Der Sender Mühlacker dominiert die Stadt – und ist deshalb für viele Menschen unverzichtbar. Foto: factum/Weise

Eine Investorenrunde kauft das Mühlacker Wahrzeichen kurz vor der Sprengung. Der Grund: die Liebe zur Heimat.

Mühlacker - Eigentlich läge er jetzt schon in Einzelteilen am Boden, der Sendemast von Mühlacker (Enzkreis), der das Wahrzeichen der Stadt ist, als Baudenkmal gilt und sowieso mit 273 Metern das höchste Gebäude Baden-Württembergs darstellt. Das Ulmer Münster bringt es auf 161,5 Meter. Am Montag oder Dienstag dieser Woche hatte der Südwestrundfunk (SWR) als Eigentümer die rot-weiße Nadel schleifen wollen und alle letzten Rettungsversuche abgeblockt; nach jahrelangen Debatten und Tausenden von Wendungen war der SWR offenbar verschnupft, und er war des Themas wohl auch leid.

Doch jetzt ist gerade noch eine Einigung gelungen. Fünf Männer aus Mühlacker mit dem Unternehmer und früheren SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Knapp an der Spitze konnten den SWR umstimmen und haben Sicherheiten für den Kaufpreis von 550 000 Euro hinterlegt; einen Notartermin gab es aber noch nicht. „Das war wie ein Krimi“, erzählt Knapp von seinen Dauertelefonaten. Er verfolge den Kampf um den Sender seit Jahren, der Kauf sei aber eine spontane Entscheidung gewesen: „Der Sender ist für uns Heimat, und so sind wir finanziell voll ins Risiko gegangen“, sagt Knapp, der ein Unternehmen für erneuerbare Energien betreibt. Dringlich ist der Austausch der Spannschlösser an den Stahlseilen, für den die Erwerber rasch 60 000 Euro ausgeben müssen.

Ziel ist es, Wohnhäuser und Lagerhallen zu vermieten

Zu dem Senderareal auf einer Anhöhe über Mühlacker gehören drei Wohnhäuser und Lagerhallen mit 3500 Quadratmeter Fläche. Ein Hindernis für eine Nutzung war bisher der Flächennutzungsplan, der alles andere als den SWR-Betrieb untersagt. Der Gemeinderat hat nun in der vergangenen Woche entschieden, jährlich einen Zuschuss von 30 000 Euro zu geben und den Flächennutzungsplan aufzuheben. Beides sei in einer Hauruck-Aktion gelungen, sagt Knapp. Oberbürgermeister Frank Schneider war immer für die Erhaltung gewesen, sah angesichts der finanziell schwierigen Lage Mühlackers aber die eigenen Hände gebunden: „Ich freue mich, dass bürgerschaftliches Engagement die Erhaltung eines Wahrzeichens von Mühlacker möglich gemacht hat.“

Thomas Knapp rechnet mit jährlichen Kosten von 60 000 bis 100 000 Euro. Wenn er die Häuser vermiete und Firmen die Lagerhallen zur Verfügung stelle, könne inklusive des städtischen Zuschusses eine Finanzierung des laufenden Betriebs möglich sein, hofft Knapp: „Ob wir auch den Kaufpreis refinanzieren können, weiß ich nicht.“ Eine teils öffentliche Nutzung für Veranstaltungen oder durch Vereine, wie es der Bürgerinitiative Rettet den Sender Mühlacker vorgeschwebt hatte, wäre nach diesem Konzept vom Tisch.

Frank-Ulrich Seemann hat als Vorsitzender dieser Initiative mit großem Einsatz um den Sender gekämpft – in die jetzige Entscheidung war er nicht eingebunden. Wie man hört, sind Seemann und Knapp nicht die besten Freunde. Seemann ist sich deshalb noch nicht sicher, ob wirklich alles in trockenen Tüchern ist: „Ich würde mich freuen, aber manches erscheint mir noch nicht schlüssig.“ Aus diesem Grund hält der Verein an der laufenden Petition fest, mit der das Regierungspräsidium dazu gebracht werden soll, die Abbruchgenehmigung zurückzunehmen.

Sollte der Sender tatsächlich gerettet sein, müssten die Mitglieder entscheiden, ob der Verein aufgelöst werde. Es gebe aber noch einen zweiten Hauptzweck des Vereins, sagt Seemann: den Aufbau eines Rundfunkmuseums.

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