Blick auf den Teil des Bildungshauses, in dem die Grundschule und die Kindertagesstätte beheimatet sein werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schule, Kita, Sporthalle und Volkshochschule unter einem Dach: das fünfstöckige Gebäude im Neckarpark vereint verschiedene Nutzungen und moderne Pädagogik – zum Schuljahr 2025/26 soll es eröffnet werden.

Das Städtebaupuzzle Neckarpark auf dem 25 Hektar großen früheren Güterbahnhof-Gelände in Bad Cannstatt nimmt weiter Gestalt an. Mit dem künftigen Bildungshaus hat jetzt ein zentrales Bauprojekt für den neuen Stadtteil Richtfest gefeiert. Nach nur 16 Monaten Bauzeit ist der Rohbau fertig und der Innenausbau hat begonnen. „Es ist ein besonderes Projekt mit einem außergewöhnlichen, tollen Konzept“, lobte Isabel Fezer, die Bürgermeisterin für Jugend und Bildung. Auf gut 7500 Quadratmeter Fläche entstehen zwischen dem Marga-von-Etzdorf-Platz beim Stadtarchiv sowie der Eleonore-Volz- und der Benzstraße eine vierzügige Grundschule und eine Zweifeld-Sporthalle, zudem eine Kita für sieben Gruppen und ein Mittelzentrum für die Volkshochschule. Die Kosten wurden 2021, als die Stadt den Vertrag mit dem Generalübernehmer Wolff + Müller Hoch- und Industriebau unterzeichnet hatte, mit 93,6 Millionen Euro beziffert. Ob die Kosten angesichts der Preissteigerungen in der Baubranche gehalten werden können, wird sich zeigen. Das Bildungszentrum soll 2025/26 in Beitrieb gehen.

Schule und Kita nicht getrennt

„Es wird das Herz des neuen Quartiers bilden“, sagt Isabel Fezer. Das spiegele sich auch in der pädagogischen Ausrichtung wider, denn Schule und Kita seien nicht getrennt. „Diese neue Art von Bildung und Erziehung ist einzigartig in Baden-Württemberg – wenn nicht sogar in ganz Deutschland.“ Die Jahrgänge bleiben von der Kita bis zum Ende der Grundschule zusammen. So entsteht ein nahtloser Übergang von der Kita zur Schule. Fezer zeigte sich sichtlich stolz auf den fünfstöckigen Gebäudekomplex, in dem modernste Pädagogik räumlich ideal vernetzt sei. Da auch für die Volkshochschule attraktive Räume geschaffen werden, „entsteht ein komplett schlüssiges Bildungsangebot für Jung und Alt“, sagte sie. Auch architektonisch werden beim Bau des Bildungshauses neue Wege beschritten. Denn das Motto von Wolff+Müller hieß von Anfang an: weg vom reinen Beton, hin zum Verbund von Holz und Beton.

Das Untergeschoss wurde als Stahlbetonsockel ausgeführt, doch alle darüberliegenden Geschosse wurden in Holzhybridbauweise gebaut. So bestehen zwei Drittel der Decken aus Holz und nur ein Drittel aus Beton. Insgesamt wurden 1800 Kubikmeter Holz verbaut. „Es ist in Stuttgart das erste öffentliche und bislang einzige Holzhybridgebäude in dieser Größenordnung“, sagte Albert Dürr, der Geschäftsführende Gesellschafter der Wolff & Müller-Gruppe. Die Gebäudehülle wird geprägt durch eine Holzfassade aus Eiche sowie einer markanten Begrünung aus horizontal angeordneten Pflanztrögen mit vertikalen Rankstrukturen aus Edelstahlseilen. Umlaufende Laubengänge dienen als Flucht- und Rettungswege.

1800 Kubikmeter Holz verbaut

Das Gebäude ist teilweise mit einer Tiefgarage unterbaut, die für eine öffentliche Nutzung vorgesehen ist. Von den 80 Pkw-Stellplätzen sind acht mit E-Ladestationen ausgestattet und 20 weitere für E-Ladeinfrastruktur vorgerüstet. Die 244 Fahrrad- und 30 Rollerabstellplätze stehen den Nutzern des Bildungshauses am Eingangsbereich der Volkshochschule und entlang des Laubengangs rund um den Innenhof zur Verfügung. Die Außenanlagen befinden sich auf Erdgeschossniveau sowie auf dem 1900 Quadratmeter großen Pausenhof auf dem Dach der Sporthalle. Dort sind Kletterwand, Kleinspielfeld, Tischtennisplatten und ein Schulgarten vorgesehen. Die Sporthalle ist teilbar, hat einen Multifunktionsraum und einen Zuschauerbereich mit 136 Sitzplätzen.

Die Volkshochschule hat im neuen Bildungszentrum unter anderem einen flexiblen Veranstaltungssaal mit 240 Sitzplätzen, Seminar-, EDV- und Multifunktionsräume, mehrere Ateliers und Bewegungsräume sowie eine Lehrküche. Vhs-Rektorin Dagmar Mikasch-Köthner sagte:„Damit bieten wir den Besucherinnen und Besuchern der Volkshochschule – ergänzend zum zentralen Veranstaltungsort Treffpunkt Rotebühlplatz – einen weiteren attraktiven Begegnungs- und Lernort in den Stadtbezirken.“

Das neue Stadtquartier

Wohnungsbau Insgesamt entstehen 850 Wohneinheiten. Die ersten gut 90 werden aktuell von der Ludwigsburger Strenger-Gruppe in unmittelbarere Nachbarschaft zum Bildungshaus realisiert.

Infrastruktur
Bereits fertig ist das 44 Millionen Euro teure Sportbad (2022), das Quartiersparkhaus, der knapp 10 000 Quadratmeter große Veielbrunnenpark (2017), die beiden Volksbank-Gebäude (2019), ein Dibag-Gebäude an der Daimlerstraße (Büros,Parkhaus) sowie einige Straßen wie etwa die neue Benzstraße, die verlegt worden ist.

Lärmschutz
Die Riegelbebauung, die als Lärmschutz für den Wohnungsbau errichtet werden muss, macht große Fortschritte. So gut wie fertig ist das Dibag-Projekt Ecke Daimler-/Mercedesstraße. Auch der Bülowkomplex Stuttgarter Höfe geht rasant voran.

In Planung
Auf drei Flächen entlang der Benzstraße erhält die Branddirektion Stuttgart für 64 Millionen Euro unter anderem ein neues Führungszentrum für Sicherheit und Gefahrenabwehr mit der Integrierten Leitstelle Stuttgart. Zudem entsteht ein neues Sportzentrum für Judo und Beach-Volleyball.