Ein Bild das nun Geschichte ist: Ohne HGV ist auch der Maibaum-Markt nicht mehr gesichert. Foto: Archivfoto: Alexander Müller - Archivfoto: Alexander Müller

Der Handels- und Gewerbeverein Wangen steht nach 120 Jahren vor dem Aus. Der Grund: Die Suche nach einem neuen Vorstand ist gescheitert. Der HGV muss sich deshalb auflösen.

WangenLetzten Endes hat es kaum mehr als 20 Minuten gedauert, bis die endgültige Auflösung des Handels- und Gewerbevereins Wangen (HGV) beschlossen wurde. Auch aus den lediglich 15 stimmberechtigten anwesenden Mitgliedern fand sich niemand, der sich bereit erklärte, als Vorstand zu fungieren. Die logische Konsequenz: Der sogenannte faktische Vorstand stellte offiziell den Antrag auf Auflösung des Vereins. Damit geht im Stadtbezirk eine Ära zu Ende – nach 120 Jahren.

Es war der letzte Versuch, nachdem sich bereits in den vergangenen zweieinhalb Jahren nichts bewegt hatte. Der bisherige Vorstand um Marcel Sieben, Michael Bayer, Matthias Kreis und Christine Eisele – sie alle hatten bereits ihren Rückzug angekündigt – wollte nichts unversucht lassen, um doch noch ein Weiterbestehen zu sichern. Allerdings ohne Erfolg. „Das zeigt doch auf, dass niemand mehr Interesse hat“, brachte ein Mitglied das Dilemma auf den Punkt. „Alle wollen feiern, aber niemand sich engagieren“, ergänzte Bezirksvorsteherin Beate Dietrich, wohlwissend, dass damit ein Stück Wangener Geschichte zu Ende geht. Denn mit dem Aus für den HGV geht auch ein Stück Lebensqualität im Ort verloren. Denn sowohl der Maibaum-Markt als auch das Aufstellen des Weihnachtsbaums und der Adventsbeleuchtung wird es von Seiten der Gewerbetreibenden nicht mehr geben. „Es war nie der eigentliche Sinn des Vereins, aber für Wangen wichtige Eckpunkte“, so Dietrich. Sie kann nachvollziehen, dass der scheidende Vorstand nach vielen Jahren großen Engagements aus beruflichen und privaten Gründen kürzer treten will. Allerdings fehlt es an Nachwuchs.

So blieb dem seit Januar nur noch provisorisch agierenden Vorsitzenden Marcel Sieben nur noch übrig den Antrag auf Auflösung des Vereins zu stellen. Allerdings war mit lediglich 15 Anwesenden das Gremium nicht beschlussfähig für die bahnbrechende Entscheidung. Laut Satzung müssen für die Auflösung zwei Drittel der noch 60 Mitglieder zustimmen. Diese waren erwartungsgemäß nicht einmal annähernd anwesend. Mitte Oktober wird nun eine endgültige Mitgliederversammlung stattfinden, dann ist eine zwei Drittel-Mehrheit der Anwesenden ausreichend, um den Verein endgültig aufzulösen.

Eine letzte Hintertür bleibt allerdings noch geöffnet. Auch nachdem die letzte Beschlussfassung erfolgen sollte, dauert es noch weitere sechs bis sieben Monate, bis auch die letzten juristischen Formalitäten – etwa der Antrag auf Streichung aus dem Vereinsregister und die Aufteilung des noch vorhandenen Vereinsvermögens – über die Bühne gegangen sind, betont Vorstand Sieben. So lange könnten sich auch noch mögliche Kandidaten für den Vorstand melden, um doch noch eine Kehrtwende hinzubekommen. Ansonsten ist der Handels- und Gewerbeverein dann Geschichte.

Ob dann auch die Bürger bemerken, was in Zukunft im Stadtbezirk fehlen wird, bleibt abzuwarten. Allerdings hatten sich bereits im Vorfeld einige Wangener bei Vorstandsmitglied Matthias Kreis gemeldet und ihr Bedauern geäußert, dass es den Maibaum-Markt und die vorweihnachtliche Beleuchtung im Ortskern nicht mehr geben sollte. Das Interesse der Vereinsmitglieder scheint sich aber in Grenzen zu halten. Damit geht eine Ära zu Ende.

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