Da schien man sich noch zu schätzen: Claus Vogt (links) und Thomas Hitzlsperger im Dezember 2019. Foto: dpa/Tom Weller

Der sportliche Aufschwung des VfB Stuttgart wird derzeit von einem anderen Thema überlagert: dem Machtkampf an der Vereinsspitze zwischen Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger. Die Fanclubs des Bundesligisten reagieren mit Kopfschütteln auf den öffentlich ausgetragenen Zwist.

Bad Cannstatt - E igentlich könnten VfB-Fans derzeit in Glückseligkeit schwelgen: Die Punkte-Ausbeute aus den bisherigen Partien ist besser als erwartet, der von Trainer Pellegrino Matarazzo verordnete Spielstil findet auch bei Fußball-Experten Anerkennung. Und dennoch sorgt bundesweit etwas anderes für deutlich mehr Aufsehen: der öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und VfB-Präsident Claus Vogt. „Schön nur auf dem Platz“, titelte das Magazin „Der Spiegel“ deshalb jüngst.

Seit mehr als 20 Jahren ist Tom-Philipp Zoll Mitglied des Bundesligisten – und hat in dieser Zeit einiges erlebt. Und dennoch: Die Schlammschlacht an der Vereinsspitze kam für den Vorsitzenden des Fanclubs „Powerplay 94“ zu diesem Zeitpunkt „total überraschend“. Was Hitzlsperger zur Ankündigung seiner Kandidatur und der öffentlichen Abrechnung mit Vogt bewegt haben könnte, darüber kann auch Zoll nur spekulieren. Dass die Datenaffäre allerdings eine entscheidende Rolle gespielt haben dürfte, steht für ihn fest. Sein Standpunkt dazu: „Der Vorgang muss aufgeklärt werden. Ohne Wenn und Aber.“ Wenig Sympathie hegt der Fanclub-Vorsitzende für den Gedanken, dass Präsidentenamt und Vorstandsspitze von derselben Person ausgeübt werden – wie es eine Anwaltskanzlei derzeit im Auftrag des Vereinsbeirats überprüft. „Das ist nicht im Sinn der Mitglieder.“

Etwa 160 weibliche Mitglieder zählt der Fanclub „Achtzehn93 dunkelrote Mädels“. Dort steht dieser Tage zwar noch immer die Freude über den sportlichen Erfolg im Vordergrund, aber auch der Machtkampf an der VfB-Spitze wird verfolgt. „Mit gemischten Gefühlen“, wie die Vorsitzende Michaela Bürk betont. Dass die Auseinandersetzung in der vergangenen Woche öffentlich ausgetragen wurde, ist ihrer Ansicht nach nur schwer nachzuvollziehen – auch wenn, wie sie betont, die danach erfolgte Annäherung zwischen den Kontrahenten wichtig war. Allerdings: „Dieses ‚Gespräch unter Männern’ hätte vorher stattfinden müssen“, ist die Vorsitzende des 2017 gegründeten Fanclubs überzeugt. Käme es zu einer Kampf-Abstimmung sei derzeit nicht ersichtlich, welche Person unter den dunkelroten Mädels als Favorit gelte. Ihre Bitte an Vorstandschef und Präsident lautet entsprechend, dass sich „beide Kontrahenten an einen Tisch setzen und eine gemeinsame Lösung finden“.

Ein Statement wollen die „Ultras Schwabensturm 02“ derzeit noch nicht abgeben. Der Grund? „Aktuell ist die Gemengelage für uns sehr undurchsichtig, sodass wir im Moment zu Ihren Fragen noch keine Stellung beziehen wollen“, erklärt Clemens Knödler. Gleichzeitig verweist er auf die Spruchbänder am Stadion und an der Geschäftsstelle. Sie würden inhaltlich das aus ihrer Sicht Notwendige auf den Punkt bringen. Am Stadion wurde ein Spruchband angebracht, auf dem steht: „Niemand ist größer als der Verein und seine Mitglieder.“ Mit weiteren Äußerungen hält sich der Fanclub derweil zurück. Im Internetportal „Spox“ hatte sich Clemens Knödler in einem Interview im Mai 2020 zur aktuellen VfB-Spitze wie folgt geäußert: „Mit Claus Vogt gibt es einen Präsidenten, dem wir grundsätzlich abnehmen, dass er alles dafür tun will, dass sich die Entfremdung von der Basis nicht noch weiter fortsetzt. Unter der Führung von Wolfgang Dietrich hatten wir den Scheindialog einseitig abgebrochen.“

Eine Stellungnahme zu der „in den letzten Tagen massiv medial befeuerten Unruhe“ ist auch auf der Webseite des Fanclubs „Commando Cannstatt 1997“ zu finden. „Diskussionen, Hinterfragen und das Einbringen verschiedener Perspektiven zum Wohle des VfB sind eine Sache, schließlich ist niemand über jede Kritik erhaben“, ist dort zu lesen. „Mit Zähnen und Klauen, aber wenigen Argumenten oder sogar nachdem man die Aufsicht über zwei Abstiege geführt hat, um lieb gewonnene Posten, Macht und Einfluss zu kämpfen, ist dagegen etwas völlig anderes.“ Man hoffe, Fans und Mitglieder blieben hier auf Ballhöhe und Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt seien sich „ihrer gemeinsamen Verantwortung für das positive Bild des VfB Stuttgart in den letzten Monaten bewusst“.

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