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So wird man sofort zum Wein-Experten

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So wird man sofort zum Wein-Experten

Der beliebteste Wein, die wichtigsten Rebsorten, der beste Preis: Willkommen in der Welt der edlen Tropfen. Mit diesem Überblick meistert man sowohl den Einkauf als auch die nächste Experten-Runde.

So wird man sofort zum Wein-Experten

Rot, weiß oder Rosé – wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen den Weinarten? Foto: Adobe Stock/New Africa

Wie viel Wein wird in Deutschland getrunken?

Der Weindurst der Deutschen ist seit 20 Jahren stabil. Hier sind einige interessante Fakten dazu: Pro Kopf werden laut dem Deutschen Weininstitut alljährlich zwischen 20 und 21 Liter getrunken. Bevorzugt schenken sich die Weintrinker heimische Tropfen ein, sie machen 45 Prozent des Marktes aus. Beliebt sind auch die europäischen Klassiker: Weine aus Italien (15 Prozent), Frankreich (12 Prozent) und Spanien (11 Prozent).

Wo trinken die Deutschen ihren Wein am liebsten?

,,Die Deutschen trinken Wein weniger zum Essen als vor dem Fernseher", sagt Natalie Lumpp. Sie ist Sommelière und durch zahlreiche Fernsehauftritte bekannt. ,,Da soll er leicht und fruchtig sein, blumig und unkompliziert", sagt die Sommelière.

Welche Weinart ist in Deutschland am beliebtesten?

Seit Jahren wird immer mehr Weißwein getrunken, auch wenn derzeit Rotwein noch leicht vorne liegt. Und jede zehnte Flasche im Einkaufskorb ist ein Rosé.

Was sind die wichtigsten zwischen den Unterschiede Weinarten?

Klar, Rotwein wird aus roten Trauben gemacht, Weißwein aus weißen. Wichtiger für den Geschmack ist aber die unterschiedliche Herstellung: Beim Weißwein werden die Trauben ausgepresst und ihr Saft wird vergoren. Beim Rotwein werden die Trauben nur sanft angequetscht, vergoren wird die Maische aus Saft, Schalen, Fruchtfleisch und Kernen. Dadurch lösen sich mehr Gerbstoffe, Tannine genannt, und Farbe, die vor allem in Schalen und Kernen stecken. Roséwein wiederum ist kein Mix aus Weiß- und Rotwein, wie manche glauben. Denn diese Art von Mischung ist nur Champagnerproduzenten erlaubt - und Winzern in Übersee. Europäische Rosés sind „Weißweine mit falscher Farbe", wie Jens Priewe in seinem Standardwerk ,,Wein. Die große Schule" schreibt. Sie werden aus roten Trauben gewonnen, deren Saft aber nur wenige Stunden Kontakt mit den Schalen hat. Dadurch löst sich rote Farbe, aber kein Tannin. Eine neue Sonderkategorie sind sogenannte Orange Wines, beliebt besonders bei jungen Weintrinkern: weiße Trauben, die wie Rotwein verarbeitet werden.

Was bedeutet trocken, halbtrocken und lieblich?

Viele Weine tragen eine Geschmacksangabe auf dem Etikett. Ist ein Wein trocken, haben die Hefen den gesamten Zucker vergoren. Bei halbtrockenen oder lieblichen Weinen wird die Gärung zuvor durch Kühlung oder Schwefel gestoppt. Entscheidend für die Einordnung ist der Restzucker: Weine mit weniger als neun Gramm pro Liter sind trocken zwischen 9 und 18 Gramm bedeuten halbtrocken liebliche Weine enthalten 19 bis 45 Gramm süße Weine bis zu 80 Gramm Restzucker alles darüber sind Dessertweine

Welche Rebsorten sind die wichtigsten?

Weltweit wachsen rund 4500 Rebsorten, aus rund 2500 wird Wein produziert. „Aber 20 Rebsorten machen 98 Prozent der Produktion aus", sagt Silvio Nitzsche. Denn diese globalen Standardsorten sind einfach anzubauen und profitabel.

Die am meisten angebauten Rebsorten sind: 1. Platz: die roten Bordeaux-Traumpartner Cabernet Sauvignon, 2. Platz: Merlot, 3. Platz: eine weithin unbekannte spanische Rebe: Airén. Aus ihr wird vor allem Weinbrand destilliert. Die Spitzenreiter in Deutschland sind: 1. der elegante, frische Riesling, 2. mit großem Abstand folgt Müller-Thurgau, deren Rebe eher einfache Weißweine hervorbringt und 3. der fruchtig-würzige Spätburgunder, eine der ältesten Rotweinreben. International heißt sie Pinot Noir. Warum werden verschiedene Rebsorten miteinander verschnitten? Die Franzosen nennen den Mix mehrerer Rebsorten Cuvée oder Assemblage, die Deutschen haben ein weniger wohlklingendes Wort: Verschnitt.

Welche Aromen stecken im Wein?

