Die Mentorinnen und Mentoren von Kinderhelden helfen zum Beispiel bei den Hausaufgaben. Foto: dpa

Die Lernbegleiter von Kinderhelden unterstützen Schülerinnen und Schüler an der Martin-Luther-Schule

Bad Cannstatt - Eigentlich treffen sich die zehnjährige Michaela, Schülerin an der Martin-Luther-Schule und die 29-jährige Lisa Zeller regelmäßig in der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt, um zu lernen. Eigentlich, denn wegen der Corona-Krise und den damit einhergehenden Beschränkungen ist dies seit Wochen nicht mehr möglich. Zwar halten die beiden so gut es geht via WhatsApp über das Smartphone Kontakt, unterhalten sich per Videochat, Schulaufgaben werden abfotografiert und ebenfalls versendet – doch die Einschränkungen wirken sich trotzdem aus. „Man merkt, dass es den Schülerinnen und Schülern schwerer fällt, sich zu motivieren“, sagt Lisa Zeller und hofft, Michaela bald wieder treffen zu können. Ähnliche Erfahrungen machen auch die anderen Ehrenamtlichen und deren Schützlinge bei den Kinderhelden. Manche Familien stehen vor technischen Herausforderungen, da nicht jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes Smartphone oder Laptop hat. Auch sei es wegen der Wohnsituation für einige schwer, ein ruhiges Plätzchen für die Hausaufgaben oder einen Videochat zu finden, sagt Franziska Krumme, die bei den Kinderhelden für die Vermittlung der Mentorinnen und Mentoren zuständig ist.

Besonders problematisch sind die Unterrichtsausfälle beziehungsweise der stark eingeschränkte Unterricht für Kinder, die mit ihren Eltern nicht deutsch sprechen. Bei manchen haben sich innerhalb der vergangenen Wochen Defizite in der Sprache entwickelt, sagt Krumme. Daher telefonieren die Ehrenamtlichen mit den Schülerinnen und Schülern sooft es möglich ist.

Umso mehr freuen sich Michaela und Lisa Zeller darauf, bald wieder in der Stadtteilbibliothek gemeinsam lernen zu können. Schließlich gehören die regelmäßigen Treffen am Wochenende seit zwei Jahren zum Alltag der beiden. Unterstützt wird Michaela von ihrer Mentorin insbesondere beim Lesen und bei Matheaufgaben. Getreu dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ steht nach den Schulaufgaben oft ein Gesellschaftsspiel auf dem Programm. Aber auch Ausflüge unternehmen die beiden – zumindest vor der Corona-Pandemie und sobald es wieder erlaubt ist – gemeinsam, etwa in die Wilhelma, die Sprungbude, ins Kino, ins Schwimmbad oder zum Minigolfen.

Auf das Programm Kinderhelden ist die 29-Jährige über ihren Arbeitgeber aufmerksam geworden. „Ich wollte mich unbedingt ehrenamtlich engagieren, wusste aber nicht wo.“ Als sie dann von den Kinderhelden erfahren hatte, meldete sich Lisa Zeller per Mail. Nach einem Kennenlerngespräch mit den Verantwortlichen, wie Franziska Krumme, folgte ein Workshop und schließlich trafen sich die Schülerin und ihre Mentorin.

Eigentlich arbeitet Lisa Zeller bei Bosch Power Tools. Kinder wie Michaela in ihrer Freizeit zu unterstützen, macht ihr Freude. „Als Michaela mir erzählt hat, dass sie sich immer sehr auf unsere Treffen freut, manchmal die ganze Woche über bis wir uns am Wochenende sehen, war ich ganz gerührt.“ Sie selbst lernt auch etwas bei der ehrenamtlichen Tätigkeit, zum Beispiel „wie wichtig es ist, anschaulich und spielerisch zu erklären, aber auch sich selbst und andere immer wieder zu motivieren“.

Um auch weiterhin viele Schülerinnen und Schüler unterstützen zu können, werden ehrenamtliche Kinderhelden für sogenannte DigiTandems – Mentorinnen und Mentoren kommunizieren ausschließlich online mit ihren Schützlingen – gesucht. Denn auch wenn die Schulen langsam wieder für einzelne Klassen geöffnet werden, besteht hoher Unterstützungsbedarf. Viele Kinder benötigen Lernhilfe und ein offenes Ohr. Wer sich vorstellen kann, eine Schülerin oder einen Schüler per Videotelefonie oder ähnlichem beim Lernen zu unterstützen, erhält im Internet unter www.kinderhelden.info weitere Informationen.

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