Der griechische Wirt des TSV Weilimdorf lädt an Heiligabend Menschen ein, denen es nicht gut geht oder die alleine sind. Beim warmen Buffet will er ihnen einige schöne Stunden schenken. Seine Gäste unterstützen den Gastronomen aus Leonberg dabei kräftig.
Dimitrios Evangelopoulos hat in seinem Leben schon viel erlebt, nicht nur Gutes. „Das Leben in der Gastronomie ist hart, man muss kämpfen“, sagt der gebürtige Grieche, der im Alter von sieben Jahren nach Deutschland gekommen ist und seit vielen Jahren in Leonberg lebt. Mit 36 hatte er vor sechs Jahren seinen ersten Herzinfarkt. Es sollte ein weiterer folgen.
Dennoch will der Vater zweier Kinder nicht klagen: „Es gibt immer Höhen und Tiefen. Und im Vergleich zu vielen anderen geht es uns gut.“ Diese Einsicht ist es, die Evangelopoulos motiviert, an Heiligabend sein Lokal zu öffnen. Er betreibt die Vereinsgaststätte des TSV Weilimdorf, noch auf Stuttgarter Markung, einen Steinwurf von der Stadtgrenze nach Gerlingen weg.
Seine Gäste helfen fleißig mit
Doch wenn am Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr in der Giebelstraße 66 der Weihnachtsbaum leuchtet und es nach leckerem Essen riecht, sind nicht die üblichen Gäste im Restaurant. Dimi, wie ihn seine Kundschaft nennt, lädt einsame, bedürftige und ältere Menschen ein. „Jeder ist willkommen“, sagt der gelernte Hotelfachmann. „Es gibt ein warmes und kaltes Buffet – von allem ebbes. Außerdem bekommen unsere Gäste kleine Geschenke, etwa Duschgel, Shampoo und Süßigkeiten.“
Bedenken, dass es Leute gibt, die seine Hilfsbereitschaft ausnutzen, hat Evangelopoulos nicht: „Ich kann und will es nicht kontrollieren. Die Leute, die es ausnutzen, müssen das vor sich selbst vertreten. Sie sollen nachher ruhig ein schlechtes Gewissen haben.“ Doch solche Erfahrungen hat er bisher noch nicht gemacht. Im Gegenteil: „Ich erlebe eine unglaubliche Dankbarkeit. Das ist das für mich das schönste Geschenk.“
Im Jahr 2018 hatte er zum ersten mal an Heiligabend in seinem früheren Lokal, dem Schützenhaus Münster, die Türen geöffnet: „Ich hatte damals die Diakonie und die Kirchen über meine Aktion informiert, damit sie eventuell einige Bedürftige informieren können.“
Amtliche Unterstützung hat Dimi nicht. Seine Gäste helfen dafür umso mehr: „Sie machen in der Küche oder am Buffet mit und spenden auch kleine Geschenke.“ An Weihnachten vor zwei Jahren waren sogar der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper und seine Frau Gudrun an Heiligabend vorbeigekommen.
Auch OB Nopper war schon da
Natürlich hatte sich der griechische Wirt über den prominenten Besuch gefreut. „Doch am meisten berührt hatte mich die Begegnung mit einem Mann ohne Beine, der im Rollstuhl gekommen war“, erzählt er. „Wir haben ihm noch Essen mitgegeben. Und er hat mir zu Weihnachten ein Taschenmesser geschenkt. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich dran denke.“ Solche Erlebnisse sind es, die Evangelopoulos motivieren, auch in diesem Jahr Menschen in Not und jene, die niemanden haben, an Heiligabend einzuladen.
Der schwäbische Grieche ist in der Region vernetzt. Die Familie mit drei Jungs kam 1988 aus der Region Thessaloniki nach Deutschland, der Vater schaffte beim Daimler. Dimi ging in Herrenberg zur Schule, lernte Hotelfachmann und arbeitete in vielen Lokalen. Fünf Jahre führte er mit seinem Bruder das Ciantelli in Sindelfingen.
Guter Kontakt zum Verein
Auch in Leonberg war er in verschiedenen Lokalen aktiv. Legendär waren seine Souvlaki, die er während der langen Kunstnächte vor dem Kiosk des mittlerweile verstorbenen Malers Peter Feichter gegrillt hat. An den Künstler aus Kärnten erinnern noch heute etliche Bilder, die Evangelopoulos in seinem jetzigen Lokal beim TSV Weilimdorf hat. Dort ist er seit knapp anderthalb Jahren der Vereinswirt und fühlt sich beim Vorsitzenden Klaus Dettmer und den anderen Aktiven „sehr gut aufgehoben“.
Der Weihnachtsbaum für Heiligabend ist schon geschmückt: „Natürlich ein echter“, schmunzelt Dimi. Jetzt müssen nur die Gäste kommen. „Auch ältere Menschen sind herzlich willkommen, niemand soll sich schämen“, meint Dimi. „Wir hoffen, dass die Bude voll wird.“ In diesem Sinne: Kalá Christoúgenna – frohe Weihnachten!