Ihre Amtsführung steht in der Kritik: die Archivdirektorin Sandra Richter Foto: dpa/Fabian Sommer

Die Konflikte im Deutschen Literaturarchiv Marbach schlagen immer höhere Wellen: Jetzt macht eine Anfrage eines SPD-Abgeordneten die innerbetrieblichen Auseinandersetzungen zum Thema für die Landesregierung.

Marbach - Die Schlagzeilen über die Querelen rund um das Deutsche Literaturarchiv (DLA) Marbach und seine Direktorin Sandra Richter reißen nicht ab – und beschäftigen nun auch die baden-württembergische Landesregierung. Nachdem in mehreren Medien über die Streitigkeiten auf der Schillerhöhe berichtet wurde, hat nun der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir eine Anfrage an das zuständige Wissenschaftsministerium gestellt.

Der Ulmer Politiker fordert darin Aufklärung über die „personalrechtlichen und innerbetrieblichen Auseinandersetzungen mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ der Marbacher Institution sowie Informationen über die Hintergründe der „Kritik an der Amtsführung der aktuellen Leitung“. Zudem erhofft sich Rivoir Klärung darüber, „wie schwerwiegend“ die Personalkonflikte in dem „über das Land hinausstrahlenden“ Haus seien und inwieweit diese auch dessen „nationales und internationales Renommee“ beeinträchtigen könnten.

Das Archiv soll zum parlamentarischen Vorgang werden

Er sei überrascht gewesen, was jüngst in den Zeitungen über das DLA geschrieben wurde, so Rivoir gegenüber unserer Zeitung; mit der Anfrage wolle er die Situation am Literaturarchiv zum parlamentarischen Vorgang machen, schließlich handle es sich um eine Einrichtung, bei der neben dem Bund das Land mit in der Verantwortung sei. Laut Rivoir werde die Anfrage voraussichtlich bei der nächsten Sitzung des Wissenschaftsausschusses nach der Sommerpause auf der Tagesordnung stehen.

Um welche Streitigkeiten geht es? Ende Mai hatten die Ulmer „Südwest Presse“ sowie unsere Zeitung über Kritik der Belegschaft am Führungsstil der seit Anfang 2019 in der Nachfolge von Ulrich Raulff amtierenden Direktorin berichtet. Anfang Juli wurde ein in der Presse als „Brandbrief“ tituliertes Schreiben der DLA-Betriebsratsvorsitzenden Ulrike Weiß an das aufsichtführende Kuratorium bekannt. Darin äußerte Weiß die Bitte, sich mit der „desolaten Lage“ des DLA zu befassen. Marbach müsse wieder zu einem Ort werden, „an dem man wohlwollend miteinander umgeht und gerne arbeitet“. Schließlich zog der Vorgang auch die Aufmerksamkeit überregionaler Medien auf sich.

Vier Millionen Euro Sondermittel

Vor allem zwei Personalien haben die rund 260 Mitarbeiter demnach gegen ihre Chefin aufgebracht. Richter setzte kurz nach ihrem Amtsantritt die Kündigung der Verwaltungsdirektorin Dagmar Janson durch. Diese „Demontierung“ lasse auf „Willkür und Duodezverhalten“ schließen, wird aus dem Betriebsratschreiben zitiert. Ebenso rief die Rückkehr der unter Raulff beurlaubten Heike Gfrereis als Leiterin des Literaturmuseums Unmut hervor. Ein weiterer Kritikpunkt: die angeblich seltene Anwesenheit Richters in Marbach. Die internationale Vernetzung und Digitalisierung der Institution sowie Erweiterungsbauten stehen auf der Agenda der Literaturwissenschaftlerin, die von Bund und Land vier Millionen Euro Sondermittel genehmigt bekommen hat.

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