Haare zu lang, Spitzen fransig, Strähnchen ausgebleicht? Und nun? Foto: Ulia Koltyrina

Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff, auch die Friseursalons mussten inzwischen schließen. Die Haare wachsen weiter. Wie man in den nächsten Wochen damit klar kommt.

Köln - Die Korrespondentin traut sich wegen ihres grauen Haaransatzes kaum aus dem Haus, Kollege S. trägt Wollmützen, um seine Mähne zu verstecken, zum Bändigen ist es zu spät. Kollege B. hat dagegen zum Langhaarschneider gegriffen – und trägt nun Koreapeitsche. Der Coronavirus verursacht nicht nur in, sondern auch auf deutschen Köpfen einen Ausnahmezustand. Der Grund: Alle Friseursalons sind dicht. Das haben Bund und Länder am vergangenen Wochenende beschlossen. Nun sind Stilfragen in Zeiten, in denen es um Leben und Tod geht, eher nachrangig. Erst recht in einer Phase, in der viele Menschen noch nicht mal mehr für die Arbeit aus der ausgebeulten Jogginghose steigen, weil sie im Homeoffice sind – und die Chefs weit. Und doch verändert es den Alltag Millionen Deutscher, wenn sie ihr Haar nicht in professionellen Händen wissen. Krise ist schon schlimm, aber Krise und dazu auch noch schlecht frisiert?

Trägt Deutschland also bald kollektiv Matte? Glaubt man dem Stilkritiker und Buchautor Bernhard Roetzel, geht der Trend ohnehin wieder zu längerem Haar – auch ohne Coronavirus. „Es ist eine gewisse Ermüdung eingetreten bei Frisuren, die an der Seite ausrasiert sind“, erklärt er und rät zu Gelassenheit: Deutschland wird deswegen nicht zu einer Nation voller Zottel. Das Haar müsse ja auch erst mal wachsen: „Ausnahme sind höchstens die Frauen, die sich die Haare jede Woche vom Friseur legen lassen. Aber das ist eine aussterbende Tradition.“

Nach vier Wochen ist der kritische Punkt erreicht – und die Frisur im Eimer

Ein kritischer Punkt könnte allerdings nach etwa vier Wochen eintreten, meint Roetzel. „Vier Wochen ist ungefähr der Rhythmus, in dem man mit einem Fassonschnitt zum Friseur geht.“ Und aus einem „Bad hair day“ – einem Tag mit schlecht sitzender Frisur – werden plötzlich „Bad hair“-Wochen.

Was nun? Fangen die Leute jetzt an, sich mithilfe von Kochtöpfen und Youtube-Anleitungen wieder selbst die Haare zu schneiden? Experten raten dringend davon ab, denn es ist in jedem Fall risikoreich, ohne jede Ahnung einfach loszurasieren und loszuschnippeln. Wer schon mal bei einem schlechten Friseur war, hat unter Schmerzen gelernt: Verschnittenes Haar braucht wahnsinnig lange, bis es wieder rausgewachsen ist. Die Seite Instyle.de warnt bei ihren Tipps zum Selberschneiden daher in einem Ton, der auch bei einer Bombenentschärfung passen würde: „Die allererste Regel lautet eigentlich ‚don’t do it‘ – lass es lieber!“

Experte erwartet Rückkehr des Do-it-yourself-Haarschnitts

Viele werden sich von derlei Warnungen kaum abhalten lassen, zumal die meisten Schere, Kamm und Rasierer parat haben. Farbe lässt sich noch kaufen. Zudem haben die Deutschen eine gewisse Tradition, sich im familiären Kreis die Haare zu stutzen. Oft gibt es eine Tante, die das kann und am Ende jede Frisur als „frech“ bezeichnet. „Es wird vielleicht zu einem Revival des Do-it-yourself-Haarschnitts kommen, also von Freunden oder der Familie“, glaubt ­ Roetzel. Doch davon ist in diesen Corona-Zeiten ausdrücklich und sehr dringend abzuraten – die Zahl der körperlichen Kontakte soll schließlich auf ein Minimum reduziert werden.

Also doch wilde Wirbel, die in alle Himmelsrichtungen abstehen? Das kann aufs Gemüt schlagen. „Eine gute Frisur unterstreicht die Kleidung und auch, dass man sich wohlfühlt“, erklärt der Frankfurter Modeberater Andreas Rose. Andererseits könne man bei fortschreitendem Wuchs auch tricksen. „Meine Nachbarin zum Beispiel hat sich die Haare geflochten, das habe ich heute Morgen gesehen“, erzählt er. „Auch das ist schön.“ Weitere Ideen, um Schlimmeres zu vermeiden: schicke Haarkämme („Zum Beispiel mit Kristallen, Blumen oder in Schildpatt-Optik“), Kopftücher („Die sind auch wieder sehr angesagt“) oder ein schlichter Pferdeschwanz. Oder man versucht vom Haar abzulenken – etwa mit schönem Make-up um die Augen.

Zotteln oder Bürste – das ist hier die Frage

Das sind allesamt Tipps, die Männern nicht sonderlich helfen und ihnen letztlich nur zwei Optionen lassen: Langhaarfrisur wie Kollege S. oder Langhaarschneider wie der Kollege B., der mit seinem Bürstenhaarschnitt harmlose Passanten nicht weniger verschreckt als Kollege S. mit seiner wilden Mähne.

Doch es geht auch noch deutlich schlimmer, wobei Rose nicht an die schauerlichsten Prognosen glaubt. Auf die Frage, ob in der Krise nicht auch der „Vokuhila“ – vorne kurz, hinten lang – wieder ein Thema werden könne, sagt er: „Hören Sie auf, wie furchtbar! So etwas kommt nicht wieder, da lege ich mich fest!“ Wollen wir es hoffen, dass ­Rose damit recht behält.

Wie Sie sich die Haare schneiden, ohne dass es in einem Debakel endet

Keine Experimente Bitte keine komplizierten Kreationen! Einen schlechten Schnitt rauswachsen zu lassen, kann dauern. Also Finger weg von asymmetrischen Bobs, Stufenschnitten und dergleichen. Das wird nichts.

Das Werkzeug Verwenden Sie unbedingt eine richtige Haarschneideschere. Wer zur Bastel-, Nagel- oder Küchenschere greift, kann auch gleich eine Laubsäge nehmen.

Der Anfang Glatte Haare am besten in feuchtem Zustand schneiden, so dass der Schnitt präziser ist. Aber denken Sie daran, dass feuchte Haare sich in trockenem Zustand noch etwas nach oben ziehen. Locken am besten trocken schneiden, so sehen Sie gleich, wie die Haare später fallen, und vermeiden, dass Sie mehr Haar lassen, als Ihnen lieb ist.

Der Schnitt Tasten Sie sich langsam an die gewünschte Länge ran. Lange Haare also bitte nicht mit einem einzigen Schnitt auf einen Pixie-Cut kürzen. Laut der Internetseite Instyle.de nie mehr als 2,5 Zentimeter auf einmal abschneiden.

Optische Hilfe Falls Sie eine Orientierungshilfe in Sachen Symmetrie benötigen: Tragen Sie ein Oberteil mit Querstreifen.

Die Farbe Tönungen und Haarfärbemittel gibt es in jedem Supermarkt. Auch hier gilt: keine Experimente und am besten die Haare davor nicht mit Shampoo waschen, damit die Farbe besser aufgenommen wird.

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