Die Trockenmauern-Struktur am Hang unterhalb des Frauenkopfs sind noch erkennbar. Jetzt soll der Weinbau dort wiederbelebt werden. Foto: Mathias Kuhn

Der Gemeinderat hat 2,5 Millionen Euro für die Umgestaltung der Hohen Halde bereitgestellt. Der Hang unterhalb des Frauenkopfes soll wieder für den Weinbau umgestaltet gemacht werden.

Rohracker - Es ist ein Naturidyll mit Perspektive: die Hohe Halde unterhalb des Frauenkopfes. SPD-Stadtrat Martin Körner, Verantwortliche der Weingärtnergenossenschaft Rohracker und Hedelfingens Bezirksvorsteher Kai Freier verschafften sich Mitte vergangener Woche einen Überblick über die aktuelle Situation. Zudem reiste am Samstag eine Abordnung der Rohracker Wengerter mit einigen Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes nach Lauffen am Neckar. Ihr Interesse galt allerdings weniger der Hölderlinstadt. Die Lauffener Wengerter zeigten den Stuttgarter Kollegen, wie sie verwilderte Steillagengrundstücke wieder für den Weinbau urbar gemacht haben. „Wir wollen von den Erfahrungen der Kollegen profitieren und uns Tipps beispielsweise zu den Monorack-Einschienenbahnen einholen“, sagt Markus Wegst, der neue Vorsitzende der Rohracker Weingärtnergenossenschaft. Denn die Stadtverwaltung und die Rohracker Wengerter haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen die einstigen Weinberg-Grundstücke in der Hohen Halde wieder für den Weinbau nutzen.

Vom Speidelweg aus blickten OB-Kandidat Körner, Freier und die Rohracker Wengerter auf den steilen Hang unterhalb der Häuser auf dem Frauenkopf. Die früheren Trockenmauern-Strukturen sind noch gut zu erkennen, Reben gedeihen allerdings nur in den oberen Bereichen. Die restlichen Areale werde als Wiese oder Weide genutzt oder sie werden von Brombeeren überwuchert. „Die Planungen zur Umgestaltung schreiten aber voran“, sagt Bezirksvorsteher Freier. Drei städtische Ämter sind in das Projekt involviert, für das die Stadträte rund 2,5 Millionen Euro, bewilligt haben.

„Im ersten Schritt geht es um die neue Wegeführung“, sagt der frühere SPD-Stadtrat und WG-Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Kanzleiter. Das Tiefbauamt ist gerade dabei, dies zu planen. Im unteren Bereich der Hohen Halde existiert bereits ein Fuß- und Wanderpfad, der zur Jaiserklinge, einem sehenswerten Naturdenkmal, führt. Dieser Weg könnte so ausgebaut werden, dass ihn künftig auch die Wengerter als Transportweg für ihre Fahrzeuge nutzen könnten. Das Liegenschaftsamt muss sich dafür noch mit angrenzenden Gartenbesitzern einigen oder Grunderwerb tätigen. „Die Pla nungen sollen dieses Jahr vorangetrieben und dann im kommenden Jahr umgesetzt werden“, nennt Wegst den Zeitfahrplan. Auch auf mittlerer Höhe ist ein Erschließungsweg für die Wengerter vorgesehen, der vom Eselweg abzweigen soll. Denn ohne eine Möglichkeit die Weinberge anzufahren, ist die Bewirtschaftung des Hanges nicht machbar. In einem weiteren Schritt sollen dann die alten Trockenmauern restauriert werden. „2022 soll damit begonnen und dann sukzessive in den einzelnen Weinbergen umgesetzt werden“, sagt Wegst.

Unterstützung erhalten die Rohracker Wengerter nicht nur von Körner. Die SPD-Fraktion hatte dafür gekämpft, dass entsprechende Finanzmittel für das Gesamtprojekt in den laufenden Doppelhaushalt eingestellt wurden. „Insgesamt stehen 2,5 Millionen Euro für das Sonderprojekt zur Verfügung. Damit soll die Weinberglage wiederbelebt werden. Schließlich gehören die Weinberge zu Stuttgart und zu Rohracker. Die Umgestaltung wird zur Wirtschaftlichkeit der kleinen WG Rohracker beitragen“, hofft Körner.

„Das Ziel für uns und die nachfolgenden Wengerter-Generationen muss es sein, die Arbeit in den Steillagen weniger mühsam zu machen und mehr Geld aus dem Ertrag der Weine zu erwirtschaften“, sagt WG-Vorsitzender Wegst. Er denkt dabei vor allem an den Anbau von pilzresistenten Reben und internationalen Sorten wie Merlot. Mit einem Schillerwein aus pilzresistenten Sorten hat die WG bereits gezeigt, dass sie den Mut zu Neuerungen hat. Die positive Resonanz zeige, dass die Kunden diese Weine durchaus schätzen, sagt Wegst. Er rechnet mit einem Zukunftsschub durch die zusätzlichen Anbauflächen. Interessenten stünden in den Startlöchern. „Wir bieten regelmäßig Weinbaukurse an und mehrere Absolventen wollen einen Weinberg in der Hohen Halde bearbeiten“, sagt Wegst.

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