Christoph Sökler und Suse Pfister zeigen den Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse vor der Webcam, was beim Schauspielen auf der Bühne zu beachten ist. Foto: Janey Schumacher

Digitale Musikstunde zum Stück „Der Schauspieldirektor“ mit der Jungen Oper.

Bad Cannstatt - Welches Instrument hat eine Opernsängerin?“ fragt Suse Pfister, während sie vor einem Laptop steht. Ihr zugeschaltet sind die Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse, die Pfister und ihren Kollegen Christoph Sökler über einen Bildschirm im Klassenzimmer sehen können. Die beiden sind Mitarbeiter von JOIN (Junge Oper im Nord) und an diesem Morgen per Webcam-Schalte aus dem Schauspiel Nord in der Löwentorstraße mit den Schülerinnen und Schülern verbunden. Wäre keine Corona-Pandemie, würde das Treffen wohl in Form eines Unterrichtsbesuchs oder im Opernhaus stattfinden.

Die Klasse behandelt derzeit im Musikunterricht den Komponisten Mozart. Deshalb ist dessen Singspiel „Der Schauspieldirektor“, das von der Jungen Oper bereits auf die Bühne gebracht wurde, Thema der Doppelstunde. Das Stück, das in kurzen Videoausschnitten gezeigt wird, dreht sich um den Schauspieldirektor Frank. Der muss eine neue Darstellertruppe zusammenstellen und sich dabei mit den Eigenheiten und Rivalitäten der Schauspieler und Sänger auseinandersetzen. Zusätzlich sieht er sich mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert.

Auf die eingangs gestellte Frage nach dem Instrument einer Opernsängerin antworten die Schülerinnen und Schüler, indem sie vor der Kamera im Klassenzimmer auf ihre Hälse zeigen. „Genau, die Stimme“, sagt Pfister. „Der Opernsänger braucht aber nicht nur die Stimme, sondern den ganzen Körper“, ergänzt Sökler. Um den Schülerinnen und Schülern näher zu bringen, wie Stimme und Körper zusammenspielen, geht es an eine Aufwärmübung. Neben der Atemtechnik wird die Aussprache geübt, etwa durch das Wiederholen des Satzes „Kunst bringt Gunst und Gunst bringt Kunst“. Als nächstes steht Schauspiel auf dem Programm: Um zu verdeutlichen, wie auf einer Bühne gespielt werden muss, zeigen Pfister und Sökler praktische Übungen. Wichtig dabei: „Erst Aktion, dann Reaktion“, sagt Sökler. Will heißen, eine Bewegung muss langsam ausgeführt werden, erst danach sollte die Reaktion des anderen erfolgen. Geht es zu schnell und sind die Bewegungen zu klein, bekommt das Publikum wenig von dem Schauspiel mit. Die Übungseinheiten werden immer wieder mit den Videosequenzen aus dem Stück „Der Schauspieldirektor“ ergänzt. So erfährt die Klasse den Unterschied zwischen einer Arie und einem Duett oder sieht die Darsteller im Film beim Vorsingen für eine Rolle.

Da keine Vorstellung ohne Applaus enden sollte, ist auch der am Ende der Doppelstunde Thema. „Ihr müsst Euch in Szene setzen“, sagt Sökler. Egal ob Knicks oder Verbeugung, wichtig ist die große Geste – auch um aus dem Zuschauerraum wahrgenommen zu werden. Prompt wird im Klassenzimmer geübt.

Nach so viel Trockenübung dürfen die Schülerinnen und Schüler in der nächsten Stunde Bühnenluft schnuppern – ebenfalls digital. Um einen Blick hinter die Kulissen der Oper gewähren zu können, nehmen Pfister und Sökler die Klasse per Webcam mit zu einer Führung durch die Staatsoper Stuttgart.

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