Stark an der Tischtennisplatte. Spitzenspielerin Alexandra Schankula sammelt mächtig Punkte für den DJK Sportbund Stuttgart. Foto: /Volker Arnold

Alexandra Schankula ist die Spitzenspielerin des Drittligisten Sportbund Stuttgart und liebt das Puzzeln.

Stuttgart - Die Skyline von New York hat Alexandra Schankula lange beschäftigt, sehr lange. Genau ein dreiviertel Jahr. Zusammen mit ihrem Vater hat sie sich Stück für Stück bis zum großen Ganzen vorgearbeitet. Insgesamt 12 000 Puzzle-Teile wollten zusammengesetzt sein, bis das drei Meter lange Gesamtwerk fertig war und „seinen Platz an der Wand im Flur gefunden hat“, lacht die 36-Jährige. Ihr derzeitiges Projekt zählt „gerade einmal“ 3000 Teile – die Lofoten in Norwegen. „Beim Puzzeln liebe ich die Ruhe und man braucht viel Geduld.“ Geduld ist auch häufig gefragt, wenn sie an der Tischtennisplatte steht und versucht, als Nummer eins Punkte zu ergattern – seit dieser Saison für die Frauen des DJK Sportbund Stuttgart, die erstmals in der 3. Bundesliga aufschlagen. „Mein Ziel ist, viele Spiele zu gewinnen und Spaß mit der Mannschaft zu haben“, sagte Schankula, als sie beim Team aus dem Stuttgarter Osten im Juni zusagte. Und nun, nach sechs Spieltagen, hätten sich ihre Erwartungen erfüllt. Neun Einzelpartien gewonnen, drei verloren – „zwei davon leider im fünften Satz“ – und mit dem Team „kommt richtig Laune auf. Das passt bestens.“ Tabellarisch gibt es auch nichts zu meckern – Aufsteiger Sportbund führt die Tabelle an. Der Klassenerhalt sei zwar das Ziel der Mannschaft vor Saisonbeginn gewesen. Da sie aber vor zwei Jahren auch schon in der 3. Liga spielte, kenne sie viele Spielerinnen und das Niveau und sei sich sicher, dass „wir im Bereich von Platz drei bis fünf abschließen können“. Die dritte Liga ist aber keineswegs ihr hochklassigstes Engagement. Sie spielte bereits in der 1. Bundesliga für den SV Böblingen – beim TSV Betzingen, SV Neckarsulm und bei den Leutzscher Füchsen Berlin hieß die Klasse 2. Bundesliga. Vor ihrer Zusage beim Sportbund spielte sie für das Herrenteam des TSV Betzingen in der Landesliga – mit ihrem Mann als Teamkollegen. Frauen dürften bis zur Verbandsklasse bei den Herren mitspielen, klärt Schankula auf. Die Verwaltungsangestellte mit Arbeitsplatz Rathaus in Leinfelden-Echterdingen zeigte dem „starken Geschlecht“ seine spielerischen Schwächen auf – im vorderen Paarkreuz bestach sie durch eine 24:4-Bilanz und hatte entscheidenden Anteil am Meistertitel. „Die meisten Gegner kennen mich und haben es akzeptiert, von mir besiegt zu werden“, lacht sie.

Auswärtsspiele in Chemnitz und Jena

Alexandra Schankula, die in Mössingen bei Tübingen wohnt, ist derzeit in Elternzeit. Ihr jüngster von zwei Söhnen ist zwei Jahre alt. Man könne ihn mittlerweile durchaus beim Papa, Oma oder Opa lassen, ohne dass das große Geschrei losgehe, weil die Mama fehle. „Dementsprechend kann ich auch mal eine Nacht wegbleiben und habe mich deshalb entschlossen, wieder höherklassig zu spielen. Und in der dritten Bundesliga mit dem Sportbund bietet sich so manche Übernachtung – die weiteste Strecke sind Chemnitz und Jena – an.

Die Linkshänderin mit den kurzen Noppen auf der Rückhand sieht ihre spielerischen und mentalen Stärken vor allem im Aufschlag und der Fähigkeit, sich auf verschiedene „Spielsysteme einstellen und mein Spiel auch umstellen zu können“. Darüber hinaus kommt der ehemaligen Schüler-Europameisterin und Deutschen Ranglistensiegerin von 2012 ihre große Erfahrung zu gute. Aus diesem Grund behalte sie in entscheidenden Situationen häufig kühlen Kopf. Die Erfahrung spielte bei der Verpflichtung Schankulas für die Verantwortlichen des Sportbunds auch eine wichtige Rolle. „Sie hat die Erwartungen übertroffen, sammelt nicht nur fleißig Punkte, sondern coacht die anderen Spielerinnen und gibt hilfreiche Tipps“, lobt auch Sportbund-Betreuer Thomas Walter.

Und wer weiß, vielleicht kann sie auch noch eine Teamgefährtin für die Skyline New Yorks beziehungsweise das Puzzeln begeistern.

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