Die Zahl der Familienunternehmen nimmt ab. Das wird den Wirtschaftsstandort auf Dauer schwächen, meint Daniel Gräfe. Ein Grund ist auch der gute Arbeitsmarkt.
Dass der Mittelstand in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, liegt auch an der großen Zahl der Familienunternehmen. Sie sind in der Region verwurzelt, planen nachhaltig und unterhalten oft eine gute Partnerschaft mit der Belegschaft. Leider gerät die Erfolgsgeschichte durch den demografischen Wandel massiv unter Druck. Wenn in den kommenden Jahren immer mehr Babyboomer in den Ruhestand gehen, wird sich auch für immer mehr Unternehmen keine Nachfolge finden. Bereits jetzt ist jeder dritte Chef eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens 60 oder älter.
Weil die Babyboomer selbst weniger Kinder haben, ist die Nachfolge innerhalb der eigenen Familie schwer. Dabei ist infolge der Pandemie der ohnehin große Wunsch der Unternehmer nach einer familiären Lösung sogar noch gestiegen. Viele Gründe sprechen dafür: Der innerfamiliäre Wechsel ist meist einfacher, günstiger und besser vorbereitet als eine externe Nachfolge – auch weil die Kinder meist mit dem Unternehmen vertraut sind.
Eine gute Work-Life-Balance bietet die Unternehmensnachfolge nicht
Gleichzeitig ist das auch das Problem: Sie bekommen mit, wie zeitraubend, verantwortungsvoll und fordernd die Unternehmensführung ist und wie sich Berufliches und Privates mischen. Da gehen viele lieber den einfachen Weg und wählen eine Anstellung mit einer besseren Work-Life-Balance. In Zeiten eines starken Arbeitsmarkts finden sie viele attraktive Alternativen.
Das mangelnde Interesse ist der Hauptgrund, dass Chef oder Chefin den Betrieb schließen, wenn sie in den Ruhestand gehen. Das ist eine beunruhigende Entwicklung, die den Wirtschaftsstandort auf Dauer schwächen wird. Denn auch die Zahl der Existenzgründungen ist stark gesunken und stagniert auf einem niedrigen Niveau. Zumindest gibt es eine gute Nachricht: Die Unternehmerschaft plant die Nachfolge zeitiger und umsichtiger als früher. Dass Unternehmer nicht von ihrem Lebenswerk lassen können, ist selten geworden.