Ein lauter Knall schreckt immer wieder Menschen im Kreis auf. Für den jüngsten war eine Abfangübung mit acht Eurofightern verantwortlich.
Es kommt in letzter Zeit verstärkt zu Knall-Geräuschen im Südwesten, was die Menschen aufschreckt und verunsichert. Viele denken an den Ukraine-Krieg“, schreibt ein Leser und fragt sich, ob es sich um verstärkte Übungen handelt.
Der jüngste Rumms, bei dem Fensterscheiben im Landkreis vibrierten, liegt eine knappe Woche zurück. Die Auswertung der Radardaten vom 14. April zeigt zwischen 9.37 und 11 Uhr Ortszeit ein niederländisches Tankflugzeug und acht Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Typ Eurofighter, welche zu Abfangübungen und zur Luftbetankung auf der Tankerroute „Gretchen“ geflogen sind, teilt ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr mit Sitz in Köln mit. Die Luftbetankung habe in einer Höhe zwischen 25 000 Fuß, das sind 7620 Meter, und 27 000 Fuß (8230 Meter) stattgefunden.
Piloten trainieren für den Ernstfall
Im Zeitraum zwischen 10.31 und 10.46 Uhr Ortszeit seien zwei Luftfahrzeuge oberhalb von 36 000 Fuß (rund 10 973 Meter) mehrmals kurzzeitig mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs gewesen, fügt der Sprecher hinzu und betont: „Nach den hier vorliegenden Unterlagen wurde der Flugbetrieb nach den geltenden Bestimmungen durchgeführt.“ Er verweist auf eine Internetseite der Bundeswehr zum militärischen Flugbetrieb. Demnach gehe es beim Einsatz von Kampfflugzeugen und damit auch für das Training um Schnelligkeit, Flugmanöver, taktische Überlegenheit und Feuerkraft. Besatzung und Maschine übten realitätsnahe militärische Szenarien wie Luftverteidigungseinsätze, Luftnahunterstützung oder Tiefflüge, um sie im Ernstfall zu beherrschen. Die fliegenden Geschwader nutzten dazu die ausgewiesenen Übungslufträume in Deutschland.
Über Teilen von Baden-Württemberg und Bayern befindet sich der Übungsluftraum TRA Allgäu. „TRA“ steht für Temporary Reserved Airspace. Dieser Luftraum sei eingerichtet worden, um durch die Trennung von zivilem und militärischem Luftverkehr die Sicherheit zu gewährleisten. „In diesem Luftraum werden von unterschiedlichen fliegenden Verbänden hauptsächlich Luftkampf- und Abfangübungen sowie technische Flüge durchgeführt“, erklärt der Sprecher des Luftfahrtsamtes der Bundeswehr. Über Deutschland verteilt gebe es noch eine Reihe weiterer solcher Übungslufträume, die ebenfalls für militärischen Flugbetrieb genutzt werden. Innerhalb der TRA Allgäu befindet sich die Luftbetankungsstrecke „Gretchen“, wo die Abfangübung stattfand.
Immer wieder gibt es im Landkreis Beschwerden über Fluglärm. Vermeiden lasse sich dieser nicht, so das Luftfahrtamt. Die Bundeswehr habe sich aber freiwillig verpflichtet, „ihn auf das unbedingt notwendige Maß zu reduzieren und nach Möglichkeit regional aufzuteilen, um nicht bestimmte Regionen übermäßig zu belasten“.
Im Juni wird es eine groß angelegte Nato-Übung geben
Im Juni müssen die Menschen im Landkreis mehrere Tage lang mit mehr Fluglärm rechnen. Bei der multinationalen Übung „Air Defender 23“ trainieren laut der Luftwaffe 24 Nationen gemeinsame Luftoperationen. Es handelt sich dabei um die größte Übung von Luftstreitkräften seit Bestehen der Nato. Vom 12. bis 24. Juni trainieren bis zu 10 000 Teilnehmer mit 220 Flugzeugen unter der Führung der Luftwaffe im europäischen Luftraum. Die Übungen werden hauptsächlich in drei Flugkorridoren über Deutschland stattfinden – auch im militärischen Übungsluftraums TRA Allgäu.