Martin Kusej sieht Extreme in zwei Richtungen. Foto: dpa/Roland Schlager

Im September wird das Wiener Burgtheater seinen Spielbetrieb wieder aufnehmen. Für seinen Direktor Martin Kusej stellt sich angesichts der Viruskrise die Frage nach der Verfügungsmacht über die Körper.

Wien - Burgtheater-Direktor Martin Kusej macht sich in der Corona-Krise Gedanken über die Eingriffe des Staates in den Alltag der Menschen. „Es wird nun so klar wie selten, dass die Körper Gegenstände politischer Regulierungen sind“, teilte er der Deutschen Presse-Agentur in Wien mit. „Wer besitzt Verfügungsmacht über die Körper? Hier scheint mir, dass wir das richtige Maß noch nicht gefunden haben.“

Es gebe Extreme in zwei Richtungen: „Wir können als Individuen und als Gesellschaft nicht dauerhaft auf Begegnung, Austausch, Nähe verzichten, auf der anderen Seite ist es krass, wie wissenschaftliche Fakten verleugnet werden und sich Leute teils asozial gegenüber ihrem Umfeld verhalten.“

Erzwungene Isolation

Die neue Spielzeit am Burgtheater soll im September Kusejs Inszenierung von Calderons „Das Leben ist ein Traum“ eröffnen, ein Stück in dem ein Prinz aus erzwungener Isolation ins Leben zurückkehrt. „Das Moment der künstlerischen Reflexion und des kritischen Hinterfragens ist enorm wichtig und aus Rückmeldungen unseres Publikums wissen wir, dass es eine große Sehnsucht nach dem Theater gibt“, sagte der 59-Jährige über die Wiedereröffnung. Mit Experten sei ein Konzept mit Schutzmaßnahmen für das Haus erstellt worden, mit dem man den Vorstellungsbetrieb gut fahren könne.

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