Ein Security-Mitarbeiter kontrolliert die Kundenströme in der Commerzbank-Filiale am Wilhelmsplatz. Foto: Sebastian Steegmüller

Commerzbank stärkt den Standort am Wilhelmsplatz und gibt Räume im Stuttgarter Osten auf.

Bad Cannstatt - Nicht erst seit Corona haben Banken ein geändertes Zahlungsverhalten festgestellt. Immer weniger Kunden greifen noch zu Stift und Zettel und füllen in den Schalterräumen Überweisungsformulare aus. Bei der Commerzbank beispielsweise hat sich die Zahl seit 2015 halbiert. Laut dem Unternehmen werden 90 Prozent aller Überweisungen inzwischen digital getätigt und die Zahl der Handyüberweisungen hat sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht. Allein im letzten Jahr sei fast jedes zweite Konto online eröffnet worden und die Banking-App würden inzwischen mehr als 1,5 Millionen Kunden nutzen.

Bezahlen mit der Fitnessuhr

Darüber hinaus setzen immer weniger Menschen im Südwesten Deutschlands Bargeld zur Zahlung ein. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Krise nochmals verstärkt wurde. Laut einer Umfrage, die die Commerzbank in Auftrag gegeben hat, greifen 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs häufiger zu EC- oder Kreditkarte als noch in Zeiten vor der Pandemie. 23 Prozent verzichten vermehrt darauf, die Karte ins Lesegerät zu schieben und bezahlen kontaktlos mit dem Smartphone oder der Fitnessuhr. Ein Fünftel der Befragten nutzt inzwischen das Onlinebanking häufiger.

Viele Filialschließungen

Zweifelsohne, die Digitalisierung bietet viele Vorteile, vereinfacht sie doch die Kontoführung immens. Überweisungen lassen sich rund um die Uhr bequem vom Sofa aus erledigen. Die negative Auswirkung, vor allem für ältere Bankkunden, sind die mit den leeren Schalterräumen oftmals verbundenen Filialschließungen. Wie berichtet hat die BW-Bank in der Landeshauptstadt schon mehrere Filialen zusammengelegt, jetzt hat sich auch die Commerzbank zu diesem Schritt entschieden. Die Filiale am Ostendplatz , die seit Mitte März infolge der Corona-Pandemie geschlossen ist, wird nicht wieder öffnen. Die bisherigen Berater sind bereits heute in der Filiale am Cannstatter Wilhelmsplatz, König-Karl-Straße 61, zu finden. Mit der Maßnahme will die Commerzbank auch die „Öffnungsstabilität und Vertretungssicherheit“ in Filialen erhöhen. „Zwar nimmt die Nutzung von Online- und Mobile-Banking immer weiter zu“, erklärt Stefan Roth, Leiter Serviceberatung Bad Cannstatt. „Wir stellen aber gleichzeitig fest, dass unsere Kunden wichtige Anlässe wie zum Beispiel eine Baufinanzierung oder Vorsorgeplanung immer noch am liebsten mit einem Berater ihres Vertrauens besprechen möchten. Wir werden alles dafür tun, dass sich unsere Kunden auch weiterhin gut betreut fühlen“, sagt Roth. In der Filiale Bad Cannstatt werden zukünftig insgesamt rund 14 000 Privatkunden mit einem Geschäftsvolumen von 80 Millionen Euro betreut.

SB-Zone am Ostendplatz schließt auch

Ende Oktober wird die Commerzbank auch die SB-Zone am Ostendplatz schließen. Das Unternehmen betont jedoch, dass die Bargeldversorgung im Osten weiterhin gewährleistet ist. „Kunden können kostenlos Automaten der Deutschen Bank, der HypoVereinsbank und der Postbank nutzen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Darüber hinaus seien Barauszahlungen bis zu 200 Euro auch bei Aldi, dm, Edeka, Netto, Penny und Rewe im Rahmen eines Einkaufs möglich. „Viele Shell-Tankstellen bieten ebenfalls einen kostenlosen Bargeldservice an.“

Sparda-Bank baut Kontoauszugsdrucker aus

Die Schließung von Filialen und der Abbau von Automaten stoßen nicht immer auf Verständnis bei der Kundschaft. Ein 78 Jahre alter Cannstatter hat sich bislang immer an der SB-Zone der Sparda-Bank im Cannstatter Bahnhof seine Kontoauszüge ausdrucken lassen. Jetzt weist jedoch dort ein Aufkleber daraufhin, dass auch das letzte Gerät, das dort steht, „in Ruhestand“ geht. Der Nachfolger sei die digitale Postbox. „Die Sparda-Bank will die Kunden aufs Internet verlagern, was meiner Meinung nach einer Verschiebung der Kosten auf den Kunden gleich kommt. Ich habe zwar Internet und auch ein Smartphone, will dieses aber nicht für Bankgeschäfte nutze“, sagt der 78-Jährige.

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