu reduzieren“, erklärt Martin Thronberens von der Pressestelle der Stadt Stuttgart. Je weniger an Influenza erkranken, desto weniger kranke Menschen mit grippeähnlichen Symptomen und somit auch weniger Covid-19-Verdachtsfälle stürmen die Arztpraxen und Kliniken. Die Vorsorgemaßnahme ist übrigens kostenlos. „In Baden-Württemberg werden die Kosten für alle Personen von der Krankenkasse übernommen“, so Thronberens.

Seit Ende September ist der diesjährige Impfstoff vorrätig. Wichtig: Die Patienten sollten sich jedes Jahr neu impfen lassen. Erstens nehme die Immunität mit der Zeit ab und zweitens würden sich die Grippeviren stetig verändern. „Jedes Jahr können andere Virusstränge zirkulieren. Saisonale Grippeimpfstoffe werden deswegen jedes Jahr aktualisiert, um den bestmöglichen Schutz gegen die gerade zirkulierenden Viren zu bieten“, so Thronberens. Auch dieses Jahr komme wieder ein Vierfach-Impfstoff zum Einsatz, der nach Kletts Erfahrungen auch gut vertragen werde. Geimpft werden Totimpfstoffe, also nur ungefährliche Bestandteile von Erregern. Man könne durch die Impfung also keine Influenza bekommen. „Wer gegen Eiweiß allergisch reagiert, muss mit einem hühnereiweißfreien, in Zellkulturen hergestellten Impfstoff geimpft werden “, sagt Markus Klett.

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