Willem Dafoe geht ganz in der Rolle des Malers Vincent van Gogh auf. Foto: DCM - DCM

Als Maler war Vincent van Gogh ein Genie – als Mensch war er ein Exzentriker. In seinem Künstler-Biopic „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ spürt der Regisseur Julian Schnabel dem Leben des genialen Niederländers nach.

EsslingenIst das schon Wahnsinn oder noch Kreativität? Das ebenso introvertierte wie exzentrische Leben des niederländischen Malers Vincent van Gogh steht im Mittelpunkt von Julian Schnabels neuestem Film. Der 67-jährige Regisseur geht gewohnt ruhig und gleichzeitig bildstark dem Seelenzustand van Goghs auf den Grund. Den scheinbar schmalen Grat zwischen Kreativität und Krankheit lässt Schnabel in seinem Künstler-Biopic „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ allein durch die Bilder wirken. So läuft van Gogh (Willem Dafoe) in einer düsteren Szene durch ein Feld verdorrter Sonnenblumen, um an dessen Ende den perfekten Ort für ein licht- und farbgewaltiges Gemälde zu finden.

Fast jede Einstellung des Films scheint einem Gemälde des Malers entsprungen. Und so wird das späte Leben van Goghs auch anhand seiner Bilder erzählt. Van Gogh versuchte sich als junger Mann erfolglos als Verkäufer, Lehrer und Prediger. Erst in der Malerei fand er seine Berufung. Er eignete sich sein Können weitgehend selbst an, galt zu Lebenszeiten als Sonderling und wurde finanziell unterstützt durch seinen Bruder Theo (Rupert Friend). Ruhm und Reichtum erwuchsen daraus zu seinen Lebzeiten nicht. Er wurde nur 37 Jahre alt. Mittlerweile gilt sein künstlerisches Schaffen vor allem in seinen letzten Lebensjahren als prägend für den Impressionismus. Um das Leben des Malers ranken sich viele Gerüchte. Nicht eindeutig geklärt ist, warum er sich ein Ohr abschnitt, unter welchen Krankheiten er tatsächlich litt und ob er wirklich Selbstmord beging. Schnabels filmisches Porträt gibt darauf bekannte und weniger bekannte Antworten, ohne zu dramatisieren oder zu bewerten.

„Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“ besticht vor allem durch einen starken Willem Dafoe, der nicht nur wegen seiner Ähnlichkeit zu dem Maler überzeugt. Mit feiner Gestik und Mimik transportiert er die großen Gefühlsregungen des körperlich und seelisch zunehmend leidenden und mit großer Leidenschaft agierenden Malers. Für seine herausragende Leistung gewann er 2018 beim Filmfest Venedig die Auszeichnung als bester Schauspieler, und er war für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Die Kamera ist stets nah an van Gogh dran. Teilweise ist das Auge des Zuschauers von der auf diese Weise geschaffenen, wackeligen Nähe durch die Handkamera fast überfordert. Gegen Ende des Films, wenn van Gogh im Grunde kaum noch Kontakt zur Außenwelt hat, zeigt dieses visuelle Mittel eindrucksvoll, in welcher entrückten eigenen Welt er zuletzt gelebt haben muss. Der Film kommt mit wenigen Worten aus und wirkt enorm durch seine Bilder und durch ausgewählte Wortwechsel. So sagt van Gogh im Gespräch mit Paul Gauguin (Oscar Isaac): „Ich will außer Kontrolle sein. Ich muss in einem fieberhaften Zustand sein. Je schneller ich male, desto besser fühle ich mich.“ Kurz vor seinem Tod hat Vincent van Gogh in nur 80 Tagen 75 Bilder gemalt. Viele davon gehören zu seinen berühmtesten.

Vincent van Gogh war ein außergewöhnlicher Maler. Willem Dafoe schlüpft auf beeindruckende Art in diese Rolle und zeigt so, wie der sensible Maler die Welt gesehen und gefühlt haben könnte.

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