„Inmitten wachsender Unzufriedenheit steht der Handwerkerparkausweis für eine dringend nötige Solidarität“, meint unser Autor Eddie Langner.
Handwerksbetriebe haben es nicht leicht in diesen Tagen: Hohe Energie- und Materialkosten, Fachkräftemangel und eine Kundschaft, die sich auf Internetportalen den billigsten Anbieter herauspickt und kaum noch bereit ist, für Erfahrung und Qualität einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Hinzu kommt ein Übermaß an Bürokratie, die gerade in kleineren Firmen dazu führt, dass die Führungsspitzen vor lauter Papierkram kaum noch zu der handwerklichen Tätigkeit kommen, wegen der sie sich einmal für den jeweiligen Beruf entschieden haben.
Viel Unmut, viel Protest
Das führt zu einem Unmut, der sich in letzter Zeit immer vernehmlicher Luft macht – sei es mit Traktorkolonnen, vor dem Brandenburger Tor oder – wie im Herbst beim Fensterbauer Jourdan in Althengstett – mit einem Protestschild, das Grünenpolitikern und ihrer Wählerschaft den Zutritt verboten hat.
Inwieweit einzelne Aktionen berechtigt, maßvoll und zielgerichtet sind, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Alleinschuld an einer bestimmten Partei oder Koalition festzumachen, greift zu kurz. In jedem Fall aber ist der Frust und die Unzufriedenheit bei Handwerkern, Bauern und ganz allgemein beim Mittelstand sehr real und lässt für das bevorstehende Superwahljahr einen üblen Rechtsruck befürchten.
Bürokratieabbau ist machbar
Insofern ist es dringend notwendig – ob auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene – dass politische Entscheidungsträger den Schulterschluss mit all jenen üben, die unseren Wirtschaftsmotor am Laufen halten. Eine kleine, aber sinnvolle Geste wie die Einführung des Handwerkerparkausweises für den Landkreis Böblingen sendet deshalb ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass Bürokratieabbau durchaus machbar ist. Man muss nur eben im Kleinen damit anfangen.