Egal was für ein Tier in Not ist: Zu den Pflichten der Feuerwehr gehört auch deren Rettung. Die Einsätze sind zum Teil spektakulär und zeitaufwendig.
Dass die Feuerwehr Katzen von Bäumen und Dächern holt, aus gekippten Fenstern befreit, zu deren Rettung sogar mit der Drehleiter anrückt, kommt häufig vor. Die Rettung von Katzen gehört jedoch nach Auskunft von Jochen Wulff, Lagedienstführer bei der Feuerwehr Stuttgart, nur zu den zweithäufigsten Einsätzen in Sachen Tierrettung. Mit etwa ein dutzend Mal pro Monat am häufigsten werden er und seine Kollegen alarmiert, wenn es um Tauben in Not geht – wie kürzlich wieder: Ein Taubenpärchen war in einem etwa neun Meter langen Abluftrohr gefangen. Eine Passantin hörte ihr Flattern, alarmierte das Stadttaubenteam. Laut Hausmeister gab es keine Möglichkeit die Vögel zu retten. Die Taubenschützer alarmierten die Feuerwehr. Ruckzuck war laut Tierschützerin Silvie Brucklacher ein ein Loch ins Rohr geschnitten. „Nach einer Stunde waren die Täubchen befreit, flogen schleunigst davon“, sagt sie.
Rund 20-Mal pro Jahr siedelt die Feuerwehr Hornissen um
Sehr am Herzen liegt Jochen Wulff, der auch Fachberater für Wespen und Hornissen ist, die Rettung beziehungsweise Umsiedlung von Hornissen. Das passiert etwa 20 Mal im Jahr und ist nur mit Ausnahmegenehmigung der Stadt möglich. Die Wespenart steht unter Artenschutz. Seine jüngste Aktion: Im Rollladenkasten bei einem behinderten, bettlägerigen Patienten hatten sich Hornissen eingenistet. „In der Regel klären wir die Leute in solchen Fällen auf, informieren sie darüber, dass die Insekten friedlich sind, wenn man sie in Ruhe lässt und sie im Herbst sowieso sterben. Nur die Königin überlebt und sucht sich zum Beispiel in Baumritzen einen neuen Unterschlupf.“ Bei Kranken und in der Nähe von Kindergärten und Schulen wird die Feuerwehr mit Ausnahmegenehmigung aber doch aktiv. Wulff: „Da besteht die Gefahr, das Kinder oder Kranke rumfuchteln und die Hornisse vielleicht doch zusticht.“
Ohne Staat haben Hornissen keine Überlebenschance
Die Umsiedlung eines Hornissennests beansprucht mehrere Stunden. Da die Insekten nachtaktiv sind, warten die Retter bis abends, um die meisten außerhalb des Nests mit einem Spezialsauger einzufangen. „Wir warten so lange bis alle vom Ausflug zurückkommen. Denn ohne ihren Staat haben sie keine Überlebenschance“, sagt Wulff. Zu einem Staat gehören etwa 700 bis 1000 Tiere. Auch das Nest mit Königin und Eiern zieht in dem Hornissenkasten um. Ihre neue Heimat wird der Wald. Die Standorte für die Kästen sind mit der Forstverwaltung abgesprochen – und nach einem Jahr holt die Feuerwehr die Kästen wieder ab, da die Tiere nicht älter als ein Jahr werden.
Umgesiedelt werden mitunter auch Hummeln. „Die mag zwar jeder, und sie stechen auch nur, wenn sie gedrückt werden“, sagt Wulff. Das Problem: Sie bauen ihre Nester in sandigen Böden zum Beispiel auf Spielplätzen – und das Risiko, dass was passiert, will keiner eingehen . „Deshalb graben wir die Nester aus und bringen sie an einen auch für Hummeln sicheren Ort.
Imker kümmern sich um ausgebüxte Bienen
Auch Wespen haben lediglich eine einjährige Überlebensdauer. Von den vielen Wespenarten seien nur zwei lästig. Wulff: „Die deutsche und die gemeine Wespe.“ Auch da ist es nicht Ziel der Feuerwehr, die Nester zu vernichten, sondern die Bürger aufzuklären. Wulff rät, den Unterschlupf dicht zu machen, sobald keine Wespen mehr drin sind. Und büxen Bienen aus, sind die Imker gefragt: „Die fangen die Schwärme wieder ein.“ Gemeldet werden kann ein ausgebüxter Schwarm unter www.schwarmrettung.de. Tierschützerin Silvie Brucklacher bestätigt: Ob es um Tauben oder andere Tiere in Not geht: „Die Feuerwehr ist immer unsere letzte Hoffnung und letzte Rettung für die Tiere.“ Und: Die Rettungseinsätze sind meist kostenlos.