Guido Buchwald Foto: dpa - dpa

Zehn Kandidaten bewerben sich um das Amt des VfB-Präsidenten. Weltmeister Guido Buchwald gilt als Favorit – doch gibt es schon erste Sticheleien. Der Konkurrenzkampf ist eröffnet.

StuttgartDie Frist ist endgültig abgelaufen. Bis Montagabend hatten Interessenten für das Präsidentenamt beim Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Eine Frage ist nun geklärt: Zwölf Bewerbungen sind eingegangen, zehn davon waren formal korrekt. Eine andere Frage lässt der Club aus Cannstatt dagegen weiter offen: Wer diese zehn Präsidentschaftsanwärter sind, wenngleich sechs davon mittlerweile in Matthias Klopfer, Claus Vogt, Guido Buchwald, Markus Reiners, Christian Riethmüller und Bernd-Michael Hümer bekannt sind.

Zuständig für die Nominierung von bis zu zwei Kandidaten für die Wahl des Chefs im größten baden-württembergischen Sportverein mit seinen 70 000 Mitgliedern ist der VfB-Vereinsbeirat. Dessen Vorsitzender Wolf-Dietrich Erhard erklärt, warum das Gremium davon absieht, die Bewerber offen zu benennen. „Beim Amt des VfB-Präsidenten handelt es sich um ein Amt mit starker öffentlicher Interessenlage, aber nicht um ein öffentliches Amt. Vertraulichkeit ist vor diesem Hintergrund ein hohes Gut – und diese haben wir als Vereinsbeirat den Bewerbern zugesichert, weil einige ihre Persönlichkeitsrechte gewahrt sehen wollten“, sagt Erhard: „Dies gilt bis zum 7. November.“

Denn dann – heute in genau 50 Tagen – wird der Vereinsbeirat seinen Beschluss verkünden und „die beiden Kandidaten benennen“ (Erhard), zwischen denen sich die Mitglieder bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. Dezember entscheiden können. Wobei dem Vereinsbeirat offen steht, am 7. November einen Anwärter zu benennen (oder auch zwei), der nicht bis zum Ablauf der Frist am Montagabend seine Bewerbungsunterlagen abgegeben hat.

„Mir geht es um den VfB“

Markus Reiners, der seine Kandidatur am Montag via Facebook öffentlich machte, ist bewusst, dass dies passieren kann. Der 55 Jahre alte CDU-Stadtrat aus Cannstatt und sportpolitische Sprecher seiner Fraktion wünscht sich aber, dass es keine Nachnominierung zum jetzigen Bewerberkreis geben wird. Er hofft auf „Fairness auf dem Rasen und Fairness außerhalb des Platzes – dazu gehört auch dieser Auswahlprozess“. Der habilitierte Politikwissenschaftler sieht sich als „absoluter Generalist“ prädestiniert für das Amt und geht „mit breiter Brust“ ins Rennen.

Der Wahlkampf ist eröffnet. Das Feld positioniert sich, es gibt erste Spannungen. Ein Kandidat wird beispielsweise beschuldigt, die Namen von anderen Kandidaten preisgegeben zu haben, die lieber in der Deckung bleiben wollten. Zu dieser Kategorie an Präsidentschaftsanwärtern zählt Bernd-Michael Hümer, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. Und dazu gehört auch Christian Riethmüller – an dieser Haltung hat sich beim 44 Jahre alten Geschäftsführer der Tübinger Buchgroßhandlung Osiander auch nichts geändert. „Mir geht es vor allem um den VfB, deswegen werde ich mich erst öffentlich äußern, sollte ich einer der beiden finalen Kandidaten sein“, sagt Riethmüller.

Die zehn Bewerber sind laut VfB im Alter von 44 bis 65 Jahren und stammen aus ganz unterschiedlichen Bereichen von Wirtschaft, Politik und Sport. Ihre Unterlagen werden nun auf inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Danach bekommen alle geeigneten Kandidaten die Chance, dem Vereinsbeirat ihr Konzept persönlich zu präsentieren. Die zwei Gewinner des Castings werden sich am 11. November im Rahmen der Dialogveranstaltung „Der Dunkelrote Tisch“ in Stuttgart erstmals den Mitgliedern vorstellen.

Klopfer fordert Transparenz

Matthias Klopfer, der nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich Mitte Juli als erster Interessent seinen Hut in den Ring warf, zeigt Verständnis für das Vorgehen des Vereinsbeirats und den Wunsch anderer Bewerber nach Vertraulichkeit. Aber: „Ich persönlich würde mir mehr Transparenz wünschen“, sagt der 51-jährige Oberbürgermeister von Schorndorf (SPD). „Das Amt des Präsidenten ist öffentlich, dann sollte es die Kandidatur konsequenterweise auch sein. So könnten sich auch alle Mitglieder ein eigenes Bild über das Verfahren und die Kandidaten machen, das würde Vertrauen schaffen.“ So sieht das auch Claus Vogt, der nach Klopfer als zweiter Anwärter in den Ring stieg. „Grundsätzlich würde ich ein offenes, demokratisches Verfahren mit Nennung der Namen immer begrüßen“, sagt der 50-jährige Unternehmer Vogt aus Waldenbuch zum Auswahlprozess.

Der Ton ist bis jetzt bei allen Bewerbern sehr sachlich und moderat. Doch es könnte ein heißer Herbst werden, was erste Sticheleien hinter vorgehaltener Hand belegen. Etwa, dass man VfB-Präsident doch nicht neben einem OB-Posten machen könne oder: „Wenn der Vereinsbeirat Rückgrat beweist, stellt er Guido Buchwald nicht auf“, sagt etwa ein Bewerber.

Diese Personalie beschäftigt freilich auch alle anderen Kandidaten sehr. Sie sind sich bewusst, dass Buchwald dank seiner Prominenz als VfB-Vereinslegende und Weltmeister von 1990 erst einmal Favorit ist. Doch sehen sie sich nicht als chancenlos an, im Gegenteil. „Ich habe Ehrfurcht vor ihm, das ist aber eine komplett andere Arena, in der wir da jetzt spielen“, sagt Markus Reiners. Ähnlich äußert sich Claus Vogt. „Um einen Club wie den VfB zu leiten bedarf es Experten, Teamplayer, die den Club einen und stark machen“, sagt er. „Ich persönlich denke, es wäre gut, wenn beim e. V. ein glaubwürdiger Vertreter der Mitgliederseite an der Spitze stehen würde.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: