Rund um den Untertürkheimer Bahnhof wird am 25. Oktober das 175-Jahre-Jubiläum der Bahnstrecke gefeiert. Foto: Enslin

Mit einem gemeinsamen Fest rund um die Bahnhöfe wollen Untertürkheim und Bad Cannstatt am 25. Oktober ein historisches Ereignis feiern: 175 Jahre Bahnstrecke Cannstatt – Untertürkheim.

Untertürkheim - Und die Landeshauptstadt feiert vermutlich doch: Am 22. Oktober 1845 fuhr die erste Lokomotive dampfend von Bad Cannstatt nach Untertürkheim. Das Eisenbahnzeitalter in Württemberg begann. Für den damaligen Wengerterort Untertürkheim erfolgte an dem Tag der Startschuss zur aufstrebenden Kommune. Ohne den Bahnanschluss hätte sich Gottlieb Daimler rund 50 Jahre später nicht für Untertürkheim als Standort für das Stammwerk entschieden. Für den Bau der neuen Eisenbahnlinie kamen auch Facharbeiter nach Stuttgart. Viele stammten aus Bayern, bauten sich hier eine Existenz auf. Untertürkheim wuchs. Die Jungfernfahrt von König Wilhelm von Cannstatt nach Untertürkheim war ein einschneidendes Ereignis für Untertürkheim und Bad Cannstatt. Im Oktober jährt sich das Datum zum 175. Mal.

Ein Grund zu feiern? Vergangenen Sommer hat der Untertürkheimer Bürgerverein auf den Geburtstag aufmerksam gemacht, der Bezirksbeirat diskutierte darüber. Die Idee: Am 25. Oktober, dem Fleggatreff-Sonntag, könnte das württembergische Eisenbahnjubiläum gefeiert werden. Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel reichte diese Anregung der Bezirksbeiräte an die Stadtverwaltung und an die Deutsche Bahn weiter. Die Bahn signalisierte kein Interesse: „Es ist keine Veranstaltung zum 175-jährigen Jubiläum geplant.“

Die Festvorbereitungen schienen festgefahren. In den vergangenen Wochen sind nun doch Mitarbeiter der Stadt – darunter Untertürkheims Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel und Cannstatt Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler zusammen gekommen, um die Möglichkeiten auszuloten. „In der Verwaltung haben sich die beteiligten Stellen zum bevorstehenden Jubiläum bereits besprochen“, bestätigt Ann-Katrin Keicher die Pressesprecherin der Stadt. Noch sei das Programm aber vage. Sicher scheint: Am 25. Oktober werden die beiden Stadtbezirke Bad Cannstatt und Untertürkheim das Jubiläum miteinander begehen. In der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Untertürkheimer Vereine warb Wenzel bei den Vereinsvorsitzenden darum, dass die Vereine sich im Rahmen des Fleggatreff-Sonntags an dem Eisenbahnjubiläum beteiligen. „Wir sind gerade bemüht in Zusammenarbeit mit dem Büro des Oberbürgermeisters und den Bezirksämtern Bad Cannstatt und Untertürkheim, einen entsprechend gebührenden Rahmen zu veranstalten“, sagt Wenzel. Die beiden Bahnhöfe und deren nahe Umgebung sollen die Zentren des Festtages bilden. Details stünden aber noch nicht fest. Über verschiedene Schienen wird versucht, einen historischen Zug – im Idealfall eine Dampf-Lok – nach Untertürkheim zu locken. Dieser soll dann zwischen Bad Cannstatt und Untertürkheim pendeln und die Besucher von einem Stadtbezirksfest zum anderen chauffieren. Die bekannten Züge wie der Feurige Elias sind aber offensichtlich bereits anderswo im Einsatz. Der Karl-Benz-Platz wird von Daimler genutzt. Der Nachbar soll dort seine Autos präsentieren und einen Bogen von den historischen Anfängen bis zum Fahrzeug der Zukunft spannen. „Vermutlich wird es auf der Stuttgart-21-Baustelle der Deutschen Bahn in der Benzstraße einen Tag der offenen Tür geben“, so Wenzel und auch die Bahnhofsunterführung soll bespielt werden. Angedacht ist zudem im Rahmen des Flegga-Treffs ein moderiertes Podiumsgespräch im Rahmen des Fleggatreffs.

Prominenz aus der Kommunal- und Landespolitik sind angefragt, das Haus Württemberg hat bereits zugesagt. Schließlich hat König Wilhelm I vor 175 Jahren die königliche Bahnstrecke eröffnet. Daran wird ein Darsteller erinnern, der in die königliche Garderobe schlüpft und als Württembergs damaliges Oberhaupt die Gäste in Untertürkheim und in Bad Cannstatt begrüßt. Auch im und rund um den Cannstatter Bahnhof sollen Attraktionen angeboten werden. Das Programm müsse noch zusammengestellt werden, hält sich Cannstatts Bezirksvorsteher Löffler noch bedeckt. Vermutlich von Ende Mai bis November wird der Verein Pro Alt Cannstatt im Cannstatter Heimatmuseum eine Ausstellung zum Eisenbahnjubiläum zusammenstellen, sagt Vereinsvorsitzender Olaf Schulze. Matthias Busch kann sich zudem vorstellen, wieder Führungen durch den alten Rosensteintunnel anzubieten. „Es soll ein schöner Festtag werden. Vielleicht können wir auch noch weitere Eisenbahnfreunde und Vereine gewinnen, sich am Programm zu beteiligen“, hofft Wenzel.

Interessenten können sich bei Dagmar Wenzel unter Telefon 216 57 299 oder im Cannstatter Rathaus melden.

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