Die Erzieherinnen Barbara Hartel, Susanne Hafenrichter, Doris Bubeck und Foto: Mathias Kuhn

Eigentlich wollten Kinder, Erzieherinnen und Eltern des Rotenbergers Waldkindergartens am vergangenen Wochenende ein Jubiläum feiern: Vor zehn Jahren ging der Astrid-Lindgren-Waldkindergarten in Betrieb.

Rotenberg - Der Wald und die Felder rund um die Egelseer Heide sind ihre Spielwiese: Dort können sie toben, Drachen steigen lassen, basteln, Schlitten fahren, das Wetter erleben und die Wunder des Waldes erforschen – der Nachwuchs des Astrid-Lindgren-Kindergartens. Ein paar Familien und vier innovative Erzieherinnen gründeten 2010 den Rotenberger Waldkindergarten. „Eigentlich wollten wir nun unser zehnjähriges Bestehen feiern. Denn am Montag, 3. Mai 2010, durften wir den Betrieb unseres Waldkindergartens aufnehmen“, erinnern sich Doris Bubeck und Susanne Hafenrichter. Es war der zweite Waldkindergarten in Stuttgart. Barbara Hartel und Christine Rutzki komplettieren das Erzieherinnen-Quartett. Der Start war schwierig. Die ersten sechs Wochen regnete es fast ohne Unterbrechung. Den 18 Kindern und vier Erzieherinnen stand zu Beginn nur ein Bauwagen zur Verfügung. „Ab Juni schien jedoch die Sonne und im Oktober stellte die Firma Bechstein unser Holzhaus auf“, erinnert sich Hartel. Wie in den ersten Monaten beweisen Kinder, Erzieherinnen und Eltern ständig Pioniergeist. „Offen zu sein für Veränderungen und Flexibilität machen den Alltag hier aus und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Arbeit auch nach zehn Jahren nicht langweilig wird“, sagt Hafenrichter. Die Hütte auf dem Wiesenstück unweit der Egelseer Heide ist mit einer Gasheizung, Tischen und Bänken, Haken für Kleider und Rucksäcke sowie Eigentumsfächern ausgestattet. Sie dient als Stützpunkt, morgendlicher Treffpunkt und gegen 14 Uhr als Abholplatz. Denn egal, ob es regnet, die Sonne scheint oder schneit, geht es mit den – mittlerweile 25 – Drei- bis Sechsjährigen in den nahen Wald. In einem festgelegten Abschnitt haben die jungen Besucher ein Waldsofa aus Zweigen, Höhlen, Möglichkeiten, die Natur zu entdecken und sind körperlich sowie geistig in Bewegung. Sie erleben die vier Jahreszeiten, können den Wald erforschen und werden mit Tieren und Pflanzen auf natürliche Weise vertraut. „Die Natur mit ihren Wundern lädt uns täglich zum Beobachten, Neugierigsein und Denken ein“, sagt Bubeck. Immer wieder schaut auch der Förster, ein Jagdpächter oder einer der Landwirte vorbei, die den Nachwuchsforschern weitere Geheimnisse der Natur zeigen. „Die Unterstützung von allen Seiten ist enorm und die Verbundenheit groß“, bemerkt Rutzki voller Dankbarkeit. Der von einem Förderverein getragene Kindergarten ist fest im Stadtbezirk verwurzelt. Wenn das Wetter ganz biestig ist, stellt der TGV Rotenberg dem Waldkindergarten seine Turnhalle zur Verfügung, es kommen Lesepatinnen, Rotenberger bringen Früchte vom Garten oder Ostereier, Eltern bringen sich vielfältig ein und selbst Eltern, deren Kinder bereits in die Schule gehen, bleiben dem Förderverein treu. Kinder, Eltern und Erzieherinnen fiebern nun dem Re-Start – und der Zeit, „wenn das blöde Corona verschwunden ist“, wie ein Kind sagt – entgegen und beweisen ihre Flexibilität. „Statt des Zehnjährigen feiern wir eben 2021 unser Elfjähriges“, sagt Hartel.

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