Pellegrino Matarazzo und der VfB Stuttgart wollen gegen Arminia Bielefeld drei Punkte holen. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Nach der Niederlage bei der SpVgg Greuther Fürth will der VfB Stuttgart an diesem Montag im Spitzenspiel gegen Arminia Bielefeld unbedingt gewinnen. In unserer Taktikanalyse zeigen wir, wie dies gelingen kann.

Stuttgart - Die Überraschungsmannschaft der Saison heißt Arminia Bielefeld. Was macht die Ostwestfalen aus und wie kann der VfB den Tabellenführer schlagen?

Ballbesitz zahlt sich aus

In der Zweiten Liga erleben wir eine Saison, in der sich gutes Ballbesitzspiel auszahlt. Sowohl der VfB, als auch Hamburg und Bielefeld legen besonderen Wert auf ein gutes Aufbauspiel. So tummeln sich die drei Teams an der Tabellenspitze auch in der Ballbesitz-Statistik auf den Plätzen eins, zwei und drei.

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Zumindest bei Arminia Bielefeld mag dieser dominante Ansatz überraschen. Trainer Uwe Neuhaus hat hier eine Spielweise etabliert, die auf sogenanntem Positionsspiel beruht. Das bedeutet, die Spieler halten in Ballbesitz ungefähr ihre Position. Dadurch hat Bielefeld gute Abstände und findet immer wieder ähnliche Passoptionen vor. Der Ballvortrag ist daher klar organisiert und zudem hervorragend eingespielt, was es schwer macht, Bielefeld unter Druck zu setzen.

Schlüsselspieler: Stefan Ortega und Fabian Klos

Besonders außergewöhnlich ist, wie sicher Bielefeld den Ball in der ersten Linie laufen lässt. Die Innenverteidiger fächern auf und machen die Wege für die gegnerischen Pressing-Spitzen lang. Vor der Schnittstelle zwischen den Innenverteidigern positioniert sich der Sechser des Bielefelder 4-3-3. Dahinter bietet sich Stefan Ortega aktiv für Rück- und Querpässe an. Ortega ist ein spielerisch versierter Torwart, der geschickte kurze Pässe und präzise lange Bälle im Repertoire hat.

Noch wichtiger als Ortega ist zweifelsohne Bielefelds Mittelstürmer Fabian Klos. Er ist nicht nur alleiniger Toptorschütze der Liga, sondern dient mit seiner Mischung aus Spielverständnis und physischer Präsenz auch als entscheidende Anspielstation. Lange Bälle auf ihren Topstürmer sind für Bielefeld kein Alibi, sondern zentrales Mittel.

Wie löst der VfB das Dilemma?

Als Gegner der Arminia steht man damit vor einem Dilemma: Das Aufbauspiel ist so souverän, dass man viele Spieler nach vorne schicken muss, um sie unter Druck zu setzen. Wenn man das tut, öffnet man aber Lücken im Defensivverbund und wird anfällig für die langen Bälle auf Klos. Steht man wiederum zu tief, läuft man Gefahr, von Bielefelds Positionsspiel erdrückt zu werden.

Mit der Intensität, die der VfB zuletzt zu Hause an den Tag gelegt hat, könnte ein Angriffspressing trotzdem funktionieren. Ein Pluspunkt ist die Rolle von Wataru Endo, der als Sechser beim VfB sehr tief verteidigt. Mit seiner Kopfball- und Zweikampfstärke wäre Endo eine entscheidende Waffe im Kampf um zweite Bälle.

Risiken birgt hingegen die aktuelle Besetzung der Innenverteidigung. Eine zu hohe Linie könnte dafür sorgen, dass Tempodefizite von Spielern wie Nathaniel Phillips und Atakan Karazor aufgedeckt werden. Zudem fehlt mit Marc Oliver Kempf der dominanteste Kopfballspieler in der Hintermannschaft. Es könnte also ein Drahtseilakt für den VfB werden, die richtige Strategie, die richtige Attitüde für dieses Gipfeltreffen zu finden.

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