Auch der Kraftwerkkanal steht im Fokus der Stadtplaner. Sowohl am Schulcampus als auch am Inselbad sollen Zugänge zum Neckar geschaffen werden. Foto:  

Das Lindenschulviertel soll zu einem urbanen Wohn-, Arbeits- und Geschäftsquartier entwickelt werden. Für mögliche Projekte der „Stadt am Fluss“ wird ein neuer Bebauungsplan erforderlich. Die Bürgerbeteiligung beginnt am 5. Oktober.

Untertürkheim - D as Quartier zwischen Bahnhof, Karl-Benz-Pl atz, Schulcampus im Lindenschulviertel, Neckar, Inselbad und Daimler-Stammwerk soll in den kommenden Jahren städtebaulich aufgewertet werden. Die „Stadt am Fluss: Vernetzung Untertürkheim“ ist eines von mehreren Vorhaben, die für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA’27) eingereicht wurden. Das Projekt soll dazu beitragen, den alten Ortskern mit dem Neckarufer zu verbinden und das Lindenschulviertel zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Geschäftsquartier zu entwickeln, erläuterte Florian Zoll vo m Amt für Stadtplanung und Wohnen in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirates. Experimentelle und innovative Bau- und Wohnformen sollen ermöglicht und dabei vorhandene historische Bauten wie das Wasserkraftwerk einbezogen werden.

Wege zum Neckar schaffen

Erklärtes Ziel der Stadtplaner ist unter anderem, die durch den Bau der Eisenbahntrasse, die Daimler-Ansiedlung und die Flussbettverlegung entstandene Trennung des Lindenschulviertels vom Ortszentrum durch neue Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer aufzuheben und vor allem den Neckar für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. „Es gibt nur ganz wenige Stellen in der Landeshauptstadt, wo das möglich ist“, schwärmte Zoll von der ambitionierten Aufgabe. Zur Erreichung dieser Ziele soll Mitte nächsten Jahres ein internationaler Wettbewerb durchgeführt werden, durch den innovative Lösungen aufgezeigt werden, kündigte Zoll an.

Entwicklungsgebiet ist 21 Hektar groß

Damit die Stadt, der ein Teil der Grundstücke in diesem immerhin knapp 21 Hektar großen Areal gehört, und private Investoren ihre teilweise schon in Planung befindlichen Bauvorhaben in einigen Jahren umsetzen können, muss jetzt die rechtliche Grundlage geschaffen werden. Derzeit bestehe in diesem Bereich kein qualifiziertes Planungsrecht, erläuterte Zoll. „Die meisten Bebauungspläne sind schon 100 Jahre alt. Es wird Zeit, dieses Gebiet heutigen Verhältnissen anzupassen.“ Für die gewünschte Neuordnung ist die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans notwendig – das Verfahren soll der gemeinderätliche Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik am 6. Oktober auf den Weg bringen.

Wohnen, Gewerbe, Kultur

Das „neue Lindenschulviertel“ soll zu einem gemischt genutzten Stadtteil mit einer hohen Freiraumqualität entwickelt werden. „Ziel ist die Entwicklung eines lebendigen, nachhaltigen und gesunden Quartiers“, heißt es im Entwurf des Bebauungsplans Lindenschulviertel, kurz „Un 121“ bezeichnet. Vorgesehen sind bauliche Ergänzungen gemischter Nutzungen aus Wohnen, Gewerbe und Kultur, zum Beispiel auf dem einstigen Pfisterer-Areal an der Inselstraße. Attraktiv gestaltete öffentliche Räume sollen vielfältige Angebote für unterschiedliche Nutzergruppen bieten. „Ein wesentliches Planungsziel ist die Reduzierung der Verkehrsflächen und der Verkehrsbelastung durch den Kfz-Verkehr“, hießt es im Planentwurf. Wobei Untertürkheims Bezirksbeiräte dafür plädieren, die Inselstraße nicht für den Autoverkehr zu kappen. Sie solle weiterhin allen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung stehen.

Brücke zur Neckarinsel

Als Idee steht im Raum, auch die Kanalabschnitte beim Kraftwerk und beim Inselbad aufzuwerten und das Neckarufer durch eine Brücke mit der Inselspitze beim Freibad zu verbinden. Dort könnte, so Zoll, ein öffentlicher Aufenthaltsbereich entstehen. Dass eine Verbesserung der Situation am Daimler-Parkhaus hingegen gar nicht in der Planung vorgesehen ist, kritisieren die Lokalpolitiker scharf. Dort müsse zwingend etwas getan werden, denn es komme immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Und wenn die Stadt der Daimler AG entgegenkomme, die laut Zoll ihren Eingang zum Stammwerk am Karl-Benz-Platz „einem Weltkonzern angemessen“ umgestalten und ein weiteres Parkhaus errichten will, dann könnte Daimler doch auch der Stadt entgegenkommen und zu einer Verbreiterung des Neckarradweges – etwa durch den Wegfall einer Parkreihe – beitragen, argumentieren die Beiräte.

Karl-Benz-Platz aufwerten

Zustimmung findet ebenso die Absicht, den Verkehrsknoten Karl-Benz-Platz „zu einem zentralen Baustein Untertürkheims mit eigener Identität“ umzugestalten. Bauliche Maßnahmen sollen den Nutzern von Bussen und Bahnen eine klare und einfache Orientierung geben, künftig soll es dort auch zusätzliche Sharing-Angebote, eine adäquate Anzahl an Radabstellanlagen und Radserviceangebote geben. Eine Reduzierung von heute zwei auf nur noch eine Stadtbahnhaltestelle auf dem Karl-Benz-Platz bei gleichbleibendem Angebot wird begrüßt – die Endhaltestelle der U 4 halten die Lokalpolitiker für entbehrlich, die Abstellfläche könnte besser genutzt werden, zum Beispiel für Gastronomie und Handel.

Gleiches gilt für Parkplätze, etwa an der Benzstraße und in der Straße Beim Inselkraftwerk. Diese bieten nach Ansicht der Stadt „Potenziale für eine bauliche Nutzung, der Wettbewerb soll hier innovative Nutzungslösungen aufzeigen.“ Auch der heutige Parkplatz Inselbad soll ein „adäquates Vorfeld“ erhalten.

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