Der obere Bereich des Storchenmarkts ist aufgrund seiner Hinterhoflage wenig belebt. Foto: Elke Hauptmann

Der in die Jahre gekommene Storchenmarkt gilt als Sorgenkind. Als Ladenzentrum ist der Gebäudekomplex im Herzen Untertürkheims längst nicht mehr attraktiv. Experten empfehlen einen radikalen Umbau.

Untertürkheim - Einst als Ladenzentrum konzipiert, fristet der Storchenmarkt im Herzen Untertürkheims gut 40 Jahre nach seiner Einweihung heute ein Schattendasein. „Aufgrund seiner eher rückwärtigen Lage und des geringen Geschäftsbesatzes trägt er kaum zur Stärkung der Fußgängerzone Widdersteinstraße bei“, lautet das nüchterne Fazit von Fachleuten. Sie empfehlen eine Neuentwicklung der Immobilie, denn: „Eine Revitalisierung als Einkaufszentrum erscheint unter den gegebenen baulichen und strukturellen Bedingungen im Umfeld kaum möglich“.

Im Jahr 2017 hat das Amt für Stadtplanung und Wohnen gemeinsam mit dem Büro Acocella Stadt- und Regionalentwicklung in sechs Stuttgarter Stadtbezirken – Bad Cannstatt, Feuerbach, Untertürkheim, Vaihingen, Weilimdorf und Zuffenhausen – insgesamt acht in die Jahre gekommene Einkaufszentren unter die Lupe genommen, um Konzepte für die Revitalisierung zu erarbeiten und deren Realisierungschancen auszuloten. Der Abschlussbericht über die Untersuchung der Stadtteilzentren wurde jetzt im gemeinderätlichen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik vorgestellt.

Das Fazi t der Gutachter lautet: Für einige der Einkaufs- und Ladenzentren sind grundlegende Veränderungen und radikale Lösungen notwendig. Und es brauche zwingend die Bereitschaft der Eigentümer, an der Veränderung mitzuwirken. „Die Revitalisierung privater Immobilien, die für die Stadt- und Quartiersentwicklung von besonderer Bedeutung sind, kann nur gemeinsam mit der Eigentümerschaft funktionieren.“ Denn die erforderlichen Maßnahmen würden erhebliche Investitionen bedeuten.

Das trifft auch auf den Storchenmarkt zu. Der Gebäudekomplex ist auf zwei Ebenen ausgebildet, die sowohl über eine Treppe verbunden sind, aber auch von der Augsburger Straße und der Widdersteinstraße ebenerdig zugänglich sind. „Die kleinteilige Struktur ermöglicht keine größeren Gewerbeeinheiten, sodass auch keine frequenzerzeugenden Effekte für die Widdersteinstraße spürbar sind“, heißt es in dem Bericht. Aus Gutachtersicht müsste der Storchenmarkt deshalb neu ausgerichtet werden – es gebe für ihn „als Ladenzentrum keine funktional und wirtschaftlich sinnvolle Revitalisierungsmöglichkeit im Bestand.“

Denkbar wäre zum Beispiel die Einbettung des Storchenmarktes in das kulinarische Thema von Untertürkheim, dem Wein: Die Widdersteinstraße sei bereits heute durch verschiedene gastronomische Betriebe besetzt. „Eine Wiederbelebung dieses als Fußgängerzone ausgebildeten Straßenabschnitts als klassische Handelslage dürfte perspektivisch kaum gelingen.“ Insofern wäre eine Qualifizierung als gastronomischer Schwerpunkt ein Ansatz zur Aufwertung dieser Straße – und des angrenzenden Storchenmarkts. Eine andere Möglichkeit wäre die Umwidmung des Storchenmarktes zum Wohnstandort. „Die Wohnraumknappheit in Stuttgart einerseits und die zentrale Lage im Ortskern andererseits lassen eine Vermarktung vergleichsweise einfach erscheinen“, meinen die Experten. Dies entspreche jedoch nicht der städtischen Zielsetzung für das Stadtteilzentrum Untertürkheim.

Wenn der Storchenmarkt nicht insgesamt einer baulichen Revitalisierung unterzogen werden kann, dann müssten zumindest die Räumlichkeiten des Cap-Marktes so modernisiert werden, dass ein zeitgemäßer Auftritt des Nahversorgers entsteht, empfehl en die Gutachter. „Ein modernisierter Cap-Markt wäre eine wichtige Säule für den Storchenmarkt.“ Ein Vorrücken der Geschäftsfläche an die Augsburger Straße würde auch eine Verkaufsflächenvergrößerung für den CAP-Markt bieten, schildern die Experten. „Auch in diesem Fall würde eine Auflösung der Treppenverbindung zwischen den Storchenmarktebenen zu einer Bereinigung der Situation führen und der Immobilie die Möglichkeiten geben, eine klare Ausrichtung zu den Geschäftsstraßen und die Ausbildung von Vorderseiten umzusetzen.“

Mit der Eigentümerschaft sei ein erstes Gespräch darüber geführt worden. Allerdings blieb es ohne Ergebnis. „Die baulichen Maßnahmen zur Bestandssicherung stießen auf Interesse, die Investitionsbereitschaft ist jedoch nur geringfügig vorhanden“, ziehen die Experten Bilanz. Die Stadt, die bisher keine immobilienwirtschaftlichen Einflussmöglichkeiten hat, will dennoch im Gespräch mit den Eigentümern bleiben. „Es liegt an ihnen, die Immobilie entsprechend wertig weiterzuentwickeln“, so die Fachleute.

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