Die Räume im städtischen Kindergarten Foto: M. Kuhn

In den vergangenen Wochen haben sich die Ratten in und um den Kindergarten Am Bergwald stark vermehrt. Die Stadt versucht, die Nagetiere zu bekämpfen. Interimsweise kommen die Kinder im Waldheim unter.

Hedelfingen - Wie viele andere Kindertagesstätten war auch der städtische Kindergarten am Bergwald die vergangenen Wochen nur sporadisch genutzt. Die Kinder mussten corona-bedingt Zuhause bleiben, es gab und gibt nur eine Notbetreung. Die Ruhezeit haben jedoch offenbar andere Bewohner genutzt. Ein altes Problem. Seit 2017 bekämpft die Stadt die Ratten, die vom Wald und dem Dürrbach ihren Weg ins nahe Gebäude suchen. „Ein entsprechendes Nahrungsangebot zieht die Tiere an“, vermutet Ann-Kathrin Keicher, die Pressesprecherin der Stadt. Kinder verlieren eben immer wieder mal etwas Essbares. Hinzu kommt sicherlich, dass die klugen Nager in dem in die Jahre gekommenen Gebäude genügend Schlupflöcher finden. Der Pavillon war vor 49 Jahren aufgestellt worden – als Provisorium auf Zeit, nicht als stabiles Haus. Eltern berichten, dass die Kinder und Erzieherinnen immer wieder Nagergeräusche aus dem Untergrund oder in den Wänden gehört haben und es in den vergangenen Wochen auch nach verwesten Tieren gerochen habe.

Die Stadtverwaltung versucht seit drei Jahren mit unterschiedlichen Maßnahmen, die Population zu dezimieren. In der Kita wurden stabile Müllboxen aufgestellt, um Abfall dort sicher deponieren zu können, damit die Tiere nicht angelockt werden. Zudem wurden regelmäßig Giftköder und Fallen ausgestellt, der Bewuchs ums Gebäude abgetragen, die Laufwege der Ratten geschlossen, Schottersteine verlegt und der Fußboden und die alte Edelstahlküche sind ausgetauscht worden. „Nach dem der Schädlingsbekämpfer vor Kurzem nochmals die Situation begutachtet hat, haben wir weitere bauliche Maßnahmen ergriffen, um die Laufwege unter der Fassade und unter dem Gebäude zu lokalisieren. Eine Trockenbaufirma wurde nun beauftragt, die Schließung der Laufwege zusammen mit dem Schädlingsbekämpfer zu erreichen“, sagt Keicher.

In der Zwischenzeit – der Kindergarten bietet zurzeit eine eingeschränkte Notbetreuung an – ist die kleine Gruppe auf den benachbarten Mehrzweckraum des Waldheimvereins ausgewichen. Der Waldheimverein habe dies im Rahmen der guten Zusammenarbeit kurzfristig ermöglicht. Alle Anfragen der Eltern auf Notbetreuung könnten dadurch aktuell bedient werden. Zehn Kinder werden derzeit im erst kürzlich umgebauten Turn- und Mehrzweckraum betreut. Dieser war auch schon vorher immer wieder genutzt worden. „Wegen des starken Befalls, der Präsenz der Nager und deren Kot ist die Kinderbetreuung aus gesundheitlichen Gründen in den Kita-Räumen nicht möglich“, sagt Keicher. Doch die Stadt bleibt optimistisch. „Alle Beteiligten freuen sich, nach in Aussicht gestellter schneller Fertigstellung der baulichen Maßnahmen, sofort wieder den Betrieb in der Einrichtung Am Bergwald weiterzuführen.“ Doch das Jugendamt hat auch einen Plan B. „Sollte es nach der beauftragten, erneuten Schließung der Laufwege nochmals zum Eindringen der Nager in den Innenbereich kommen, muss die Außenfassade geöffnet werden“, sagt Keicher. Hierfür habe die Stadt bereits Kontakt mit dem Hochbauamt aufgenommen.

Die Herausforderung: Von Juli an soll landesweit der Kita-Betrieb wieder im Regelbetrieb laufen. Die Erzieherinnen müssen also nicht nur zehn, sondern bis zu 40 Kinder betreuen. Wo sollen sie unterkommen? Der Waldheimverein kann sich vorstellen, dass er auf seinen großen Saal und die Gastronomieräume – und damit aber auch auf Veranstaltungen und Gruppenangebote – verzichten würde, „um den Kindern eine Betreuungsmöglichkeit zu sichern“, sagt Waldheimvereins-Vorsitzender Paul Wurm. Nicht nur für ihn, sondern auch für viele Nachbarn und Eltern stellt sich aber die Frage, ob die Stadt nochmals Geld in das 50 Jahre alte Gebäude stecken sollen oder ob es sinnvoller wäre, es abzureißen und eine neues, nachhaltigeres, zeitgemäßeres und rattensicheres Gebäude zu errichten.

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