Die Schauspielerin Antje Rietz hat in Stuttgart schon manche Rolle übernommen. Nun wird sie zur Marlene Dietrich. Foto: Schauspielbühnen/Juergen Rocholl

Leben nach dem Lockdown: Die Schauspielbühnen Stuttgart stellen den Spielplan für die neue Saison vor. Bis Silvester gibt es feine, aber kleine Produktionen zu sehen. Das große Theater kehrt erst 2021 wieder zurück nach Stuttgart.

Stuttgart - Spielen oder nicht Spielen? Und wenn Spielen, dann wie? Alle Bühnen in Stuttgart müssen sich gerade die Frage stellen, wie angesichts der fortbestehenden Corona-Gefahr und der Hygieneregeln die kommende Saison aussehen kann. Für Axel Preuss, den Chef der Schauspielbühnen, ist das aber nicht nur ein Problem der Wirtschaftlichkeit. „Wir müssen unsere 12 000 Abonnenten im Blick haben“, sagt er bei der Vorstellung seiner Pläne für die Saison 2020/2021. „So lange wir am Alten Schauspielhaus statt der 500 Zuschauerplätze nur 99 besetzen können, ist ein normaler Abo-Spielbetrieb aber gar nicht möglich. So viele Vorstellungen könnten wir gar nicht anbieten. Also müssen wir zweiphasig denken.“

Soll heißen: ab der zweiten Septemberhälfte 2020 gibt es im Alten Schauspielhaus und in der Komödie im Marquardt wieder Theater, für den Rest des Jahres heißt das Motto dann „Neustart“ mit immerhin vier Premieren in der Kleinen König- und drei in der Bolzstraße. Aber die Karten gibt es eben nur mit eingeschränktem Platzangebot und nur im freien Verkauf. Seinen ganzen Optimismus richtet Preuss dann auf das neue Jahr: 2021 hofft er die Corona-Pandemie medizinisch unter Kontrolle – und einen Abo-Start mit hoffentlich wieder vollen Häusern ab dem 7. Januar in der Komödie und ab dem 5. Februar im Schauspielhaus.

Daniel Kehlmann schreibt nicht nur Bestseller, sondern auch Theaterstücke

An spannenden Ideen mangelt es weder für die Zeit vor noch nach Silvester. Nicht nur im Parkett, auch auf der Bühne sind dann zwar noch die Abstandsregeln einzuhalten, aber mit Monika Hirschle, Andreas Klaue, Lisa Wildmann, Sorina Kiefer und Jörg Pauly hat er Schauspieler unter Vertrag, die eigentlich immer für ein volles Haus sorgen. Mit Klassikern der gehobenen Unterhaltung wie „Love Letters“ (ab 20. November), „Loriots Dramatische Werke“ (ab 23. Oktober) oder „Heute Abend: Lola Blau“ (ab 18. Dezember) kann man ohnehin kaum etwas falsch machen.

Daniel Kehlmanns Stück „Heilig Abend“ (ab 16. Oktober) wird weitere Theaterfreund-Kreise in der Stadt interessieren. Und was kann schief gehen, wenn in der Advents- und Weihnachtszeit Andreas Klaue und Monika Hirschle gemeinsam auf der Bühne stehen: „Dinner for One – wie alles begann“, ab 27. November!

In größerer Besetzung und vor mehr Publikum dann also wieder 2021 – und Axel Preuss hat für diese heiße Phase genügend Pfeile im Köcher, um alle Zuschauer wieder ins Boot zu holen. Ferdinand von Schirach, dessen Erfolgsstück „Terror“ auch am Alten Schauspielhaus einst für Furore sorgte, packt ein neues Streit­thema an: In „Gott“ geht es um das Thema Sterbehilfe. Auf der Bühne wird eine Sitzung des Deutschen Ethikrates gespielt, der den Wunsch eines Mannes verhandeln muss, mit ärztlicher Hilfe sterben zu wollen. Wer Schirach kennt, der weiß, dass es sich dieser mit Fragen des Rechts und der Moral niemals leicht macht – und dem Zuschauer erst recht nicht. Zum Schluss des Theaterabends darf und muss das Publikum über den Fall abstimmen. Für Spannung ist also stets aufs Neue gesorgt. Premiere wird am 30. April sein.

Ferdinand von Schirach lässt wieder das Publikum abstimmen

Auch die Komödie plant Spannendes: das Gesellschaftsstück „Extrawurscht“ spielt anhand eines Speiseplan-Streits in einem Tennisklub alle Tücken und Klippen des multikulturellen Zusammenlebens in Deutschland durch. Monika Hirschle hat das Werk von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob ins Schwäbische, also sozusagen in Halbhöhenlage übersetzt (Premiere: 7. Januar).

Viele Zuschauer werden sich auch auf die musikalische Produktion „Spatz und Engel“ freuen, denn da gibt es ein Wiedersehen mit Antje Rietz, die in der vergangenen Spielzeit so hinreißend Hildegard Knef in Stuttgart zu verkörpern wusste. Daran knüpft sie nun an: Das neue Stück bringt Marlene Dietrich gemeinsam mit Edith Piaf auf die Bühne – und Antje Rietz mit Tina Podstawa. Premiere ist am 4. März.

Das große Musical: „Der kleine Horrorladen“

Das „große Musical“, das die Schauspielbühnen traditionell einmal pro Saison auf die Bühne des Schauspielhauses stemmen, wird diesmal erst im Sommer 2021 zu sehen sein: „Der kleine Horrorladen“ hat mit seinem grotesken Humor rund um eine fleischfressende Pflanze vom Broadway aus die ganze Welt erobert. In Stuttgart wird Premiere am 11. Juni kommenden Jahres sein. Regie führt Klaus Seiffert – der am gleichen Haus mit den „Comedian Harmonists“ schon für lauter ausverkaufte Vorstellungen gesorgt hat. Schön, dass dieser Knaller in der Originalbesetzung dann am 22. Juli 2021 noch einmal auf die Bühne zurückkehrt. Hoffentlich darf dann im Theater wieder aus voller Brust gesungen, gelacht und nach Wunsch auch gejubelt werden.

Theatersaison 2020/2021

Pläne Weitere Premieren am Alten Schauspielhaus: die Gesellschafts­komödie „Nur drei Worte“ (5. Februar) und das Kriminalstück „Bei Anruf – Mord“ (19. März). Die Komödie im Marquardt bietet ab 6. Mai noch „Die Tanzstunde“ mit Sabine Fürst und Heiko Ruprecht – letzterer bekannt aus der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“, in der er den Bruder des Bergdoktor spielt.

Evergreens Ebenfalls wieder im Programm: der Monolog „Judas“ mit Jörg Pauly, „Koi Auskomma mit dem Einkomma“ mit Monika Hirschle und insgesamt zwölf Termine mit „Checker Tobi und seinen Freunden“.

Programm Das Gesamtangebot der Schauspielbühnen Stuttgart finden Sie im Internet unter: www.schauspielbuehnen.de

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