Für ein Leckerli macht der Hund alles, sollte man meinen. Foto: dpa/Daniel Karmann

Forscher in Wien haben untersucht, ob Vierbeiner den Menschen helfen, die ihnen selbst vorher geholfen haben. Das Ergebnis ist etwas anders, als man denkt.

Stuttgart - Für Arthur Schopenhauer stand fest: „Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären.“ Und viele Herrchen und Frauchen dürften dem Philosophen wohl darin beipflichten. Doch eine aktuelle Studie zeigt: So etwas wie Dankbarkeit kennt der vermeintlich treuste Freund des Menschen offenbar nicht.

Ein Forscherteam der Universität Wien hatte 21 Hunden – vom Rasseexemplar bis zur bunten Promenadenmischung – zunächst beigebracht, wie sie durch Drücken eines Knopfes an Futter kommen konnten. Dann brachte man sie jeweils in ein Versuchsgehege, aus dem sie durch eine Glasscheibe aufs Futter schauen konnten.

Kein Leckerli – das frustriert

Ebenfalls sichtbar für sie: zwei Menschen, die dem Vierbeiner unbekannt waren und jeweils einen Knopf vor sich hatten. Der eine drückte hin und wieder diesen Knopf, und der Hund bekam Futter. Der andere dagegen machte keinerlei Anstalten zu drücken, so dass auch kein Leckerli für den Vierbeiner abfiel. Man kann sich leicht vorstellen, wie frustrierend das für ihn sein musste.

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Daraufhin kehrten die Forscher das Spiel um, nun bekam der Hund die Chance zur Revanche. Er konnte durch das Drücken eines Knopfes dafür zu sorgen, dass die Menschen in seiner Nähe – es waren wieder die gleichen Personen wie vorher – etwas zu essen bekamen. Man sollte annehmen, dass er nun vorzugsweise bei demjenigen drücken würde, der ihm zuvor zum Futter verholfen hatte. Nach dem Muster: Du hast mir geholfen, also helf ich dir auch. Beim unkooperativen Zweibeiner hingegen sollte er weniger aktiv werden, weil er dem ja nun wirklich keinen Gefallen schuldete.

Die Hunde erbrachten keine Gegenleistung für Futter

Es zeigte sich jedoch, dass die Hunde insgesamt ziemlich selten auf den Knopf drückten. Unabhängig davon, ob sie den hilfsbereiten oder gleichgültigen Menschen vor sich hatten. Später brachten die Forscher die Zwei- und Vierbeiner noch in einem Raum zusammen, ohne dass eine Aufgabe gestellt wurde. Man wollte beobachten, ob die Hunde besonders freundlich und aufmerksam reagierten, wenn sie auf den Menschen trafen, der ihnen zum Futter verholfen hatte.

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Doch auch in diesem Fall unterschied sich ihr Verhalten nicht sonderlich von dem, was sie den unkooperativen Menschen gegenüber zeigten. Weswegen Studienleiter Jim McGetrick ernüchternd feststellen muss: „Die Hunde erbrachten keine Gegenleistung für die Hilfe, die sie von einem Menschen erhalten hatten.“

Wie muss man die Studie verstehen?

Heißt das nun, dass Hunde generell keine Dankbarkeit kennen? Verhaltensforscher McGetrick würde nicht so weit gehen wollen: „Aus früheren Arbeiten wissen wir, dass Hunde durchaus einem Artgenossen helfen, wenn der ihnen zuvor geholfen hat.“ Es wäre also möglich, dass dieser sogenannte reziproke Altruismus eben nicht artenübergreifend zum Tragen kommt.

Eine andere Erklärung wäre aber auch, dass die Hunde den Versuchsaufbau der Studie nicht verstanden haben. Aber nicht etwa, weil ihnen der IQ dazu fehlt, sondern weil es praktisch im Alltag nicht vorkommt, dass ein Hund seinem zweibeinigen, vermeintlich so allmächtigen Partner zur Nahrung verhelfen kann. „Für einen Hund sind wir der verlässliche Futtergeber“, so McGetrick. Dass es auch andersherum sein könnte, sei für ihn einfach nicht vorstellbar.

  
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