Das Toilettenhäuschen am Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Foto: Hauptmann

Die öffentliche Toilette beim Bahnhof ist in die Jahre gekommen und nicht behindertengerecht. Es ist ein Wunsch der Untertürkheimer, dass sie modernisiert wird.

Untertürkheim - Es ist ein Ärgernis: Da plagt einen ein nur zu menschliches Bedürfnis und dann steht man an der öffentlichen Toilettenanlage neben dem Untertürkheimer Bahnhofsgebäude vor verschlossener Tür. Dabei sollte das WC eigentlich rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Grund dafür sind nicht etwa Sparmaßnahmen der Stadt oder ständige Reparaturarbeiten. Durch den für die Betreuung zuständigen städtischen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) jedenfalls werde die Anlage „nicht oft aktiv geschlossen“, heißt es dort. Vielmehr komme es vor, dass sich Personen in den Räumen einschließen und diese somit für andere nicht nutzbar seien. „Dem AWS ist bekannt, dass die Toilettenanlage gerne von Obdachlosen genutzt wird.“ Untertürkheim sei in dieser Hinsicht aber nicht auffälliger als andere Standorte: „Dies gilt für die öffentlichen Toiletten im gesamten Stadtgebiet.“

Tägliche Reinigung

Die „Dauerbelegung“ ist nicht der einzige Kritikpunkt der Untertürkheimer am stillen Örtchen. Selbst wer nur geringe Ansprüche an die Aufenthaltsqualität öffentlicher Toiletten stellt, hält sich in dem kleinen WC-Häuschen an der Arlbergstraße wohl nicht länger auf als zwingend nötig. Es gibt ein Pissoir – aus dem es sehr unangenehm riecht – und ein sogenanntes Unisex-WC für Männer, Frauen und Behinderte. Beide Räume sind funktional mit Edelstahl-Sanitäreinbauten ausgestattet und die Wände von oben bis unten mit tristen, beigefarbenen Kacheln versehen. Um die Sauberkeit des stillen Örtchens ist es mal besser, mal schlechter bestellt – der Reinigungstrupp des AWS kommt von Montag bis Freitag einmal täglich vorbei. Sein Kampf gegen die ständige Verschmutzung gleicht allerdings dem gegen Windmühlen: Immer wieder werden Fliesen und Türen mit Graffiti beschmiert oder die Toiletten mit sehr viel Papier verstopft. „Der Stadt Stuttgart sind die Beschwerden über den Zustand der Toilettenanlage bekannt“, teilt deren Sprecherin Anna Sendler mit.

Keine Gelder eingeplant

Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel sieht Handlungsbedarf. Auf ihrer Vorhabenliste für das Jahr 2020 steht die öffentliche Toilette weit oben. Denn das WC-Häuschen ist sichtbar in die Jahre gekommen und erfüllt nicht heutige Anforderungen an Barrierefreiheit – daran ändert auch die nachträglich angebaute Zugangsrampe nichts. Für eine Sanierung oder einen Umbau der Toilettenanlage sind im städtischen Doppelhaushalt 2020/21 allerdings keine Mittel vorgesehen. Auch nicht für einen möglichen Neubau. Dennoch hofft Dagmar Wenzel darauf, dass sich bald klären wird, ob ein solcher möglich wäre, wie er aussehen könnte und was er kosten würde.

Untertürkheim wäre aber nur ein Projekt von vielen für die AWS: Der Eigenbetrieb betreibt derzeit 41 konventionelle WC-Anlagen – 24 davon barrierefrei – in 15 von 23 Stadtbezirken. Aus allen aber wird der Ruf nach mehr Standorten laut. Die „FrAKTION“ im Gemeinderat fordert in einem Antrag an die Verwaltung, dass es in jedem Stadtbezirk eine kostenlose, öffentlich zugängliche Toilette geben müsse. Das Konzept „Nette Toilette“ könne lediglich als Ergänzung gesehen werden, heißt es. Denn die Nutzung sei abhängig von den Geschäftszeiten der teilnehmenden Betriebe – in Untertürkheim ist das bislang nur die „Speiserei“.

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