Der Abstellbahnhof Rosensteinpark gehört zu jenen frei werdenden Bahnanlagen, auf denen das künftige Rosensteinquartier entstehen soll. Foto: Schütze Quelle: Unbekannt

Von Jan-Philipp Schütze

Stuttgart - Das Erdreich am Abstellbahnhof Rosensteinpark ist mit giftigem Bromacil verunreinigt. Das seit 1990 verbotene Herbizid wurde früher von der Bahn eingesetzt, um entlang der Gleise Unkraut zu vernichten. Die Verunreinigung ist den Behörden schon seit längerem bekannt, wurde aber bislang nicht öffentlich gemacht.

Aktuell werden auf dem Abstellbahnhof am Rande des Rosensteinparks noch Züge der Deutschen Bahn abgestellt, doch daran wird sich in den nächsten Jahren etwas ändern. Denn das Gelände des Abstellbahnhofs gehört zu den im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 frei werdenden Bahnanlagen, auf denen nach Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs das künftige Rosensteinviertel entstehen soll. Das Areal gehört bereits der Stadt, sie hatte es im Jahr 2011 von der Bahn gekauft.

Jetzt wurde bekannt, dass es an einer Stelle auf dem Gelände eine Verunreinigung mit dem Unkrautvernichtungsmittel Bromacil gegeben hat, das von der Bahn früher aus Spritzzügen heraus eingesetzt wurde. Die Belastung, die der bislang nicht öffentlich gemacht wurde, liegt nach Angaben des städtischen Amts für Umweltschutz allerdings im tolerierbaren Bereich.

Bereits im Jahr 2006 seien bei einer routinemäßigen Grundwasseruntersuchung im Bereich des Abstellbahnhofs „auffällig hohe Bromacil-Werte“ festgestellt worden, sagt Nikolaus Hellenthal, der beim Amt für Umweltschutz für Altlasten, Grundwasser- und Bodenschutz zuständig ist. Daraufhin sei man der Sache nachgegangen, bei weiteren Messungen hätten sich die erhöhten Werte bestätigt. Der Schadenfall sei daraufhin eingegrenzt worden, im Jahr 2009 habe man mit der Sanierung des Bodens begonnen.

Mithilfe eines speziellen Sanierungsbrunnens sei das belastete Wasser seither abgepumpt, gereinigt und kontrolliert worden. „Diese Maßnahme ist seit kurzem beendet“, sagt Hellenthal. In dem Bereich werde im Zuge der Arbeiten für Stuttgart 21 eine Baugrube ausgehoben. „Dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Großteil des Schadens behoben sein.“ Das in der Baugrube anfallende Wasser werde über das S-21-Grundwassermanagement der Bahn mithilfe von Aktivkohlefiltern gereinigt, dadurch werde das Wasser ausreichend filtriert.

Wie genau das Bromacil einst ins Erdreich gelangte, könne man nicht sagen, so Hellenthal. Möglich wäre ein Fehler beim Abfüllen in einen Spritzzug, das Mittel könnte aber auch bei einer Havarie ausgelaufen oder sogar absichtlich in den Boden eingebracht worden sein. „Das alles ist reine Spekulation“, meint Hellenthal. Auch die Menge des versickerten Herbizids lasse sich nicht mehr nachvollziehen, ebenso der Zeitpunkt der Verunreinigung. Das Mittel ist seit 1990 verboten.

Fakt ist, dass der Schadensfall den Behörden zwar schon länger bekannt war, aber erst durch einen kuriosen Zufall ans Tageslicht kam. Im Dezember 2015 war ein Messprotokoll mit der Überschrift „Sanierung Abstellbahnhof Stuttgart“ in die Hände eines Bürgers gelangt, der es an die S-21-kritische Gruppe Ingenieure 22 weitergab. Da das überprüfte Wasser in dem Messprotokoll als „trüb“ und „rötlich-braun“ beschrieben wurde, sah sich die Gruppe in ihrer Vermutung bestätigt, dass über das Grundwassermanagement der Bahn rosthaltiges Wasser in den Untergrund geleitet werde, was eine Gefährdung für das Grundwasser und die Heil- und Mineralquellen bedeute. Beim Amt für Umweltschutz kann man sich zwar nicht erklären, wie das von einer externen Firma gefertigte Protokoll in die Hände des Bürgers gelangte, stellt aber klar, dass es in keinem Zusammenhang mit dem Grundwassermanagement stehe, sondern sich ausschließlich auf die überwachte Bromacil-Schadensstelle beziehe.

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