Noch versperrt ein Bauzaun den Zugang ins Hedelfinger Bezirksrathaus. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten sind abgeschlossen. Aber die Stadt sucht noch Mittel, um Foto: Mathias Kuhn

Die Sanierung des Rathauses ist beendet. Der Rückzug der Mitarbeiter wurde aber verschoben. Noch hoffen die Hedelfinger, dass im Dachgeschoss ein Bürgersaal gebaut wird. Das Geld fehlt allerdings noch.

Hedelfingen - Noch versperrt ein Bauzaun den Zugang ins Bezirksrathaus. Vor ziemlich genau einem Jahr haben die Mitarbeiter des Bezirksamts ihre Umzugskisten gepackt. Vom historischen Rathaus waren sie in die Interims-Büros im Bürgerhaus am Hedelfinger Platz umgesiedelt. Im Februar sollte nun der Rückzug erfolgen. Er wurde verschoben. Dabei haben die Handwerker ihre Arbeiten bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen. Sie hatten einige Herausforderungen zu meistern. Ausgangspunkt für die Sanierung war der Wunsch nach einem barrierefreien Rathaus. Dazu musste ein Aufzug eingebaut werden. Die Schwierigkeit: Der denkmalgeschützte Charakter durfte darunter nicht leiden. Gleichzeitig mussten die veraltete Elektrik erneuert und das Gebäude energetisch fit gemacht werden. „Die Bauarbeiten offenbarten allerdings etliche Mängel, sodass wir jetzt von einer Totalsanierung sprechen können“, berichtete Architektin Ute Oehring beim Rundgang mit den Bezirksbeiräten. Neue Fenster wurden eingebaut und die Dachgeschossräume gedämmt. Die Inneneinrichtung ist abgeschlossen. Eigentlich könnten die Beschäftigten der Bezirksverwaltung ihre Umzugskisten packen.

„Wir haben uns aber entschlossen, den Umzug zu verschieben“, berichtet Bezirksvorsteher Kai Freier. Die Gründe sind vielfältig. Einer ist der nahe Landtagswahltermin. Sechs Wochen vor dem Wahlsonntag sind die Mitarbeitenden mit den Vorbereitungen beschäftigt. Wegen der Corona-Bestimmungen rechnen die Beschäftigten mit verstärkten Wünschen nach Briefwahl und entsprechendem Publikumsverkehr.

Wichtigster Grund, um noch einige Wochen in den Interimsräumen zu verharren, ist aber die Ungewissheit über den Bürgersaal. Im Zuge der Planungen waren die Hedelfinger auf die historischen Baupläne für das Rathaus gestoßen. Der damalige Architekt hatte einen Bürgersaal im Dachgeschoss vorgesehen und offensichtlich gebaut. Später wurde der Saal aber in Büros aufgeteilt. Stuckdecken zeugen noch vom einstigen Nutzen des attraktiven Raumes. Er ähnelt dem Obertürkheimer Sitzungssaal. Die Hedelfinger schlugen deswegen vor, ihn im Zuge der Sanierung wiederherzustellen. „Wir benötigen einen größeren Veranstaltungssaal. Der Trauraum, den wir bisher als Sitzungssaal nutzten, ist zu klein geworden“, sagt Freier.

Er vertritt die Meinung der Bezirksbeiräte. Sie forderten zusätzliche Mittel für die Umgestaltung. Lange Zeit sah es so aus, als ob die Stadtverwaltung den Hedelfinger Wünschen folgen würde. Fachleute des Denkmalschutzes gaben ihr Einverständnis. Auch eine große Mehrheit der Gemeinderatsfraktionen sprachen sich für den Bürgersaal aus. „Er böte mehr Platz und könnte auch für Versammlungen oder kleine Veranstaltungen von Vereinen oder Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Da die Bezirksverwaltung und das Bürgerbüro derzeit ausgelagert sind, halten wir es für wichtig und notwendig, sich sehr zeitnah mit dem Thema „Bürgersaal“ zu beschäftigen“, hieß es in einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen im November. Die Vorteile liegen für die Stadträte auf der Hand. Wenn die lärm- und schmutzintensiven Arbeiten während der jetzigen Auslagerung erfolgen würden, brächte dies Kostenersparnisse mit sich.

Doch noch hat sich nichts getan. Die Stadtverwaltung ringt um eine Entscheidung. „Momentan sind verschiedene Fachabteilungen zur Beantwortung des Gemeinderatsantrags in der Abstimmung“, bittet Pressesprecher Martin Thronberens um Geduld. Gestern berichtet Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann nun den Stadträten über den Stand der Bemühungen. „Auch die Stadtverwaltung hält es für sinnvoll, mit dem Rückbau zum Bürgersaal sofort zu beginnen. Aber es fehlt das Geld. Dieses muss zuerst in den kommenden Haushaltsberatungen genehmigt werden“, berichten Stefan Conzelmann (SPD), Fritz Currle (CDU) und Konrad Zaiß (Freie Wähler) aus der Sitzung. Etwa 490 000 Euro würde der Umbau zum Bürgersaal kosten. „Es wäre aber Unfug, wenn jetzt die Mitarbeiter wiedereinziehen und das Rathaus in zwei Jahren wieder zur Baustelle wird“, sagt Zaiß. Deswegen bat Currle den Finanzbürgerbürgermeister, nochmals zu schauen, ob nicht doch irgendwo Mittel übrig seien oder ein anderes Projekt sich verzögert, dessen Mittel die Stadt nutzen kann. „Wir sind zuversichtlich, dass die Stadtverwaltung Finanzierungsmöglichkeiten findet. Die Fraktionen sprachen sich ja einstimmig für den sofortigen Bau des Bürgersaals aus“, sagt Conzelmann.

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