Was steckt hinter der Währung und wie kommen Nutzer an das Geld? (Symbolbild) Foto: AFP/OZAN KOSE

Nach der Investitionsankündigung des Autobauers Tesla ist der Bitcoin im Höhenflug. Doch was steckt eigentlich hinter der Kryptowährung, wie kommen Nutzer an das digitale Geld und welche Kritik gibt es?

Palo Alto - Kryptowährung im Höhenflug: Der Bitcoin hat nach der Investitionsankündigung des US-Elektroautobauers Tesla von Elon Musk weiter zugelegt. Manche Analysten halten noch weitere Kursgewinne für möglich - Wetten auf die digitalen Münzen bleiben aber riskant.

Was ist Bitcoin?

Erstmals skizziert wird der Bitcoin in einem am 31. Oktober 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichten Papier - nur kurz nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der damals die Unsicherheit im Finanzsystem massiv verschärft und damit die globale Finanz- und Wirtschaftskrise befeuert. Wer hinter dem Pseudonym steht, ist noch immer ein Mysterium.

Hinter dem Bitcoin steckt die Idee einer Währung, die unabhängig von Staaten, Zentralbanken und der Geldpolitik existiert. Anders als klassische Währungen werden digitale Zahlungsmittel nicht von einer zentralen Stelle kontrolliert, auch Buchungen müssen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden. 

Damit trotzdem klar ist, wer an wen einen Bitcoin überwiesen hat, führt vereinfacht gesagt die gesamte Nutzergemeinschaft des Digitalgeldsystems ein gigantisches Kontenbuch, das alle jemals getätigten Transaktionen enthält - und das jeder jederzeit einsehen kann. In dieser dezentralen Datenbank, der sogenannten Blockchain, werden die Daten kryptografisch verschlüsselt, deshalb ist auch der Begriff Kryptowährung verbreitet. 

Für diesen Prozess wiederum ist ein immer größer werdender Rechenaufwand nötig. Hier kommen auch private Computernutzer ins Spiel. Denn wer sich an den komplexen und energieintensiven Rechenprozessen beteiligt, wird dafür entlohnt - in Anteilen an der digitalen Währung. Auf diese Art entstehen neue „Münzen“. Der Prozess wird deshalb als „Mining“ (Schürfen) bezeichnet. Insgesamt knapp 21 Millionen Bitcoins können nach den Vorgaben Satoshi Nakamotos maximal erschaffen werden, einen Großteil davon gibt es bereits.

Wie kommen Nutzer an das digitale Geld? 

Alle Bitcoin-Zahlungen und Transaktionen erfolgen via Internet. Bitcoins können per „Mining“ hergestellt, gekauft und verkauft, also in reale Währungen umgetauscht werden. Das Bitcoin-Schürfen wird allerdings inzwischen weitgehend von professionellen Akteuren dominiert, die dafür - möglichst in Ländern mit geringen Stromkosten - spezielle Hardware einsetzen. Für Privatnutzer lohnt sich das „Mining“ beim Bitcoin kaum noch.

Wie hat sich der Wert des Bitcoin entwickelt?

Der erste Block von 50 Bitcoins, der sogenannte „Genesis-Block“, entsteht im Januar 2009. Zehn Monate später, am 5. Oktober 2009, wird erstmals der Wert basierend auf den Herstellungskosten abgeleitet: Ein Bitcoin ist damals 0,00076 Dollar wert. Legendär ist auch die Geschichte, dass ein Entwickler in Florida am 22. Mai 2010 einen Pizzaboten davon überzeugt, ihm für 10.000 Bitcoins zwei Pizzas zu überlassen. 2013 durchbricht die Kryptowährung erstmals die 1000-Dollar-Marke.

Was treibt die Kurse?

Steil aufwärts geht es im vergangenen Jahr zunächst, als der US-Zahlungsanbieter Paypal am 21. Oktober 2020 ankündigt, Nutzern künftig auch die Zahlung mit dem Digitalgeld zu ermöglichen. Die Tesla-Investitionsankündigung ließ den Kurs am Montag auf ein neues Allzeithoch steigen. 

Zudem wird - während gleichzeitig Zentralbanken rund die Welt im Zuge ihrer ultralockeren Geldpolitik das Finanzsystem mit frischem Geld fluten - die Menge an neuen Bitcoins verknappt: Bei einem sogenannten „Halving“ im Mai 2020 wird die Belohnung für die „Miner“ halbiert - und damit auch die Zahl neu geschaffener Bitcoins reduziert.

Der US-Investmentriese JPMorgan Chase vergleicht die Kryptowährung inzwischen gar mit Gold: Künftig könne der Bitcoin mit dem Edelmetall, das als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, intensiver um die Rolle als alternative Währung ringen, schlussfolgerten die Analysten im Dezember.

Welche Kritik gibt es? 

Kritiker warnen vor dem Platzen einer Blase und sehen den Bitcoin weiterhin vor allem als Spekulationsobjekt, das vor allem für Privatanleger riskant werden kann. So gibt es etwa über Bitcoin-Terminkontrakte, sogenannte Futures, für professionelle Anleger die Möglichkeit, auf fallende Kurse zu wetten. Derzeit setzen viele Investoren aber auf weiter steigende Kurse. Tatsächlich hat der Bitcoin in den vergangenen Jahren eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich, noch im März 2020 notierte er bei lediglich 5000 Dollar. Verbraucherschützer weisen zudem auf die Gefahr hin, im Internet an unseriöse oder betrügerische Anbieter rund um das Thema Bitcoin zu geraten.

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