Laien wundern (oder mokieren) sich oft über die floralen oder vegetabilen Noten, den Hauch von Pflaume, Brennnessel und abgehangenem Fleisch oder den mineralischen Abgang, den Weinkenner ihren guten Tropfen andichten. Tatsächlich aber haben Wissenschaftler rund 800 verschiedene Aromen im Wein identifiziert, die sich eben nur über solche Assoziationen beschreiben lassen. Und wären ihre Messgeräte feiner, fänden die Önologen, also Weinwissenschaftler, wahrscheinlich noch wesentlich mehr, schreibt Jens Priewe. Grundsätzlich lassen sich all diese Geschmäcker und Gerüche in drei Kategorien einteilen: 1. Primäraromen sind die natürlichen, meist fruchtigen oder blumigen Aromen jeder Rebsorte. 2. Sekundäraromen entstehen bei der Gärung. Sie können fruchtig, würzig oder mineralisch sein und machen den Großteil des Dufts und Geschmacks aus. 3. Tertiäraromen bilden sich beim Reifen des Weins im Holzfass und in der Flasche. Sie reichen von Karamell und Pilzen über Herbstlaub und Moos bis zu Leder und Holz. Je nach Rebsorte, Boden und Klima können die Aromen sehr unterschiedlich sein: Prinzipiell aber erinnert Weißwein oft an Pfirsich oder Aprikose, an Kräuter oder grünen Apfel. Rotwein schmeckt eher nach Beeren oder Kirschen, nach Eukalyptus oder Lakritz, Trüffel oder Holz. Und bei guten, gereiften Rotweinen riechen Kenner Stall und nasse Wolle heraus - oder Pferdeschweißs. Tipp: Eine Hilfe beim Bestimmen des Weingeschmacks ist das Aromarad, das kalifornische Önologen in den 1980ern entwickelt haben. Es ordnet Aromen mehrstufig in Kategorien ein, zum Beispiel blumig, würzig, nussig oder balsamisch. Mittlerweile gibt es spezielle Aromaräder für Rotwein oder Weißwein.

Was bedeuten die Bezeichnungen auf dem Wein-Etikett?

Das Kauderwelsch auf Weinflaschen ist für viele verwirrend. Italienische Winzer drucken die Rebsorten aufs Etikett, Franzosen die Appellation, also die Herkunft. Und statt dem verpönten ,,halbtrocken" ist heute oft „feinherb" zu lesen. Dazu kommen jede Menge Abkürzungen. Hilfreich ist es deshalb, erst mal die Flasche zu drehen. Denn auf dem Etikett auf der Rückseite sind gesetzlich vorgeschriebene Angaben wie Alkoholgehalt und Qualitätsstufe nachzulesen. Diese bemisst sich bisher aber nach dem Zuckergehalt - und der ist in Zeiten des Klimawandels, da alle Trauben reif werden und Winzer den Zucker eher gering halten wollen, als Kriterium obsolet. Mit dem neuen Weingesetz gelten deshalb spätestens ab dem Jahrgang 2026 andere Regeln. Künftig gilt der gleiche Grundsatz wie in Frankreich oder Spanien: Je enger gefasst die Herkunft, desto höher die Qualität. Die Pyramide reicht also vom ,,Deutschen Wein" über den „Badischen Wein" bis zum Ortswein aus Oberbergen am Kaiserstuhl und zur ,,Oberbergener Baßgeige", also der genauen Lage. Gerade im Spitzensegment ändert sich dadurch wenig: Bei Topwinzern ist es schon lange gängige Praxis, Ort und Lage auszuweisen.

Korken oder Schraubverschluss: Was ist besser?

folgende In den meisten Weinflaschen steckt bis heute ein Korken. Dafür sprechen Punkte: Die Stöpsel aus der Rinde der Korkeiche sind geschmacksneutral und dicht, wie Jens Priewe schreibt. Zugleich lassen Korken minimal Luft in die Flasche, sodass der Wein durch Feinoxidation reifen kann. Ihre Herstellung verursache 24 Mal weniger CO₂ als die von Schraubverschlüssen aus Aluminium, so Priewe. Dazu kommt die Romantik. ,,Das Öffnen des Korkens ist ein Ritual", sagt Winzer Christian Ress. Aber: „Es hat seinen Preis - und der ist hoch." Denn trotz aller Verbesserungen verursachen manche Naturpfropfen den berüchtigten Korkfehler. Ress hat deshalb schon 2012 seine gesamte Produktion auf Schraubverschlüsse umgestellt. ,,Rein technisch ist das ein hervorragender Verschluss", sagt er.

Das negative Image des Schraubers stamme von Billigweinen, aber es relativiere sich immer mehr. Peer Holm stimmt dem zu. ,,Ein Schraubverschluss ist perfekt für Weine, die ich in den ersten sechs Jahren trinke", sagt der Präsident der Sommelier-Union. ,,Ich kann ihn einfach zudrehen und in den Kühlschrank legen." In puncto Qualität spielt der Verschluss damit für den normalen Weintrinker keine Rolle. dpa

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