Eine Kastanie. Foto: /dpa

Dieses Jahr liegen viele Eicheln, Bucheckern und Nüsse auf dem Boden. Sie sind Futter für Tiere und Deko für Menschen.

Untertürkheim - Waldspaziergänger habe es bereits bemerkt: Unter ihren Füßen knackt es auffallend oft. Viele Waldwege sind übersät mit Eicheln und Bucheckern, in den Anlagen liegen Kastanien und Nüsse auf dem Boden – oder sind bereits eingesammelt worden. „Wir haben dieses Jahr eine sogenannte Vollmast. Die Äste tragen dieses Jahr übermäßig viele Früchte“, bestätigt auch Stefan Baranek, der Leiter des Fellbacher Forstreviers.

Der Waldexperte beobachtet die Fülle an Früchten mit gemischten Gefühlen. Es gäbe immer wieder Jahre, in denen die Bäume viele Früchte hervorbringen, und dann wieder ein Jahr mit weniger Früchten. Ältere Generationen haben aus einem Mast-Herbst abgleitet, dass der kommende Winter streng werde. Baranek hat eine andere Erklärung. „Wenn die Bäume wie in diesem trockenen Frühjahr und Sommer Stress haben und sich nicht wohlfühlen, stecken sie ihre Energie nicht in das eigene Wachstum, also nicht in die Blätter oder in die Holzmasse, sondern in den Nachwuchs. Sie erzeugen viele Samen, um die Art zu erhalten und neues Genmaterial zu produzieren.“ Egal ob Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Nüsse, Zapfen oder die Beeren von Schlehe, Weißdorn und Co: Die Samen tragen zur Verjüngung der Wälder bei – wenn sie nicht zuvor von Menschen gesammelt oder von Tieren gefressen wurden. Denn viele Früchte sind Energiespeicher.

„Die diesjährige Vollmast der Eicheln und Bucheckern hilft den Wildschweinen selbst durch einen sehr strengen Winter“, sagt Baranek. Die Schwarzkittel sind nicht die einzigen Genießer, die auf den Geschmack gekommen sind. Eichhörnchen sind bereits eifrig am Sammeln. Sie legen sich einen Vorrat an Nüssen, Eicheln und Zapfen an. Krähenvögel und Eichhäher fliegen mit den Früchten fort, versuchen diese zu öffnen oder lassen sie von Autofahrer „knacken“. Und wer viel Geduld hat, entdeckt vielleicht sogar eine Waldmaus mit einem Buchecker im Mund – eine wichtige Nahrungsquelle.

„Das haben sich vor einigen Jahrzehnten auch noch die Bürgerinnen und Bürger zunutze gemacht“, sagt Baranek. Wal- und Haselnüsse werden heute noch zum Essen oder zum Gutsle-Backen in der kommenden Adventszeit geerntet und geschätzt. „Und die Gastronomie hat auch die Bucheckern wieder zur Gewinnung von leckerem Öl oder Mehl entdeckt“, erklärt Baranek. Älteren Stuttgartern ist zudem der aus Eicheln gebrühte Kaffee ein Begriff. „Zudem mussten wir als Kinder im Wald immer Kastanien, Eicheln und Bucheckern sammeln, die dann entweder den Schweinen als Kraftfutter gefüttert wurden oder wir gaben sie dem Förster ab, der sie an harten Wintertagen an die Rehe verfütterte“, erinnert sich ein Rotenberger.

Geschickt dekoriert schmücken Zapfen, Kastanien, Eicheln und andere Früchte des Waldes auch manchen herbstlich gedeckten Tisch, verzieren Gestecke und Adventskränze, geben manchem Weihnachtsbaum den besonderen Pfiff und eignen sich zudem zum Basteln mit Kindern. Wer hat aus Kastanien nicht schon einmal eine Figur gebastelt? Und wer über Weihnachtsmärkte läuft, entdeckt vielleicht auch eine Buchecker-Hülle als Kopfbedeckung eines Zwerges und eine Hagebutte als rote Nase eines Nikolauses. „Anders als bei Obstbäumen sind die Früchte des Waldes nicht auf den ersten Blick nützlich, aber eben vielseitig nutzbar“, sagt Baranek.

Basteln Sie mit Ihren Kindern oder Enkeln Kastanienfiguren? Dann schicken Sie uns ein Foto davon an die E-Mail-Adresse lokales@ uz-online.de.

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