Wenn es nach einigen Regionalräten geht, soll der Schusterzug künftig als Express-S-Bahn von Plochingen nach Bietigheim verkehren. Foto: Mathias Kuhn

Vier Fraktionen des Regionalparlaments wollen die Trasse des Schusterzuges ausbauen. Sie wollen eine neue Express-S-Bahn von Bietigheim nach Plochingen mit Halt in Untertürkheim einrichten.

Untertürkheim - Sie gehört zu den historischen Bahnverbindungen in der Region: die Schusterbahn. Jahrzehntelang brachten die Züge Fahrgäste von Untertürkheim über das Cannstatter Viadukt zum Bahnhof Münster und weiter über Zazenhausen zu Salamander nach Kornwestheim. Abends kehrten die „Schuster“ auf umgekehrtem Weg in die Oberen Neckarvororte zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten sich die Verkehrsströme um. Mitarbeiter der Mercedes-Benz-Werke oder anderer Betriebe sowie Schüler aus Kornwestheim oder Ludwigsburg fahren ins Neckartal oder von Untertürkheim nach Esslingen und Plochingen weiter. Heute pendelt die R 11 mit einem Zugpaar nur in den Hauptverkehrszeiten.

Wenn es nach vier Fraktionen des Regionalparlaments geht, soll sich dies ändern. Mit einem interfraktionellen Antrag wollen die Fraktionen der SPD, FDP, der Grünen und der Linken die Tangentialverbindung wiederbeleben und sogar ausbauen. Sie schlagen eine „neue, schnelle Express S-Bahn von Plochingen nach Bietigheim vor. Die neue S 11 soll als Osttangente auf der Schusterbahn-Trasse verkehren.

Die Züge sollen werktags durchgehend zwischen 5 und 0.30 Uhr im 30-Minuten-Takt verkehren. Vom Bahnhof Bietigheim soll die Linie ohne Zwischenhalt zum Ludwigsburger Bahnhof fahren und dann zwischen Ludwigsburg und dem Haltepunkt Zazenhausen über den Kornwestheimer Rangierbahnhof mit zusätzlichem Haltepunkt „Kornwestheim W&W“ geführt werden. Zwischen Zazenhausen und dem Untertürkheimer Bahnhof soll die S 11 dann an jedem Bahnhof und dann von Untertürkheim bis zum Plochinger Bahnhof nur noch in Esslingen halten. Die Regionalräte beziehen sich auf ein neues Gutachten. Es hatte der Schusterbahn großes Potenzial mit bis zu 19 000 Fahrgästen werktäglich attestiert, wenn die Strecke bis Bietigheim und Plochingen weitergeführt werde. Es würden demnach nicht nur Neukunden für den ÖPNV gewonnen, sondern auch die bestehenden S-Bahn-Linien S 1, S 4 und S 5 sowie der Knoten Stuttgart-Hauptbahnhof wirkungsvoll entlastet. Ein weiterer Vorteil: Bei Störungen im Hauptbahnhof könnte die Express-S-Bahn als Umleitungsstrecke das System vor dem Kollaps bewahren. Genutzt werden sollen die Bahnsteige des Regional- und Fernverkehrs mit einer Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern. Dementsprechend sollen S-Bahn-Fahrzeuge mit einer Bodenhöhe von 76 Zentimeter eingesetzt werden, um eine Barrierefreiheit auf der Schusterbahn zu gewährleisten. Die Führung über den Kornwestheimer Rangierbahnhof ermögliche eine zweigleisige, kreuzungsfreie Ein- und Ausleitung in den Bahnhof Ludwigsburg. Zudem sichere die Weiterführung als Express-S-Bahn ab Untertürkheim die Einführung in die Fern- beziehungsweise in die Regionalbahngleise ohne zusätzliche Weichen, heißt es im interfraktionellen Antrag der Regionalräte.

„Es ist ein klarer Auftrag an die Regionalverwaltung, endlich konkrete Pläne auf den Tisch zu legen, damit diese Tangentiale endlich eine größere Bedeutung in der Region Stuttgart bekommt. Dreh- und Angelpunkt beim Infrastrukturausbau muss der Bahnhof Münster sein, damit der lästige Gleiswechsel der heutigen R 11 endlich entfällt, der auch den Güterverkehr behindert“, sagt SPD-Regionalrat Thomas Leipnitz. Er sei gespannt auf die konkreten Vorschläge, die die Verwaltung ausarbeiten werde. „Mit denen werden wir in konstruktive Gespräche auch mit den anderen Fraktionen eintreten“, sagt der Untertürkheimer.

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