Ein Foto von der letztjährigen Ernte. So sollte es auf den Feldern eigentlich in den nächsten Tagen aussehen. Allerdings ist noch nicht klar, wie die Ernte dieses Jahr ablaufen wird. Foto: /Sebastian Gall

Landwirte haben mit wenig Erntehelfern für die kommende Spargelsaison zu kämpfen. Abhilfe könnten fachfremde Arbeiter schaffen, die sind allerdings oft nicht zu halten.

Fellbach - Der derzeitige Ausnahmezustand trifft fast alle Branchen. Manche mehr, manche weniger. In den letzten Tagen wurde in den Medien immer wieder berichtet, dass auch Landwirte an der Krise zu knabbern haben. Zehntausende Erntehelfer würden auf den Feldern fehlen. Wir haben bei Klaus Bauerle von „Früchtle vom Schmidener Feld“ aus Fellbach nachgefragt, wie er die derzeitige Situation erlebt und ob fachfremde Arbeiter, die zurzeit nicht arbeiten können, ihm beim Einbringen der Ernte helfen könnten.

„Wir haben bisher genug Erntehelfer“, sagt Geschäftsführer Klaus Bauerle. Diese kämen wie jedes Jahr vor allem aus Osteuropa, besonders aus Polen und Rumänien. Allerdings merke natürlich auch er, dass Leute fehlen würden. „Vor allem aus Polen sind dieses Jahr bisher deutlich weniger Arbeiter bei uns. Viele haben Angst wegen des Coronavirus“, so der Landwirt. Neue Arbeiter aus den osteuropäischen Ländern wird es in Fellbach erst einmal auch nicht mehr geben. Denn das Bundesinnenministerium hat einen Einreisestopp für die Saisonarbeiter verhängt. Dieser ist seit gestern um 17 Uhr in Kraft. Der Landwirt fühle sich von der Politik im Regen stehen gelassen. Er habe sich bereits um Flugtickets für die Arbeiter bemüht und Tausende Euros investiert. Der Verband der Spargel- und Erdbeerbauern fordert von der Bundesregierung, die Einreise der Helfer zu ermöglichen. Ausgang ungewiss. Zurzeit beschäftigt er 50 Menschen bei sich auf den Feldern. Wenn in vier Wochen die Hauptsaison beginnt, benötigt er 120. Er bleibe optimistisch, dass das zu stemmen ist, Leute brauche er trotzdem.

Und mit diesem Problem steht er nicht alleine da. Deutschlandweit haben Landwirte mit wenig Personal zu kämpfen. Von bis zu 300 000 fehlenden Erntehelfern ist die Rede. Zurzeit in aller Munde ist aus diesem Grund die Internet-Plattform „www.daslandhilft.de“. Dort können sich Menschen, die aufgrund der momentanen Situation nicht arbeiten können – beispielsweise Menschen aus der Gastronomie, Friseure oder Messebauer – melden und ihre Arbeitskraft anbieten. Landwirte können so bei Bedarf neue Mitarbeiter rekrutieren. Eine Win-Win-Situation könnte man meinen. Klaus Bauerles Erfahrung spricht dagegen eine andere Sprache. „Auch bei uns haben sich schon einige Fachfremde als Erntehelfer beworben“, so Bauerle, „allerdings hören viele schon nach wenigen Stunden oder einem Tag freiwillig wieder auf, weil die Arbeit so hart ist.“ Spargelstechen sei nun mal ein Knochenjob. Was er zusätzlich feststellt: Viele der Bewerber würden auch für weniger Geld als den Mindestlohn arbeiten und als Grund für die Bewerbung werde oft angegeben, mal wieder in der Natur sein zu wollen.

Neben dem anstrengenden Job sei auch die planerische Sicherheit ein Nachteil, um fachfremde Arbeiter einzustellen. „Keiner weiß, wie lange die augenblickliche Situation noch anhält, somit weiß auch niemand, wie lange ich mit Kellnern beispielsweise planen kann. Bei meinen Mitarbeitern aus Osteuropa ist das kein Problem.“

Ein weitere Schwierigkeit: Die großen Absatzmärkte für den Spargel sind weggebrochen. Das eigene Restaurant auf dem Schmidener Feld sei geschlossen, ebenso alle anderen Gaststättenbetriebe und Großkantinen. Bei der Antwort auf die Frage, wie sich die ganze Situation auf die Preise niederschlagen wird, bleibt der Landwirt vage: „Da muss man warten, was der Markt bringt.“ Auch wie ihm von staatlicher Seite unter die Arme gegriffen wird, weiß er noch nicht. Bisher sei noch nichts besprochen worden.

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