DIe Bauarbeiten auf der Brücke laufen auf Hochtouren. Foto:  

Der Bau der neuen Eisenbahnbrücke liegt im Zeitplan. Der untergehängte Fuß- und Radweg soll noch dieses Jahr begeh- beziehungsweise befahrbar sein.

Bad Cannstatt - Stuttgart 21 ist für die baden-württembergische Landeshauptstadt ein Projekt mit monumentalem Ausmaß. Die riesige Baustelle im Herzen Stuttgarts und die Kosten von bisher 8,2 Milliarden Euro zeugen davon. Und auch in Bad Cannstatt tut sich in Bezug auf den neuen Durchgangsbahnhof vieles. Am meisten ins Auge springen dürfte dabei die rund 35 Millionen Euro teure Neckarbrücke. Diese soll Ende 2025 in Betrieb gehen und dann die mehr als 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke, die bisher Bad Cannstatt auf der Schiene mit dem Hauptbahnhof verbindet, ersetzen.

Dabei liegt das Projekt im Zeitplan, wie ein Bahnsprecher bestätigt. In fünf Jahren werden also die ersten Züge über die rund 345 Meter lange Brücke rollen. Mittlerweile ist der Rohbau der Brücke fertiggestellt. Nachdem in den letzten Monaten die Platten für die Gleise betoniert wurden, werden derzeit Kabelkanäle gebaut. Anschließend bringen die Arbeiter auf der hiesigen Seite des Neckars Lärmschutzwände an. Diese sollen die Anwohner im Bereich der Schönestraße in Zukunft vom Krach der vorbeifahrenden Züge schützen. Die viergleisige Brücke, die aufgrund der leichteren Fundamentierung von 10 000 auf 7000 Tonnen Gewicht abgespeckt wurde, dient nach Fertigstellung dem S-Bahn- und Fernverkehr.

Im Gegensatz zu den Zügen sollen Fußgänger und Fahrradfahrer die neue Brücke schon sehr viel früher nutzen können. Dazu wird unter der neuen Neckarquerung derzeit ein 4,5 Meter breiter Weg für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer gebaut. „Die Stahlbauteile des Stegs sind bereits montiert“, so der Projektsprecher. Auf diese werde nun noch eine Betonplatte (der spätere Weg) angebracht. Diese werde vor Ort betoniert. „Der Fuß- und Radweg soll in der zweiten Jahreshälfte fertiggestellt werden.“

Und das ist sicher etwas Besonderes: „Der Fußgängersteg ist das Erste, was vom Projekt Stuttgart 21 von Menschen genutzt werden kann“, hatte bereits Bahnprojektleiter Christoph Lienhart vor einem Jahr bei einem Zwischenbericht betont. Damit ersetzt der neue Weg den alten 158 Meter langen Holzsteg, der aus Platzgründen der neuen Eisenbahnbrücke hat weichen müssen und 2016 nach und nach abgerissen wurde. Der Steg wurde 1977 zur Bundesgartenschau als Verbindung zwischen Bad Cannstatt und Rosensteinpark gebaut. Er war die neuntlängste überdachte Holzbrücke der Welt. Beim ersten Aufstellversuch landete die Brücke komplett im Wasser. Doch am 29. April 1977 konnte der Holzsteg trotz allem eröffnet werden. Ehrengast war der damalige Bundespräsident Walter Scheel (FDP).

Fußgänger und Radler, die den neuen Weg nutzen wollen, müssen sich trotzdem noch etwas gedulden, bevor sie wieder direkt in den Rosensteinpark können. Was noch fehlt, ist ein Ersatzbau für den Elefantensteg über die Neckartalstraße hinweg. Für diese Brücke ist jedoch nicht die Bahn, sondern die Stadt zuständig. „Das Vergabeverfahren ist abgeschlossen“, sagt Christian Buch vom Tiefbauamt. Dennoch, erst im Juni 2021 soll diese fertig sein. Die Baukosten betragen 2,8 Millionen Euro. Bis dahin müssen Passanten und Radler noch mit dem bisher ausgeschilderten Umweg vorliebnehmen. Sobald der Steg fertig ist, wird er über eine Treppe an den Rosensteinpark angebunden. Das Problem: Stufen bedeuten nun einmal keine Barrierefreiheit. Immerhin gibt es laut Buch aber Rampen für Kinderwagen und Fahrräder.

Auf der neuen Neckarbrücke ist die nächste große Maßnahme Anfang 2022 geplant. Dann werden die Gleise – Experten sprechen von „Fester Fahrbahn“ – eingebaut. Die Schienen werden nicht wie üblich auf Schotter verlegt, sondern in einem Gleisbett aus Beton. Und im gleichen Jahr beginnen auch die ersten Arbeiten im Gleisvorfeld des Cannstatter Bahnhofs – natürlich bei laufendem Betrieb.

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