Die neue Geschäftszentrale der Volksbank Stuttgart kostet rund 70 Millionen Euro und wird im Foto: Nagel - Nagel

Bei der Volksbank Stuttgart gibt es einen Wechsel: Hans Zeisl gibt seinen Geschäftsführerposten an Stefan Zeidler ab. Außerdem wird am 26. Juni die neue Geschäftszentrale an der Daimlerstraße eingeweiht.

Bad CannstattDas Jahr 2019 wird ein historisches Jahr für die größte Volksbank Baden-Württembergs: Am 26. Juni wird die neue Geschäftszentrale der Volksbank Stuttgart eG an der Daimlerstraße auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal eingeweiht. Rund 70 Millionen Euro investiert das Kreditinstitut in zwei Bürokomplexe, wobei vorerst nur einer von rund 400 Volksbankmitarbeitern aus der ganzen Region bezogen wird.

Auch die Geschäftsführung wird künftig von dort aus arbeiten. Ein Umstand, den Vorstandsvorsitzender Hans Zeisl schon mit Wehmut erfüllt. Denn just am Tag der Einweihung ist Zapfenstreich für den heute 64-Jährigen, der seit sechs Jahren an der Spitze der Volksbank Stuttgart steht. „Angesichts des schönen Neubaus könnte man schon noch ein paar Jährchen dranhängen“, sagte Zeisl mit einem Augenzwinkern, als er zum letzten Mal die Bilanzzahlen zusammen mit seinem designierten Nachfolger Stefan Zeidler präsentierte.

Der 54-Jährige, der ab 1. Juli den Vorstandsposten übernehmen wird, hat seine beruflichen Wurzeln am Neckar. Seine Karriere startete Zeidler bei der Cannstatter Volksbank, als deren damaliger Vorstandsvorsitzender Heinz Metzger im Großen Kursaal noch die Vertretervesammlung abhielt. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und anschließendem Studium verschlug es ihn zunächst zur ABM Amro und dann zur Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), für die er zuletzt von 2010 bis 2013 die Rheinland-Pfalz Bank in Mainz leitete, die regionale Marke der LBBW für gehobene Privat- und mittelständische Kunden. Danach erfolgte sein Wechsel zur Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank Bank in Frankfurt, wo er zum Schluss für Firmenkunden sowie für die Betreuung der Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg verantwortlich war.

„Eine aufgeräumte Bank“

„Für mich ist es ein Heimkommen“, so der 54-Jährige, dessen Familie während seiner Karriere die Region nie verlassen haben. „Jetzt schließt sich mein beruflicher Kreis“, freut sich Zeidler, der bereits vor vier Monaten seine Arbeit bei der Stuttgarter Volksbank aufgenommen hatte. Zunächst „nur“ als Vize-Chef des Vorstands, der bis zum Ausscheiden von Hans Zeisl auf fünf Köpfe angewachsen ist. Sein erster Eindruck: „Ich erlebe die Stuttgarter Volksbank als eine sehr aufgeräumte Bank“. Dennoch gelte sein Blick natürlich der Zukunft und der Fragestellung: „Was müssen wir ändern, damit wir bleiben, was wir sind?“ Doch die zunehmende Digitalisierung schrecke ihn nicht. Im Gegenteil: „Wir können persönliche Beratung und digitale Möglichkeiten kombinieren“, sagte Zeidler. Es gebe bereits heute 80 Möglichkeiten, wie Kunden mit der Volksbank Bankgeschäfte tätigen können.

„Die Digitalisierung mit den einhergehenden Veränderungen im Nachfrageverhalten werden sich sowohl auf das Leistungs- und Produktangebot als auch auf die Strukturen auswirken“, hatte zuvor Hans Zeisl die sich verändernden Rahmenbedingungen realistisch eingeschätzt. Aber: „Die persönliche Beratung, die Beibehaltung der Kundennähe sowie die genossenschaftliche Mitgliederförderung werden auch in der Zukunft die Alleinstellung einer Volksbank Stuttgart ausmachen“, betonte Zeisl, der die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahrs als „erfreulich“ bewertet hatte, da der „solide Wachstumskurs“ fortgesetzt worden sei. So seien Kredite im Volumen von 4,2 Milliarden Euro an private und gewerbliche Kunden herausgegeben worden. Ein Plus von 5,2 Prozent. Dem standen Einlagen im Umfang von 5,7 Milliarden Euro gegenüber, ein Plus von 5,4 Prozent.

Im Zinsüberschuss – der wichtigsten Einnahmequelle der Volksbank – wirkte sich die Nullzinspolitik der EZB aus. Hier musste die Volksbank einen Rückgang um 1,7 Prozent auf 133,6 Millionen Euro hinnehmen. „Der Rückgang wurde durch Kostenbewusstsein und durch die Erhöhung der Provisionserträge mehr als ausgeglichen“, so Zeisl, der jedoch keinen Hehl daraus machte, dass durch zurückliegende Fusionen und infolge der Digitalisierung die Volksbank nach seiner Einschätzung „zu viele“ Mitarbeiter habe. Momentan seien bei der Volksbank noch 1045 Menschen beschäftigt, davon 43 Azubis. „Wir werden die natürliche Fluktuation auch in Zukunft ausnutzen“, sagte Zeisl. So wolle die Volksbank im laufenden Jahr 70 Mitarbeitern Altersteilzeit anbieten.

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