Foto: Niklas Heck (z) - Niklas Heck (z)

Die Schlussoffensive des Wasserball-Zweitligisten reicht nur gegen Bietigheim zum Sieg. Aufholjagd kommt im Spitzenspiel gegen Würzburg zu spät.

Bad CannstattManchmal will gut Ding auch im temporeichen Leistungssport Weile haben: Die Cannstatter Zweitliga-Wasserballer zündeten am vergangenen Wochenende gleich zweimal reichlich spät und starteten erst in den Schlussvierteln richtig durch. Beim 11:9 (4:4, 2:3, 3:0, 2:2)-Auswärtssieg gegen den SV Bietigheim half das Umschalten noch zu wohlverdienten Punkten, im Duell mit dem Tabellenzweiten SV Würzburg kam die besagte Schlussoffensive des Tabellenführers jedoch etwas zu spät: Der SVC verlor trotz eines starken letzten Spielabschnitts am Ende mit 9:11 (1:3, 3:2, 0:3, 5:3).

Geduld schien für SVC-Trainer Andras Feher am vergangenen Wochenende das Gebot der Stunde: Lange musste der erfahrene Coach sowohl am Samstag als auch am Sonntag vom Beckenrand aus mitzittern, ehe die jeweils letzten Minuten Gewissheit über Sieg oder Niederlage brachten. Urgestein Feher schien sich durch das Mehr an Spannung indes kaum aus der Ruhe bringen zu lassen. Auch am Ende eines langen Spielwochenendes kommentierte der Ungar gewohnt analytisch die möglichen Ursachen für die späten Initialzündungen: „Die Mannschaft hat sich aktuell mit einer ganz neuen Situation zu arrangieren. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren haben wir in Novak Zugic wieder einen etatmäßigen Center im Wasser. Darauf muss sich unser Angriffsspiel erst wieder ausrichten.“

Tatsächlich hatten Fehers Schützlinge bereits im ersten Spiel gegen den SV Bietigheim vor allem mit den Abschlüssen zu kämpfen. Während die Abwehr nach anfänglichen Unstimmigkeiten gewohnt stabil den motivierten Gegnern trotzte, fehlte in der Vorwärtsbewegung allzu häufig die letzte Durchschlagskraft. Bälle endeten in den Armen des Torhüters oder in den Reihen der Bietigheimer, was den Ausgang des Regional-Derbys lange unnötig spannend machte.

Erst nach dem Seitenwechsel zeigte sich im Ludwigsburger Campusbad wieder eine gewohnte Situation: Der SV Cannstatt zog nun deutlich von dannen und schien möglichst schnell die alten Machtverhältnisse aus dem deutlich gewonnenen Hinspiel wiederherstellen zu wollen. Die Bietigheimer ließen die Gäste dabei fast ungestört agieren und kamen selbst nur noch selten zum Abschluss vor das gegnerische Gehäuse.

Deutlich mehr Gegenwehr war da schon im Heimspiel am darauffolgenden Sonntag zu erwarten: Die junge Mannschaft des SV Würzburg hatte bereits im Vorjahr für Furore im Süden gesorgt und die positive Bilanz der letzten Saison auch in der neuen Spielzeit mühelos fortgesetzt. Die Cannstatter wussten also um die Stärke ihrer Gäste aus dem Frankenland – und schwammen dennoch erst einmal hinterher. Angriff um Angriff blieben die Würzburger erfolgreich, während bei den Hausherren der von Feher ausgemachte Effekt seinen Tribut zollte: Gegen tief verteidigende Würzburger fehlte den Sauerwasserstädtern schlicht der Ideenreichtum, um auch ohne den gedeckten Novak Zugic im Center auszukommen.

Erst mit dem letzten Viertel zeigte sich ein Umdenken in den Cannstatter Reihen: Plötzlich dominierte eine selbstbewusstere Körpersprache bei den Hausherren, die durch Adrian Thran sogar dreimal in Folge erfolgreich waren. Doch, anders als noch am Tag zuvor, kam das willensstarke Aufbäumen der Gastgeber nun zu spät – die schlussendliche 9:11-Niederlage war da schon nicht mehr abzuwenden.

SV Cannstatt: Soma Mihalik (im Tor), Miles Müller (2 Tore gegen Bietigheim/3 Tore gegen Würzburg), Moritz Hartmann, Julian Thran (1/0), Lennart Löscher (1/0), Adrian Thran (1/3), Evan Müller (1/2), Daniel Stoll, Djordje Milojkovic (3/0), Novak Zugic (1/1), Christoph Vorpahl (1/0), Felix Heck, Jonathan Nemitz (nur gegen Würzburg).

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: