Rechtzeitig vor der Kreuzung zur Ostendstraße müssen die Busse in der Wagenburgstraße von rechts nach links die normale Fahrspur kreuzen. Foto:  

Stadt hat in der Wagenburgstraße eine zweite Busspur eingerichtet.

Stuttgart-Ost - Seit Samstag, 31. Oktober , haben Busse der Linie 40 in der Wagenburgstraße auch stadtauswärts ihre eigene Fahrspur (wir berichteten). Ziel der Maßnahme ist, neben der Luftreinhaltung die Pünktlichkeit und Attraktivität der Buslinie zu erhöhen. Denn sobald die Fahrzeuge der Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB) die Schwarenbergstraße passiert haben, könnten sie eigentlich autark – am Stau vorbei – in Richtung Ostendstraße rollen.

Eigentlich. Denn auf der 500 Meter langen Strecke befinden sich gleich zwei Engstellen. Das erste Nadelöhr stellt die Haltestelle Wunnensteinstraße dar, die im Sommer 2016 für 150 000 Euro behindertengerecht umgebaut wurde. Damals wurde die Fahrbahn so verengt, dass Busse nicht mehr überholt werden konnten. Nach dem kurzen Halt kehrt der 40er auf seine eigene Spur zurück, um schließlich nach weiteren 200 Metern links abzubiegen – dazu muss er dieses Mal die Fahrspur der anderen Verkehrsteilnehmer sogar kreuzen.

Zwei Fahrmanöver, die aus Sicht der Stadt und der SSB „bei einem dort üblichen Verkehrsgeschehen und Verkehrsaufkommen für den Busverkehr machbar sind“, sagt Stadtsprecherin Jasmin Bühler nach Rücksprache mit den betroffenen Ämtern. Daher seien auch bauliche Veränderungen an der Haltestelle derzeit nicht geplant. Ebenso werde man keine Ampeln nachrüsten. „Sie werden von der SSB derzeit nicht als notwendig angesehen und wären für den Verkehrsfluss eher kontraproduktiv. Nach Einschätzung der Straßenverkehrsbehörde stellt der Spurwechsel für die Berufskraftfahrer kein Problem dar. Zudem handelt es sich bei diesem Projekt um einen Verkehrsversuch, bei dem auch der Verkehrsablauf – dazu gehört auch der Spurwechsel – mit beobachtet wird und in die Evaluation mit einfließt.“ Die Testphase wird voraussichtlich ein Jahr dauern. Auf ihrer Basis wird dann über den Fortbestand entschieden.

Kein Stau wegen Veranstaltungen

Diesen Zeitraum hat die Busspur stadteinwärts schon hinter sich. Sie wurde am 29. Oktober 2019 eingerichtet. „Der Evaluationszeitraum war ursprünglich für drei Monate angesetzt“, sagt Bühler, sei dann aber verlängert worden. „Die Spurbreiten, mit denen die Busspur und die Fahrspur daneben eingerichtet wurden, sind zwar verträglich, jedoch nicht optimal.“ Anschließend habe man aufgrund der pandemiebedingten ungewöhnlichen Entwicklung der Verkehrsverhältnisse keine belastbaren Erkenntnisse gewonnen. Eine fundierte Auswertung sei nicht möglich gewesen. „Aus diesem Grund wurde der ursprüngliche Testzeitraum als zu kurz angesehen und weitergehende Beobachtung über einen längeren Evaluationszeitraums als notwendig erachtet.“

Ob auf der gegenüberliegenden Seite in den nächsten Wochen und Monaten vernünftige Zahlen ermittelt werden können, bleibt abzuwarten. In verkehrsarmen Lockdown-Zeiten klappt das Reißverschlussverfahren an den Engstellen zwar weitestgehend problemlos. Doch, was passiert, wenn sich die üblichen Staus im Feierabendverkehr zu Konzerten in der Schleyerhalle, Heimspielen des VfB Stuttgart oder zum Frühling- und Volksfest bilden?

Strenge Grenzen

So mancher Anwohner hat jetzt schon genug von der zweiten Busspur. „Das macht alles keinen Sinn mehr“, sagt ein Gablenberger, der in den Morgenstunden auf dem Weg zu seinem geparkten Fahrzeug die Grünfläche in der Wagenburgstraße überquert. „Früher konnte man selbst hier noch parken, heute ist das ein besseres Hundeklo.“ Dass er an seinem Auto wohl wieder einen Strafzettel haben wird, entlockt ihm nur noch ein Schulterzucken. „Mein Anwohnerparkausweis ist nur für die Zone O 6, also in Teilen von Gablenberg gültig, aber ich war froh, dass ich gestern Abend überhaupt noch einen freien Parkplatz gefunden habe.“ Dass 46 legale Stellflächen auf einen Schlag verschwunden seien, würde die Suche nicht erleichtern.

Kein Ersatz

Abhilfe ist jedoch vorerst nicht in Sicht. „Der bestehende Parkraum ist an dieser Stelle durch den historisch gewachsenen Straßenraum vorgegeben und lässt sich leider nicht beliebig vermehren“, sagt die Stadtsprecherin. „Daher wird derzeit keine Möglichkeit gesehen, die entfallenden Parkplätze zu ersetzen.“ Im Bereich der Grund- und Werkrealschule Gablenberg laufe jedoch langfristig eine Machbarkeitsstudie, bei der untersucht werde, ob in diesem Bereich eine Quartiersgarage eingerichtet werden könne.

Die Busspur ist Teil der dritten Fortschreibung des Luftreinhalteplans, die vom Land Ende 2018 angeordnet wurde. Sprich, die Stadt musste diese Maßnahme umsetzen. „Die Frage ist nur,wie man das macht“, sagt der Anwohner, der gehofft hat, dass seine Parkraumzone eventuell über die Wagenburgstraße hinaus vergrößert würde. Die Stadt lehnt solche Überschneidungen jedoch ab. Sie würden nur im Bereich der Grenzstraße zwischen zwei Bewohnerparkgebieten eingerichtet, heißt es aus dem Rathaus. „Eine weitergehende Überlappung ist nicht möglich, ohne die Grenzen der Bewohnerparkgebiete zu stark zu verwässern.“ Gleichzeitig habe man Verständnis für die Beschwerden der Autofahrer. Sie seien nachvollziehbar, so Jasmin Bühler. „Natürlich wird es für die direkten Anwohner der dicht besiedelten Wagenburgstraße durch die Einrichtung der Busspur schwieriger, einen Parkplatz zu finden. Jedoch machen die Parkplätze in der Wagenburgstraße in stadteinwärts lediglich 1,99 Prozent und stadtauswärts 3,29 Prozent der Parkplätze des gesamten, anliegenden Bewohnerparkgebiets aus. Das heißt, in der Summe und flächenbezogen auf das gesamte benachbarte Bewohnerparkgebiet relativiert sich der Parkplatzverlust.“

Dass sich ein Parkplatz-Suchender dabei auf weite Fußwege einstellen muss, wurde nicht berücksichtigt. Immerhin zieht sich die Zone O 6 von der Wagenburgstraße bis zum Schmalzmarkt und Gaisburg, die Zone O 2 bis zum Urach- beziehungsweise Lukasplatz.

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