Auf einem ehemaligen Messe-Parkplatz sollten günstige Mietwohnungen entstehen. Trotz Zuschüssen geht die Rechnung der Investoren nicht auf. Springt die Stadt ein?
Nach dem Abzug der Messe vom Killesberg vor 16 Jahren startet die Verwertung des letzten Grundstücks. Am Kochenhof soll an der „Roten Wand“ (früher Parkplatz) ein Quartier aus Baugemeinschaften, Sozialwohnungen und Wohnungen für mittlere Einkommensbezieher entstehen, insgesamt rund 120 Einheiten. Ein Bagger ist aufgefahren. Gebaut werden aber nur zwei Häuser der Baugemeinschaften.
In Hochpreislage war Kontrapunkt geplant
Die Rechnung für geförderten Wohnraum, die schon zuvor wegen der hohen Grundstückspreise (Richtwert: 2140 Euro pro Quadratmeter) eng war, geht auf dem Killesberg wie in vielen anderen Lagen nicht mehr auf. Hier sollte ein Kontrapunkt in der Hochpreislage gesetzt werden, ohne Abstriche, in ansprechender architektonischer und ökologischer Qualität. Davon will die Stadt auch nicht lassen. Die sogenannten Wolkenhäuser und der Holzbau-Riegel entlang der Straße sind Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027. Es geht auch um das Prestige der Stadt.
Der Bebauungsplan sei einzuhalten, teilen der Städtebau- und der Finanzbürgermeister Peter Pätzold (Grüne) und Thomas Fuhrmann (CDU) auf Anfrage mit. Daran wollen der Ankerinvestor, die Archy Nova Projektentwicklung GmbH (Stuttgart), und die Filderbaugenossenschaft nicht rütteln. In den zwei Wolken-, 17 Stadt- und drei Apartmenthäusern von Archy Nova finden sich laut Geschäftsführer Gerd Hansen 45 Sozialwohnungen. 19 Einheiten seien frei finanziert. Der Anteil geförderten Wohnraums, auf den die Stadt 25 Jahre lang Zugriff hat, sei aber viel zu groß. Die Lage nach der Zins- und Baukostenexplosion nennt Hansen „dramatisch“.
Kalkulation läuft völlig aus dem Ruder
Auf die Probleme der Investoren hatte die Stadt mit einem direkten Zuschussangebot reagiert – „insbesondere auf Grund der erhöhten Vorgaben und der außergewöhnlichen städtebaulichen Form“, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Bei den Sozialmietwohnungen wird der Bodenwert um 45, bei den Mietwohnungen für Mittlere Einkommensbezieher (MME) um 80 Prozent ermäßigt.
Trotz der Finanzspritze gehe die Rechnung nicht auf, sagt Axel Schaefenacker, der Vorstandschef der Filderbaugenossenschaft. Der Zuschuss ersetze nur die 2021 weggefallene KfW-Förderung. Die Genossenschaft will 17 MME-Wohnungen bauen, die Kaltmiete sollte bei 9,50 Euro je Quadratmeter liegen. Das war die Vorkriegskalkulation. „Eine Kostendeckung würden wir jetzt erst bei 20 Euro erreichen“, so Schaefenacker, ansonsten erwirtschafte man „pro Jahr sechsstellige Fehlbeträge“.
Schaefenacker fordert von der Stadt einen weiteren einmaligen Zuschuss. „Den gab es früher im sozialen Wohnungsbau“, sagt der Vorstandschef. Man sei als Genossenschaft nicht renditegesteuert, betont er. Scheitere das Vorhaben, sieht er die Stadt in der Pflicht, bisherige Aufwendungen zu ersetzen. Man habe das Grundstück noch nicht erworben, so Schaefenacker: „Der Kran steht für andere.“ Auch Archy Nova würde ihren Aufwand geltend machen.
Stadt gibt inzwischen Baukostenzuschüsse
Die beiden Firmen sind nicht die einzigen Investoren, denen die Stadt Subventionen für geförderten Wohnungsbau anbietet. Für zwei Bauvorhaben der VdK-Baugenossenschaft und der Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf in Stammheim mit zusammen 28 Sozialwohnungen soll der Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen an diesem Freitag 776 700 Euro billigen, umgerechnet 27 740 Euro pro Einheit oder 1109 Euro pro Jahr. Damit sinkt die Kaltmiete von 10,30 auf neun Euro pro Quadratmeter.
Bei dem Vorzeigeprojekt am Killesberg will die Stadt die Subventionsschraube nicht weiter drehen und damit einen Sonderfall schaffen. „Ein weiterer Zuschuss wird nicht in Aussicht gestellt“, sagt die Verwaltung auf Anfrage. Eine Möglichkeit sei nun, die Planungsleistungen zu erwerben.
Springt die SWSG am Killesberg ein?
Eine Ablöse sei durchaus üblich, sagt Finanzbürgermeister Fuhrmann. Ob die stadteigene Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) dann in die Bresche springt und baut, bleibt unbeantwortet. Die SWSG erhält von der Stadt 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital. An der Entwicklung des Gesamtgebietes habe man jedenfalls „nach wie vor ein großes Interesse“.